Ausgabe 
23.4.1765
 
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i 30 Grcsische rvochentlrch - gemeinnützige Anzeigen

brochenen Eifer um seine Verherrlichung. Man kann nicht mehr daran zweifeln/ wenn man erwägt/ mit welcher Strenge sie ihre SittenLehre wollen ausgeübt haben / wenn man ihr brennendes Verlangen und ihren heiligen Eifer betrachtet/ die Menschen zum Gehorsam gegen GOtt zu be­wegen/ wenn man bedenkt/ daß sie durch ihr eignes Veyspiel ihre Zuhörer zur Nachfolge Christi anfeuerten. Und welch eine wunderbare Gewalt hat­te nicht ihre Predigt über die Herzen der Menschen? Wurden nicht so er­staunlich viele/ und zwar in einer so kurzen Zeit bekehrt? Sagen Sw mir/ mein Herr / würde dieses wohl möglich gewesen seyn/ wenn sie mit ihrer Predigt nicht ein heiliges Leben und eine ganz besondere Frömmigkeit ver­bunden hatten? Ich übergehe noch mit Stillschw igen das Zeugnis ihrer frommen Schüler/ die den Märtyrer Tod um der Wahrheiten Witten ausgestanden haben / die ihre Lehrer bezeugt hatten. Und ich denke nicht einmal an das tugendvolle Leben der ersten Christen überhaupt/ das doch eine Nachahmung und ein Beweis von dem eben so tugendhaften Leben ih­rer Lehrer war. Gewiss wenn man hierüber nur ein wenig nachdenkt; so wird man die Apostel nicht des geringsten Betrugs beschuldigen können/ noch viel weniger eines so unverschämten und gottlosen Betrugs/ als der ihrige würde gewesen seyn/ wenn sie selbst dasjenige erdacht hatten/ was sie von der Auferstehung JEsu bezeugt haben. Allein so sehr auch aus ih­rem heiligen Leben erhellet/ daß sie keine Lügner und keine Betrüger waren: so erhellet es

r) doch noch viel deutlicher aus den mannigfaltigen Leiden / die sie um der Wahrheit ihres Zeugnisses willen ausgestanden haben. Ich weis sehr wohl/ daß der Märtyrer Tod/ kein unumstöslicher Beweis für die gewisse Wahrheit einer Sache ist/ und daß es nicht ganz unmöglich ist/ um einer falschen Lehre willen sich das Leben nehmen zu lassen. Allein das ist doch wohl ganz unleugbar daß ein solcher qualenvoller Tod/ als der Tod eines Märtyrers ist/ der gewisseste und stärkste Beweis von der Auf­richtigkeit und Ehrlichkeit desjenigen / der ihn leidet/ kann genennt werden. Man kan zwar etwas falsches für wahr halten und so sehr davon einge­nommen seyn / daß man sich um dieser vermeinten Wahrheit willen grose Marternzufügen läßt; allein es ist unglaublich und unerhört/daß man um einer falschen Sache willen / von deren Unwahrheit man in seinem Gewis­sen vollkommen überzeugt ist/ die allerempfindlichsten Qualen leidet. Und dieses müßte man doch gleichwol von den Aposteln behaupten/ wenn sie Betrüger gewesen waren und wider besser Wissen und Gewissen bezeuge

hätten.