I26 Gieslsche wöchentlich - gemeinnützige Anzeige
Vors erste muß er ein Verehrer deiner Religion und ein Freund der Tugend seyn. Ich verbiete dir zwar nicht, einen Mann von einer andern christlichen Religions.parthey, als die deinige ist, zu heyrakhen. Ich wünschte aber doch, daß du hierinnen eben so schwierig seyn möchtest, als ich es gewesen bin. Ich würde mir keinen.Mann von einer andern Religion erwählt haben, und wenn er auch ein König gewesen wäre. Frauenzimmer die in diesem wichtigen Puncte leichtsinnig sind, haben ein eitles Herz, lasten sich mehr von dem äuserlichen Scheine und von ihren Leidenschaften als von der Vernunft regieren, machen selten ihren Mann glücklich und noch weit seltner ihre Kinder. Vor allen Dingenaber, meine geliebteste Tochter, hüte-dich für einem Manne, der gar keine Religion hat. Ach! es ist, leider! m unsren Tagen zur Mode geworden, daß viele Mannsper- fonen die Verachtung unsrer göttlichen Religion unter die Galanterien und Artigkeltenrechnen! Dieses macht meine Warnung nothwendig, daß du zu der Zeit, wenn man sich um dein Herz Mühe giebt, in diesem Stücke lehr behutsam und vorsichtig bist. Ich weis es aus tausend Erfahrungen vaß du nur rn den Armen eines Mannes, der Gs)tt fürchtet und ein Feind des Lasters ist, wahrhaftig glücklich werden kannst, und daß im Gegen- rhell em Mann, der GOtt nicht fürchtet und lasterhaft ist, weder dich noch deine Kinder glücklich machen wird. Die Religion allein lehrt uns treue und rechtschafne Gatten und zärtliche Eltern zu werden. Und wer sie nicht kennt, wird beides nicht seyn. Erinnere dich hier an den Ausspruch des größten Lehrers des weiblichen Geschlechts, des vortrcflichen Rrchard-
Er sagt einmal in seinem (Sfatnbifoff t 41t der Ä.icbc cintf6 ctott^ Ae." Herzens findet selten ein Frauenzimmer sein Ercrciithum. Dieser ckusspruchist so wahr, daß ihn unzähliche traurige Erfahrungen be- fiattigt haben. Doch die Untreue, die du von einem solchen Manne befurchten mußt, ist nicht! allein dasjenige was dich für einer unzertrennlichen Verbindung mit ihm abschrecken soll. Er wird überdies nicht treu undge- wiffenhast m seinem Amte seyn, unb rnehr der Befriedigung seiner Lüste als der Erfüllung seiner Pflichten nachgehen. Er kann dein Tröster in Krank. • heiten und Widerwärtigkeiten nicht werden, weil ihm die stärksten Trosi- gründe der Religion fehlen. Er kann dein wahrer Herzens Freund nicht werden, weil die Aussichten emer tugendhaften Freundschaft bis über die Grenzen des Grabes gehen, und sich bis in die Ewigkeic erstrecken. Ach, wenn ich mir eine Frau vorstelle, die ihren Mann, der von'G-Ott und der Religion nichts weis, auf dem Todbette ohne Hülfe und Rettung liegen


