Musische wöchentlich- WWW KWWN W Mchrtchlcn.

Erstes Stück.

Dienstags den iten Januar. 1765.

Mit Hochfurstl. Hessen-Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis.

n* lachen W selbst über die Wünsche, mit welchen sich die Wett am ersten Tage des Jahrs zu betrügen pflegt. Sie sind darinn allen Csmplimenten ähnlich, daß sie meistentheils ohne Gedanken

vorgetragen und angehört werden. Sie unterscheiden sich nur dadurch von andern Complimenten, daß sie nicht nur in der galanten Welt, sondern auch in den geringsten Ständen Mode sind, die sonst alles Ceremsniel von sich verbannen. Iederman wünscht und läßt sich wünschen. Man würde glau­ben, daß man noch im alten Jahre lebte, wenn man nicht den ersten Ja­nuar mit Wünschen verdorben hatte. Diese Gewohnheit erstreckt sich auch auf die Wochenblätter. Die Leser derselben fassen gleich einen schlimmen Argwohn, wen» man in dem ersten Blatte nicht den Himmel für sie an­ficht, wenn man nicht demutbsvoll die Knie beugt, und für sie langes Le­ben, Gesundheit, Vergnügen, Reichthum, Uiberfluß und Zufriedenheit erbittet. Wir gestehen, daß uns diese Gesinnungen unsrer Leser nicht gefal­len. Nicht, als ob unS die Gewohnheit mißfiele, das Wohl seines Ne- brnmenschen der Vorsicht zu empfehlen. Nein, wir halten diese Gewohn­heit für eine Pflicht, die jeder Rechtschafne nicht blos am ersten Tage des Jahrs, sondern beständig erfüllen sollte. Das misfällt uns, daß unsre Wünsche mit kaltem Herzen gelesen, und eben so bald vergessen werden, als A die