4 Gr'esische wöchentlich- gemeittttgtzige Attzeigm
Erfüllung meiner Pflichten zu seyn. In meinen häußlichen Angelegenheit ren war ich bald verschwenderisch, bald geizig. Ich sorgte nicht genug für das Wohl meiner Frau und meiner Kinder. Besonders hätte ich meine Kinder öftrer und nachdrücklicher zum Guten ermuntern sollen. In Zukunft soll gewis kein Tag vergehen, an welchem ich diese Pflichten gegen die Meinigen nicht mit dem vollkommensten Eifer und der treuesten Sorgfalt zu erfüllen suchen werde. Gegen Arme und Nothleidende war ich oft unbarmherzig. Ich nahm Geschenke von ihnen, um andern Unrecht zu thun. Nie, nie will ich diese abscheulichen Laster wieder begehen.- Wie entsetzlich komm ich mir selbst vor bey allen diesen Vergehün- genl Ich war nie ein Menschenfreund. Ich freute mich nicht, wenn es andern wohl gienge. Selbst gegen meine besten Freunde war ich mistrau^ rsch und eigennützig. Ich war ost unzufrieden über die weisen und gehei- men Führungen der Vorsicht. Ich war ungedultig und mürrisch, wenn rch litte, unerträglich hochmüthig, wenn mir das Glücke lachte. Ach mein GOtt und mein HErr, wenn würde ich mit dem Verzeignis meiner Sünden fertig werden! Sie gehen mir über mein Haupt und wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer worden. Verwirf mich nicht von deinem Angesichte, ob ich es gleich verdient hatte, und nimm in diesen, Jahre deinen Heiligen Geist, der diese göttliche Traurigkeit über meine Sünden in mir gewirkt hat, ach nimm ihn nicht von mir! Schaffe in mir ein reines Herz, ein weises Herz, das dich über alles liebet und fürchtet, das voll von Zuversicht auf deine Gnade, mit Ruhe und Zufriedenheit erfüllt ist, und das seine einzige Freude in der Erfüllung seiner Pflichten suchet. Erbarmungsvoller, gnädiger GOtt, wenn ich wieder in die Sünden zurückfallen sollte, die ich dir anitzt bekenne, ach dann reise dein mächtiger Arm Mich aus der Gefahr, ewig verlohren zu gehen, und sey mein Vatter, der Mir um IEsu willen, meine Schwachheiten vergiebt.
Wir haben uns zwar vorhin gestellt, als wenn es uns sehr unangenehm wäre, daß man uns diese Betrachtungen zugeschickt habe. Wir wollen aber unfern Lesern nunmehro ganz offenherzig bekennen, daß sie uns zu keiner gelegenern Zeit hätten mitgetheilt werden können, und daß wir sie mit dem größten Vergnügen in das erste Blatt unsrer Wochenschrift von diesem Jahre gesetzt haben. Sie haben uns nicht allein von der verdrüs- lichen Nothwendigkeit befreyet, den ersten Tag im Jahr mit Menschen zu verschwenden; sondern sie waren auch den ernsthaftem Absichten vollkommen gemas, die wir uns dieses Jahr in unfern Blättern auszuführen vor-
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