»76 Gkesische wkchMtli'ch- gtrntirtttSgige A„zetzm widerihre Vort-eile laust. So lange sie dieses thun, verdienen fie den Nahmen wahrer Freunde nicht. ®
Aus diesen kurzen Betrachtungen sieht man, wie sehr die Gesinnungen eines weiten Freundes von der Denkungsart eines Geizigen und E - gennutzlgen, eines Wollüstigen, eines Hochmüthigen und Ehrgeizigen unterschieden, und wie unfähig diese zur wahren Freundschaft sind, so lange sie sich von ihren unvernünftigen Leidenschaften regieren lassen. Wenn man nun bedenkt, wre gros die Anzahl der Geizigen, der Wollüstigen, der Hochmuthrgen unter den Menschen ist; und wenn man zu diesem noch die grose Menge von Eigensinnigen, von Heuchlern, von Menschenfeinden, von Mmrischen, von Zanksüchtigen und Rachgierigen, von Ungestümmen und Unhöflichen rechnet, die ebenfals zu einer wahren und zärtlichen Freund- fcha.k untüchtig sind; so bleibt gewis eine sehr geringe Anzahl von Menschen ubrrq, die den Namen rechtschfner Freunde verdienen.
Man sicht ferner hieraus, dasi es eben so gar leicht nicht ist, ein wahrer Freund zu werden, und daß mehr dazu erfordert wird, als man mei- fteiitbei $ glaubt. Es ist zur wahren Freundschaft nicht genug, daß marr einen blos kennt., daß man oft mit ihm umgeht und ihm bisweilen einige geringe Dienste erweißt. Es werden edle Entschliesungen, es werden gross Ueberwmdungen dazu erfordert. Man muß allen Stolz, allen Hochmuth und Ehrgeiz ablegen, man muß allen wollüstigen Gesinnungen, allen niederträchtigen Ausschweifungen entsagen - man darf weder eigennükiq, noch geizig seyn, man darf nicht eingensinnig, nicht mürrisch, nicht zanksüchtig und rachgierig, nicht ungestümm oder unhöflich, kein Heuchler und kein Mmjchenfeind fepn. Alle diese Unarten muß man vorher überwunden, man muß sich die entgegengesetzte Tugenden erworben haben, ehe man einen gerechten Anspruch auf den Namen eines wahren Freundes will machen können. Wie viele und ost wiederhohltt Siege kostet aber dises die Menschen nicht? Und wie schwer sind diese Siege nicht zu erfechten? Wem ist die Macht der Leidenschaften unbekannt'? Wer weis nicht wie viele Mühe es kostet, seinen geliebten Neigungen und tief eingewurzelten Gewohnheiten zu wider zu bandeln? Und wie gros ist der Schaden nicht, den uns diese böse Gewohnheiten und diese mächtige Leidenschaften verursachen können, wenn wir uns ihnen nicht mit aller Gewalt widerfeLen» Denn sie rauben uns das höchste Glück der Erden, die Freundschaft Em sehr wichtiger BewegungsGrund, alle Mittel anzuwenden, wodurch wir diese Feinde unsrer Glückseeligkeit besiegen können. T
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