zSr Gresisthe wöchentlich -- gemeümützige Anzeigen
zu gering sind, davon zu urtheilen, und weil wir glauben, daß Manner, in denen die tiefsten Einsichten mit einer wahren Menschenliebe vereinigt sind, sich schon längstens würden bemühet haben, sie zu verbessern , wenn sie enuger-Verbesserüng fähig wäre. Wir reden hier nur von der Kinder- zucht, die bey den Eltern in ihren Wohnungen gewöhnlich ist. Diese scheint uns sehr fehlerhaft und in vielen Stücken ganz unvernünftig zu seyn. Wir würden unfern G. G. Lesern schon längstens die von uns bemerkte Fehler bekannt gemacht und unsre Gedanken darüber mitgetheilt haben, wenn wir nicht befürchtet hatten, daß die allzu hohe Meinung, die fast jederman in diesem Puncte von seinen eigenen Einsichten hat, allen Nutzen unsrer Erinnerungen verhindern würde. Doch vielleicht verbinden wir uns einen einzigen Vatter dadurch, und dies ist Bewegungsgrund genug, warum wir sie anzeigen wollen.
Man stellt sich meistentheils die Kinderzucht als das schwerste und verdrüßlichste Geschäfte vor, und man hat nicht ganz unrecht. Mein wie glauben doch , daß man es sich sehr erleichtern und einigermafen angenehm machen kann, wenn man die gewöhnliche Art der Kinderzucht verläßt. Man meint nämlich, man müsse erst im dritten oder vierten Jahre, wenn das Kind schon überlegen und unsre Verweise verstehen kann , die Erziehung anfangen. Im ersten und zweiten Jahre, sagt man, sind die Kinder noch gar zu zart, da darf man ihnen in keinem Stücke zuwider seyn, da muß man ihnen in allen Dingen den Willen lassen, sie fangen sonst an zu schreyen, und wie leicht kann das allzu heftige Schreyen einem so kleinen Kinde schaden? Welche Mutter wird ein solches Geschrey vertragen können? u. d. m. Wir denken ganz anders in diesem Stück. Es ist bekannt, daß man vor allen Dingen, wenn die Erziehung gerathen soll, die Kinder vor aller Hartnäckigkeit und allem Eigensinn verwahren müsse. D'.es erfordert nicht allein die Gesundheit der Kinder, sondern auch das Glück der Eltern. Ein hartnäckiges und eigensinniges Kind ist eine Hölle für die Eltern, wie ein gehorsames Kind ein Himmel für dieselben ist. Wenn soll man aber damit an fangen ? Soll man warten bis ins dritte oder vierte Jahr ? Das ist sehr gefährlich. Wir haben Kinder gesehen, die in diesen Jahren schon so eigensinnig waren, daß man sie durch die härtesten Schläge und durch die zornigsten Drohungen nicht von ihrem Verlangen abbringen konüte. Sie haben ihre Hartnäckigkeit bis in die Iüng- kingsJahre behalten und die Eltern sind hernach zu ihrem größten Kum- ,mer gewahr worden/ daß alle ihre Ermahnungen, sich $um Guten führen


