Ausgabe 
19.11.1765
 
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tmb Nachrichten. nv

i. Bey einem eingerissenen Fehler muß eine härtere Strafe gebrauche ' werden, als bey einem seltnen. Bey jenem ist die Besserung schwerer.

r. Kein Fehler muß zweymal mit einerley Strafe belegt werden; weil er wiederholt wird, ist das Verderben grösser geworden, daher muß auch die Strafe gröftr seyn. ~ ,

Je starker und wichtiger die Grunde sind, dadurch man einKmd von einem Fehler abgemahnt hat, und es begeht ihn wieder, desto gröser ist sein Verderben, desto grösere Strafen müssen auch auf solche Fehler folgen.

4. Ein Fehler, der seiner innern Natur nach häßlicher ist, als em andrer, erfordert größre Strafe, weil die Gründe desto stärker sind, von einem solchen Fehler abzuhalten.

f. Fehler, die in den Folgen wichtig werden, müssen, wenn eS nicht anders geschehen kann, mit harter Strafe belegt werden.

Die Gröse der Strafe muß aus der Gemüthsbeschaffenheit des Kin­des bestimmt werden. Ein sanftes Gemüth kann durch gelinde Strafen, ein härteres muß durch harte Strafen gezwungen werden. Ein Kind besi ftrt die Schande, ein anders die Gleichgültigkeit und Verachtung der Eltern. Wer wollte schlagen, so lange diese gelindere Strafen etwas aus- richten ? Wer wollte schlagen, so lange das Verderben noch durch andre Mittel geheilt werden kann? Bey allen Strafen muß die Vorstellung deS Fehlers zugleich geschehen; die Strafen müssen anhalten, bis man Bes­serung verspürt; sie müssen mit grosser Ernsthaftigkeit geschehen v der Vat- ter, oder der Lehrer, welcher straft, muß nicht Affect, Zorn, eigene Rache blicken lassen, er muß kalt und ernsthaft strafen. Mau muß mit allen dem strafen, was ein wirkliches Uebel ist, nicht mit Lernen, nicht mit der Drohung, daß das Kind kein schönes Kleid haben soll; auch muß man sich hüten, daß die Strafen nicht gar zu gemein werden; denn Kinder, über denen stets gescholten und geschlagen wird, achten keine Strafe mehr, und eine so sclavische Erziehung macht die Seele ganz muthlos, sclavisch und edler Empfindungen unfähig. So weit Sulzer.

Ausserdem halten wir es noch für sehr rathsam, daß man die Kinder nicht in Gegenwart ftemder Leute straft, wenigstens nicht, wenn sie einen Fehler zum erstenmale oder aus Versehen begehen. Dadurch wird ihre Ebrliebe gekränkt, dadurch werden sie blöde, furchtsam und immer unzu­friedner über eure Lehren gemacht, und wenn es oft geschieht, werden sie so niederträchtig werden, daß sie sich für keinem Menschen mehr scheuen, ei*

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