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Kind gefallen hat, vergehen durch eure Klagen nicht. Ein neuerer Schrift­steller sagt sehr wohl: Es ist uns sehr gut zu leiden. Wenn wir ohne .. physische Uebel in der Welt waren, so würde es mit dem sittlichen Zu- ,. stände der Menschen sehr schlecht aussehen. Leiden sind ein groser See- ,, gen, wenn sie recht ertragen werden. Wir müssen also unsre Kinder nicht allein lehren, wie sie Leiden vermeiden, sondern auch wie sie sie dereinst mit

Geduld und Standhaftigkeit ertragen sollen.' Wenn Geschöpfe unsrer Art den Schmerz nicht kennten, so würden wir wenig vom Mitleiden ff und den sanften Empfindungen der Menschlichkeit wissen; wir würden ff selbst die größten Güter nicht so gut empfinden, wenn wir die kleinen ff Nebeln nicht kennten; und durch welches andre Mittel würde unsre See- ,, le so gut auf die künftige beßre Welt gerichtet werden, als durch die 9, Schmerzen und Leiden dieses Lebens. Es ist gut, daß wir von derWie- ge an in Leiden geübt werden. Anstatt, daß ich aufmerksam seyn solltt, daß sich mein Kind nicht verletze, so würde ich sehr verdrüßlich seyn, wenn es sich niemals verletzte, und wenn es gros würde, ohne daß eS ff den Schmerz kennte. Leiden ist das erste, was es lernen muß, und ,, was es am nöthigsten haben wird zu wissen. Es scheint, daß die ff Kinder nur darum klein und schwach sind, um diese wichtigen Lehren oh- ff ne Gefahr zu fassen.

Kein Fehler aber hak beynahe schlimmere Folgen, als die sogenannte Affenliebe der Eltern gegen ihre Kinder. Diese bestehet vornamkich darin, daß man aus einer allzu weit getriebenen Zärtlichkeit alle Unarten der Kin- der ungestraft hingehen läßt, und sie bedauert, wenn sie viel lernen und ar­beiten müssen, aus Furcht, es möchte sie betrüben oder ihnen schädlich seyn. Wir kennen sehr viele Eltern, die ihre Kinder auf eine solche unvernünftige Weise lieben. Allein wir müssen ihnen auch prophezeien, daß sie sich eine Schlange in ihren Busen setzen, und daß sie dadurch die Welt mit Tag­dieben und unnützen Gewichten beschweren. Es ist die Pflicht der Eltern^ daß sie ihre Kinder lieben; allein diese Liebe muß keine Quelle des Unglücks der Kinder werden, dieft Liebe muß die Tugend der Kinder nicht verhin­dern , sonst bleibt es keine wahre Liebe mehr. Die Affen drucken ihre Jun­gen aus lauter Liebe rod. Kann man dieses deswegen eine wahre Lieb» nennen? ,

So bald -die Kinder anfangen, den Unterschied der Stände zu be­merken , so müßt ihr euch vor allen Dingen bemühen, ihnen Begriffe davon beyzubrinM, die der Religion und Tugend nicht zuwider sind, und die

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