394 Gr'esische wöchentlick)»gemeMAtzrßeAnzeigen
gehen, twrum laßt man sie nicht selbst den Armen die Allmosen überreichen? Warum lehrt man sie niemals, wie sie auf eine vernünftige Weise Allmosen geben müssen ? Warum lehrt man sie nicht, daß es eine von den ersten Pflichten eines Christen sey, den Armen Gutes zu thun? Könnt ihr, oder können eure Kinder nicht auch in die elende Umstande kommen? Wer kann euch Bürge dafür seyn, daß ihr nicht dereinst noch arm, elend und gebrechlich werden könnt ’ Und wenmihr es würdet, würde es euch alsdann gleichgültig seyn, wenn man euch verspotten und schelten oder doch wenigstens mit dem größten Widerwillen, mit zornigen und verHrüßlichen Mienen die Allmosen reichen wollte. Ihr sagt, nein, eine solche Begegnung würde uns unendlich wehe thun? sie wurde uns mehr schmerzen, als unsre Armuth selbst. Sehet, so sehr schmelzt eure Unbarmherzigkeit auch die- jnige, die ihr anitzt Hülflos von euch weggehen lasset. O wenn die Menschen wüßten, wie viel Beruhigung, wieviel Freude und Seeligkeit eine jede mitleidige und wohlthätige Handlung gewährt, sie würden sich gewis mehr Freunde mit dem ungerechten Mammon machen, sie würden gewis mehr von ihrem Vermögen das sie doch von dem GOtt, der die Menschenliebe befohlen hat, empfangen, haben und. nicht mit in das Grab neh- men könnens zum Wohlkhun verwenden; sie würden gewis ihre Kinder mehr zur Barmherzigkeit und zum Mitleiden aufmuntern! Allein die Menschenfreunde .sind rar, die. jeden Tag für yerlohren halten,, an welch ein sie keinem Nothleidendön gebolfm haben. Ist, diese Seltenheit solcher Menschenfreunds nicht die größte Schande für das Christenthum? Denn sagt mir einmal, wMe Pflicht ist uns öfter und nachdrücklicher anbefohlen, welche hat grösere Vcrheimngen, als die. Pflicht der Wohlthätigkeit und Etbarmung? JEsus. Christus, dieser, hochgclobte GOtt von Ewigkeit zu Ewigkeit, dein w.ir.älle irrdische und himmlische Güker zu danken haben, ßgt selbst, daß er.alle Wohlthaken, die wir den Armen erzeigen würden/ so anfthm wolle', als wenn wir sie ihm selbst erzeigten. Und dennoch wollen wir gegen unsern größten Woblthäter, der so unendlich viel für uns ge- than hat, und dessen Wohlthaten wir in allen Ewigkeiten nicht gnug preisen können, gegen diesen wollen wir so undankbar seyn und nicht einmal um feinet willen die Hungrigen speisen, die Durstigen tränke«, die Nackten kleiden,, die Elenden erquicken? "Wir wollen'noch Unfern Kindern cineVer- achtUng, ejnen Abscheu für diesen würdigsten Gegenständen unsrer Liebe, unsrer Erharmung und unsers Mitleidens einflösen? O laßt uns einmal bessere Christen werden, damit diese Schande nicht auch auf'unsre Kinder
komme,


