Ausgabe 
2.12.1766
 
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I9o GLejrsche wöchentlich - gemeinnützige Anzeigen unter meinen Mitbürgern dergleichen Kranke giebt. Ich will ihnen heute einige Arzneien Vorschlägen, wodurch sie sich selbst Heiken können.

Wenn ich die allzugrose Sorge für die Erhaltung unserö Lebens und die unvernünftige und übertriebene Furcht vor dem Tode zu den vornehmsten Quellender meisten Unruhen eines Menschen auf dieser Welt zähle; so tadle ich nicht zugleich auch alle erlaubte Liebe und gemässigte Sorge für unser Le­ben, da man sich sorgfältig in acht nimmt, nichts zu rhun und vorzuneh­men, das der Fortdauer unsrer Gesundheit und der Erhaltung unserö Le­bens zuwieder wäre. Eine solche Liebe zum Leben ist unsre heilige Pflicht, weil wir ohne sie lasterhaft seyn, und das Leben, das wir zur desto bes­sern Vorbereitung zur Ewigkeit und zu einem nachahmunsgwnrdigen Bey- spielandrer Vtenschen anwenden könnten, nicht hoch genug schätzen wür­den. Ich tadle nur die übertriebene Sorge für das Leben, da man die Erhaltung desselben zu dem einzigen Endzweck macht, den man sich in die­ser Welt zu erreichen vornehmen müsse, da man gleich alle Geschäfte lie­gen laßt und die wichtigsten Pflichten versäumt, wenn man nur die ge­ringste Unordnung im Magen verspürt; da man auf das ängstlichste be­kümmertist, so bald nur der Puls ein wenig geschwinder, als gewöhn­lich, schlägt, und sich gleich nach Apothecken und Aerzten umsieht, sobald nur die geringste Veränderung in unserm Körper vorgeht; da man jede Blähung für einen Vorboten des Todes und jedes Herzklopfen für ei­nen Ruf zum Grabe ansiehk Diese angstvolle Sorge für die Gesundheit gereicht einem vernünftigen Menschen zur Schande und verführt uns leicht, niederträchtig und nachlässig in unfern Pflichten zu werden. Ueberdies führt sie eine beständige Unruhe bey sich, die das Vergnügen noch vollends verdrängt, das wir aus dem Leben und der Gesundheit schöpfen können. Denn wie ist es möglich, daß man einiges Vergnügen in dem Besitze einer Sache empfinde, die man jeden Augenblick zu verlieren befürchtet.

Ein solcher ängstlich besorgter Mensch um die Erhaltung seines Le­bens ist nicht allein sich selbst zur Last, er ist es auch andern Menschen. So oft (Crifpttt zu mir kommt, so höre ich nichts als Klagen über seine schlechte Gesundheit. Bald klagt er über Brust Beklemmung bald über Seitenstechen^, bald thut ihm der Kopf weh, bald kneipts ihm im Ma­gen, bald reicht er mir, um mich zu überführen, daß er wirklich krank fei), den Puls, ^vovon ich beynahe ebenso wenig verstehe, als von der Chiromantie. Und ich will wetten, daß Cnjpm gesunder ist, als ich. Nur mit dem Unterscheid/ ich zittre nicht gleich vor Ängst bey ieder flie­henden