Ausgabe 
29.1.1765
 
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»Md klachrrcheett. ),

sffentlichm Bekanntmachung dieser lehrreichen Briefe habe, mit fast allge­meinem Undank belohnt wird, allein dieser Undank soll mich deswegen doch nicht von meinem Vorhaben abhalten. Wenn ich nur einen einzigen Vatter gewinne, der diese veraltete Mode wieder einführt und sich mit eben so grosem Eifer um das wahre Glück seiner Kinder bekümmert, als es die­ser Vatter thate: so ist meine Absicht reichlich belohnt. Ich wage c$ demnach, meinen Lesern, den ersten Brief mitzmheilen. Er handelt von - den Mitteln, sich bey andern beliebt zu machen, mithin von Dingen, die manchen Sohne zur bessern Einrichtung seiner Aufführung nützlich seyn könnten. Hier ist er: .

IHem gelrebtester Sohn!

Du weißt es, wie viel ich dir immer von dem Nutzen und derNoth- wendigkeit der Wissenschaft:, sich bey den Menschen beliebtzn nw chen , gesagt habe. Du weißt es, wie oft ich dich durch Beyspiele über­zeugt habe, daß man ohne ihre Erlernung in der Welt nicht fortkommen könne und daß diejenige , die sich so wenig um die Gunst der Menschen be­kümmern, meistentheils nichtswürdige, unglückliche, verhaßte und verfolg­te Leute seyen. Ich habe dich aber auch ost an das beglückte Leben derer- jenigen erinnert, die sich durch ihre Aufführung die Liebe anderer erworben haben. Erinnerst du dich noch an jenen Dämon, dessen Umgang und Freundschaft jedermann so gerne suchte, der in allen Gesellschaften so wohl gelitten war, von dem alle Menschen mit so vieler Liebe und Hochachtung sprachen, dem es nie an Gönnern, wenn er sich um ein Amt bewarb und nie an Beschützern und Vertheidigern fehlte, wenn ihn Niederträchtige ver­leumden wollten; kurz, der sich durch die wisseirschafe / mit den Men­schen Vernünftig mnzugehen / das Leben zu einem beständigen Ver­gnügen machte? Erinnerst du dich noch an diesen Dämon ? Siehe! so glücklich wirst du werden, wenn du die Mittel anwendest, die ich dir an# iit zur Erlernung dieser Wissenschaft angebeu will.

Das erste Mittel , das ich dir anrathe, ist die Ehrlichkeit. Suche alle deine Handlungen nach den Urtheilen deines Gewissens einzurichten> und wenn auch kein Mensch mehr in der Welt wäre, der dieses thate, s- thue du es. Es ist nicht allein ein unvergleichliches Mittel, allen Men- sthen zu gefallen, sondern auch sein eignes Herz zu bessern: Denn die Ehrlichkeit macht unser Herz demüthig, gehorsam, liebenswürdig, sie er­laubt uns keme vorsetzliche Kränkung, kein Unrecht gegen andre; sie bewege

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