Ausgabe 
4.2.1766
 
Einzelbild herunterladen

$4 Giesische wöchemlich- gemeittttütztze Attzetzett

Zeugnis, daß niemand öftrer in die Kirche gienge/ als er. Allem Arist sucht ein Verdienst darin. Er glaubt/ wenn er nur oft dem öffenlichen Gottesdienst beywohnte; so erfüllte er alle Pflichten des Christenthums. Die ganze Woche durch könne er mit Saufen und Fressen zu bringe»/ er könne seinen Nebenmenschen vervvrtheiim und verleumden, wenn er nur des Sonntags einige Predigten hörte; so müßte ihn GL)tt seelig machen. GOtt fordere von einem Christen weiter nichts, als ein fieisiges Kir­chen - gehen, Arist ist noch sehr weit von dem wahren Dienste Gottes entfernt.

Lleon besucht ebenfaks sehr gern die Kirche. Allein sein Kopf ist immer so voll Geschäften und Neuigkeiten, daß er mit seinemeben so geschwä­tzigen Nachbar die ganze Kirche durch plaudert uud wenn sein vertrauter Nachbar fehlt, so ist er, so lange die Kirche dauret, der unglücklichste Mann von der Welt. Denn des Gesangs und der Predigt wegen kommt er nicht in die Kirche. Er will nur seinen Nachbar um Rath fragen, ob er diesen oder jenen Acker kaufen solle, wie er sich auf die nachdrücklichste Art an Oi-efem oder jenen rachen könne, er will ihm sagen, daß dieser ein rmgerachter und jener ein lüderlicher Mann sey, und vor allen Dingen möchte er gerne ton ihm erfahren, wie es mit dem jetzigen Geldcours aussähe, ob man Hofnung habe, daß es rmnmchro bey dem festgesetzten vier und zwan­zig Gulden Fuß werde stehen bleiben. Sein Nachbar macht ihm wenig Hofnung. Cleo» fängt an, über die bösen Zeiten zu klagen, sein Nach­bar klagt mit chm und sie haben noch nicht ausgeklagt; so ist die Predigt schon zu Ende. Doch über acht Tagen ist es wieder Sonntag. Dan» werden sie die Klagen wiederhohlen und vielleicht auch die Zeitung mikbrin- gen. Cleon geht aus der Kirche, wie er hinein gegangen ist, den Kopf voll Sorgen der Nahrung. Und Cleon hält sich dennoch für einen frommen Mann, blos deswegen, west er oft üi die Kirche geht. Das heißt er G-Okt dienen.

Llan'nde sagt selbst, daß niemand lieber in die Kirche gehen könne, als sie. Sie geht in alle Betstunden, in alle Wochenpredigten. Wenn sie in der Kirche sitzt, so ist ihre Mine gantz Andacht, und ihr Hertz scheint von nichts als von Gottesfurcht durchdrungen zu seyn. Sie seufzt bey jedem rührenden Ausdruck des Predigers; werm dieser über die Thorheit Der Lasterhaften klagt; so schlägt sie die Hände zusammen, möchte ebenfals in laute Worte aus brechen und ihre Klagen mit den seinigen vereinigen. So hertzlich fromm scheint LLanrrde zu seym Gebt aber einmal ein wenig

Leimer