Ausgabe 
7.10.1766
 
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r ^4 Giesischewöchentlich -- gemeinnützige Anzeigen

schiedene Regeln vorzeichnet, wornach sie sich in diesen oder jenen Vor­fällen des Lebens richten könnten, wenn sie das Unglück haben sollten, ih­re Mutter frühzeitig zu verlieren. Sie hat mir das Vergnügen gemacht, und mir einige von diesen schönen und lehrreichen Briefen mitgetheilt, welche ich nunmehro auch mit ihrer gütigen Erlaubnis, zum Nutzen meiner jungen Leser und Leserinnen in diese Blätter einrücken darf. Meine Leser mögen selbst urkheilen, ob die edelgesinnte V rfasscrin eine hinlängliche Einsicht in die Charaktere der Menschen, eine hinreichende Kenntnis, der Welt und Verstand und Geschniack genug gehabt hat, als zu dergleichen moralischen Briesen erfordert wird.

Ich will in das heutige Blakt einen von ihren Briefen setzen, dessen Jnnhalt einem jungen Frauenzimmer gewis nicht gleichgültig seyn darf. Er scheint eine Nachahmung oder gewissermassen eine Forcietzung des schön­sten und lehrreichsten Briefes zu seyn, den ein Frauenzimmer nur lesen kann, ich meine, des unvergleichlichen Schreibens einer sierbcnden Mutter an ihre Tochter/ welches den berühmtchen Schneller, den Herrn Hosprediger Lrame» in Kopenhagen zum Verfasser hat, und von einem lmverheyratheten Frauenzimmer nicht ost genug gelesen werden kann. Hier rst dich Nachahmung:

Meine Tochter!

. Da ich den Ehestand für den einzigen Stand halte, in welchem der Mensch Den höchsten Grad der irrdifchen Glückseeligkcit erreichen kann; so mußte ich meine mütterliche Zärtlichkeit gegen" dich verleug­nen, und gegen alle Freuden und Glückseeligkeiten, die er nur selbst ge­wahrt hak, undankbar seyn, wenn ich dir einen 26idcrwillen gegen den­selben beybrmgen wollte. Nein, meine Tochter, es wird meine Absicht me seyn , dir diesen Stand verhaßt zu machen, und Mütter, die ihre Töch­ter für demselben warnen, thun es entweder aus Unverstand oder aus der betrübten Ursache, weil sie selbst jo wenig Glückseeligkeiten darin genossen ba- den. Ich will dich mutzt nur vorsichtig machen und dir zeigen, worauf du vornahmlich bey der Wahl desjenigen Mannes sehen mußt, der den Bcßk h^cs Herzens aus Lebenslang begehrt und durch dessen Liebe du die glücke lichste Frau zu werden hoffen FanniL 9 ucr

Ach weis es wohl, daß sich die wenigsten Mütter damit abaeb^n b" in diesem wichtigen Puncte zu unterrichten. Sie befürchten! ihre Tüchker möchten g eich zu verliebt werden, wenn sie sich von chm künftigen Ehestände mit ihnen unterredeten, und bilden sich ein, die Wörter

Liebe