Ausgabe 
2.12.1766
 
Einzelbild herunterladen

und Nachrichten. --«

henden Hitze, und nehme nicht gleich Arzneien ein, wenn mir das gering­ste fehlt. Crifpüt aber ist bet) jeder aufwallenden Hitze sogleich in tausend Aengsten und Sorgen, träumt sich hitzige Fieber und laßt Doctor und Balbierer hohlen, um den todt kranken Körper wieder gesund zu machen. Er verdirbt sich vornehmlich durch die vielen starken Arzneien. Wenn er der Natur ihren Lauf ließ; so würde sie sich gewis selber helfen. Allein die Bekümmernis um sein Leben laßt dieses nicht zu. Er geht nicht vor t)ie, HauSthüre, ohne seine Lebenstropfen und Hofmanns Uquwem anodmum^ nebst einem Löffel, womit er sie einnimmt, bey sich zu haben. Den Leib zu einer ApotheckerVüchse zu machen, DaS muß am Ende nothwendrg Dte stärkste Gesundheit schwächen. Ich prophezeihe dem Herrn Crtfptn, daß es ihm noch gehen wird , wie jenem Italiener, auf den man folgende Grabschrift machte: Ich befände mich wohl / aber da ich mich noch besser befinden wollte; so befinde ich mich hier. * . ,

Dergleichen Leute, die denn meistenkheils auch Spatzterganger von Profession sind, sind im Winter am übelsten daran, wo es manchmal Tage giebt, an welchen kein Mensch spatzieren gehen kann. Da sollte man nur die Seufzer hören, die sie über das schlimme Wetter ausstoßen, ökhre Stuben ja ihr ganzes Haus ist ihnen zu enge. Ihre Bücher haben für sie kein Labsal, keine Erquickung mehr. Ihre Geschäften bleiben liegen. Die Stunden, die sie zur Weisheit, zur Narung ihres Geistes und zur Erfüllung ihrer Verbindlichkeiten anwenden könnten, bringen sie in lau­ter Verdruß und Misvergnügen hin. Alles um sie herum wird ihnen zum Eckelund vereiniget sich gleichsam, ihnen das Leben recht bitter zu ma­chen, weil sie es nicht anders haben wollen. Welch ein ausgeartetes Ge­schlecht von vernünftigen Geschöpfen ist dieses!

Der wohlmeinende Rath, den ich diesen ängstlichen Seelen amtzt ge­ben will, besieht kürzlich darin, daß sie viel vernünftiger handelten, wenn sie sich in Zukunft mehr bekümmerten wie sie leben, als daß sie le­ben möchten. Dadurch werden sie sich unendlich vieler Sorgen und Un­ruhen überheben und ihren Nebenmenschen ungleich nützlicher werden. Sw sollten bedenken, daß das wahre Geheimnis, lang zu leben, nur darinn bestünde, daß man vernünftig und tugendhaft leben müsse. Ein beruhm-

B b b r ter

Die Grabschrift heißt im Italienischen, wenn ich mich noch recht erinnere, ungefthr so: Smv» Un , ma prßar mt&lio, ßo