Ausgabe 
27.8.1765
 
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rrrrö NachnchtM.

Mi'cht HkMWG. llhD wenn ihnen ihr Freund nicht für jede G falilgt keit tausend Schmeickeleyen sagt, so ist er in ihren "Augen der undankdaiste Mensch. Wer nnD also noch glauben, daß ein Hochmuthrger, em Stol­zer oder Ehrgeiziger ein wahrer Freund seyn könne ?

Ein wahrer Freund soll ein ehrlicher Mann und eben so standhaft bey seinen Versprechungen, als unveränderlich in seiner Freund'cha»t seyn. Alle Geheimnisse, die ihm sein Freund entdeckt, sollen in seinem Herzen eben so sicher aufgehoben seyn, als in dem Herzen fernes Freundes selbst. Er soll seinen Freund von allen unerlaubten Ergötzlichkeiten abziehen, und ihm nur ein Vergnügen an unschuldigen Freuden beyzubringen suchen. Mein alles dieses erwartet man umsonst von einem Wollüstigen. Dieser sucht sein Glück in Ausschweifungen, in vergifteten Freuden, die seeligen Freuden der Freundschaft sind ihm zu trocken. Er wird che alle feint Freunde verlassen als einem von seinen geliebten Lastern entsagen. Er flieht die stille Einsamkeit, worin die Freundschaft ihre herrlichste Wohnungen hat, liebt dagegen das lärmende Geräusch der Welt, und sucht unS von einer Thorheit zur andern mit sich fortzureisen. Zur Verschwiegenheit ist er eben so wenig geneigt, als zur Beständigkeit. Und wer kann sich auf die Zusagen eines flüchtigen Wollüstlings verlassen? Was er in dieser Stunde verspricht, hat er in der andern schon wieder vergessen. Alles die­ses macht den Wollüstigen zu einer vertrauten und aufrichtigen Freund­schaft ungeschickt.

Unter allen Leidenschaften aber ist keine der wahren Freundschaft mehr zu wider, als die Leidenschaft des Geizes und des Eigennutzes. Wie lelcht können wir in Umstände kommen, worin wir der Hülfe und der Unter­stützung unsrer Freunde nöthig haben. Und bei) wem sollen wir in der Noch Zuflucht suchen, wenn wir sie nicht bei) unfern Freunden suchen dür­fen? Sind diese aber geizig; so werden sie uns verlassen, so bald wir nut einige kleine Gefälligkeiten von ihnen verlangen,, so bald wir sie mir um ei­nige Goldstücke ersuchen, die wir zur Verbesserung unsers Zustandes nö­thig haben. Sie werden den geringsten Aufwand scheuen, wodurch sie ih- Xtn Freunden einiges Vergnügen machen könnten. Sie werden sie lieber weit von sich entfernt, als in der Nähe sehen, .damit sie ihnen keine Unko­sten verursachen. Sind, sie eigennützig; so. werden sie nicht ihren Freund, sondern sein Vermögen lieben, und mithin nicht vollkommner, sondern unvottkommner machen» Sie werden ihm jeden" Dienst abschlagerr, der

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