und Nachrichten. Pf
Liebe und Ehestand müßte ein junges Frauenzimmer nicht eher kennen lernen, als bis es wirklich verhevrathet würde. Das ist ein groses Vor- urtheil und ein sehr schädlicher Fehler. Man! sollte die Töchter frühzeitig lehren» worin, die wahre und tugendhafte Liebe besteht und wie sie durch den Ehestand glücklich werden können. Dadurch könnte manchem Unheil und sehr vielen Verdrüslichkeiten vorgebogen werde». Man würde gewis nicht so viele Mädchen in schöne Narren und reiche Westen sich verlieben und mit den liederlichsten Kerlen durchgehen sehen, wenn sie wüßten, worin die tugendhafte Liebe, die uns glücklich macht, bestünde- Warum will man die Töchter gerade in diesem einzigen Stücke ganz unwissend, lassen da doch ein so groser Theil unsrer Glückseeligkeit von dem Ehestande abhängt, zu dem wir armen hülfiosen Geschöpfe alle 'berufen sind, so lang keine andre wichtige Ursachen, uns diesen Stand widerrathen? Die Liebe überhaupt betrachtet. bringt uns keine Schande. Ein empfindungsvolles und zärtliches Herz ist das kostbarste Geschenk unsers Schöpfers. Ein Mensch, der fühllos ist, ist sehr zu bedauren. Alle Quellen der reinsten irrdlschen Freuden sind für ihn verstopft. Nein, mein Kind, die Liebe ist uns nicht verboten, weder Durch die Vernunft, noch durch die Religion; das sträfliche und Schändliche in der Liebe entsteht nur aus der Art, wie wir lieben und aus den Ursachen, warum wir lieben. Weil die wenigsten wissen, wie und warum sie lieben sollen, so ist es kein Wunder, daß die allermeisten in ihrer Liebe unglücklich werden müssen. Der größte Theil fragt da- bey nur blos seine Leidenschaften um Rath. Einige sind eigennützig in ihrer Liebe, trachten nach nichts als nach der Vermehrung ihres Rerchthums. Andere lieben aus Ehrgeiz und suchen blos durch die Ehe geehrt und angesehen zu werden. Für einer solchen'Liebe muß du dich auf das allersorg- faltigste hüten, wenn du so glücklich durch die Ebe werden willst, als ich es hin Dein Herz müsse sich nie von dem äuserlichen Scheine und dem blendenden Pracht verfuhren lassen. Du kannst nicht glücklich seyn, wenn du nichts mehr als eine reiche und wohlgekleidete Sclavrim wirst. Laß dich in kein Verlöbnis ein , wodurch du nur blos reicher und vornehmer werden kannst, wenn es dir nicht zugleich auch den Genuß der süssen Freuden verspricht, welche aus einer treuen und redlichen Freundschaft, aus einer wahren Grosmuth, aus Gefälligkeit und aus einer gutherzigen Zärtlichkeit entspringen. Die e Freuden, diese süssen und unschätzbaren Freuden werden dir gew's nicht fehlen, wenn du bey der Wahl deines künftigen Mannes vor allen Dingen auf folgende Stücke flehest.
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