Ausgabe 
25.6.1765
 
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und Nachrichten. rvf

Würde ich aber nicht den unverzeihlichsten Fehler begehen, wenn ich unsre Gesellschaft an diesem Einweihungs-Feste, an diesem Huldigung^» Tage nicht an das allersicherste Mittel erinnerte, wodurch sie erst zu ihrem eigentlichen Flor und zu ihrer rechten Gröse gelangen kan? Ja ich würde ' - unverzeihlich fehlen, wenn ich Sie heute nicht, wereheste Mitglieder!

zur Liebe gegen eine Religion ermuntern wollte, die uns zu der Erfüllung der erhabensten Tugend nur allein stark genug machen kann. Und was sind die größten Wissenschaften ohne sie? Was ist das seltenste Genie, wenn es nicht von ihr erleuchtet wird. Sie, sie ist die getreuste Führerin auf dem Pfade des Lebens, sie ist die einzige Trösterin im furchtbaren Thale des Todes. -O mit welchen mächtigen Ausdrücken soll ich Ihnen die Ausübung dieser göttlichen Religion anpreisen, dieser Religion, die die Zunge des feurigsten Seraphs nicht würdig genug loben kann? Sie, sie ist es, die uns zu allen Pflichten des Lebens stärkt. r Sie ist es, die uns allein zu den edelsten Menschenfreunden, zu den würdigsten Lehrern des menschlichen Geschlechts, zu den rechtschaffensten Richtern und zu den treu­esten Unterthanen macht. Und wenn wir dieses nicht sind, meine Brü-- der/ oder wenn wir uns doch wenigstens nicht bestreben, es zu werden, wodurch können wir uns dann des Schutzes und des Beystandes unsrer Gönner, wodurch können wir uns dann der Huld des gnädigsten Fürsten würdig machen? Sind Sie nicht selbst die eifrigsten Verehrer der Gott­heit? Suchen Sie nicht selbst Ihre einzige Glückseligkeit in der Aus­übung dieser allerheiligsten Religion? Und wir, wir sollten sie nicht eben- fals zur schönsten Zierde unsers Herzens, zum HauptVorwurf unsrer Bewunderung, zum vornehmsten Jnnhalt unsrer Lobgesänge machen? Wir sollten uns durch sie nicht in der Ausübung der wesentlichen Pflichten grosmüthiger Menschenfreunde und treuer Bürger stark zu machen suchen?

Nie, nie müsse unsre Gesellschaft dieses vortreflichste Mittel vergessen, das zwar der steilste, aber auch zugleich der sicherste und untrüglichste Weg zu ihrer wahren Ehre ist. Sie, diese göttliche Religion, müsse unsre Herzen stets zu dem demüthigsten Preise der Gottheit entzünden. Sie müsse uns anfeucrn, die erbarmungsvolle Vorsicht unsers Gottes für das kostbarste Leben unserS Durchlauchtigsten Regenten/ für den Seegen unsers Vaterlandes, für das Wohl unsrer Gönner und für den ßlor dieser Academie anzuflehen. Lassen Sie uns durch die Wahr­heiten dieser Religion den schönen Wissenschaften erst ihre rechte Starke ertheilm, so wie wir diese benutzen können, um jene noch mehr zu verherr-

Cc 2 lichen.