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flam'gkeitverräth; oder wenn es einem andern geflucht oder ihn gescholten hat, und dergleichen; so sind die Eltern manchmal so gefällig gegen ihr witziges Kind / daß sie es mit vielem Vergnügen in Gegenwart des Kindes jedem fremden als etwas ganz besonders erzählen. Uns deucht/ eS wäre viel vernünftiger/ wenn Eltern an solchen boshaften Einfälle» ihrer Kinder keinen Gefallen bezeigte,i und dieselben nie ungestraft hingehen lieft». Die Kinder merken es sich, daß ihr euch über ihre Unarten freuet, sie wollen euch diese Freude machen/ und werden sinnreich/ um andre zu kränken. Daraus entstehen hernach die schlaflose Nächte, die sie ihre« Eltern bey reiferen Jahren durch die Beleidigungen andrer Leute verursachen , daraus entstehet der Kummer, worein sie dieselben durch ihre Ungescl- ligkeit stürzen, daher kommen die witzigen Köpfe, denen die Ehre ihrer besten Freunde um ein einziges bon mot feil ist, daher kommen die verabscheuungswürdige Witzlinge, die bey dem ersten Anblicke eines Menschen sogleich einige sinnreiche Einfälle bey der Hand haben, um ihn dadurch lächerlich und verächtlich zu machen.
Leidet nicht, daß irgend ein Mensch, wer er auch sey, eure Kinder zum Zorn anreize. Sie werden dadurch halsstarrig, boshaft und zornig. Und wer weis nicht, wie viel Unglück ein boshafter Zorn in der Welt angerichtet hat. Daß dieser Fehler sehr gefährlich ist , könnt ihr schon an einigen Thieren abnehmen. Wenn man einen jungen Hund oft zum bellen und zum beisen anreizt; so wird er hernach jederman anfallen wollen. Noch gefährlicher aber wird dieser Fehler, wenn man den Kindern Anlaß giebt, gegen ihre Eltern unwillig und zornig zu werden. Dies sollte man vor alten Dingen verhüten. Denn es ist nichts natürlicher, als daß dadurch unfehlbar alle reine Liebe, alle Hochachtung, und aller willige Gehorsam der Kinder gegen ihre Eltern unterdrückt wird. Ihr werdet viel besser thun, wenn ihr ihnen oft durch andre sagen lasset, wie glücklich sie seyen, solche gütige Eltern zu haben, die so sehr wünschten, sie glücklich zu machen, und die sie nur straften, damit sie gehorchen und glücklich werde« möchten. Dadurch werdet ihr bey euren Kindern unbeschreiblich viel Gutes stiften.
Ein sehr groser Fehler in der Kinderzucht, der zugleich auch der gewöhnlichste ist, besteht darin, daß man den Gehorsam der Kinder durch Dinge belohnt, wornach ein Vernünftiger und Tugendhafter kein groses Verlangen haben muß. Dahin gehören zum Exempel: neue Rleidun- gen, (die sehr ost ein Beweis von der Uippigkeit der Eltern selbst sind,)
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