Ausgabe 
10.9.1765
 
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r-o Gr'esisthe wSchMtlich^ gemeLttnötzrge Attzekgm fer letzte Gedanke hatte so viel Gewalt über mich, daß ich meinen Entschluß ausführte und auf den Schiesplatz gieng. Ich fand daselbst zu meiner Verwunderung eine sehr grose Menge von Menschen, über welche ich noch mehr erstaune, als ich erfuhr, daß sie aus einer ungleich grösern Men^ von Thoren alsVernuünstigen bestünde. Diese Verwunderung führte mich ganz natürlich auf die Betrachtung/ aus was für Absichten alle diese Leute eigentlich an diesem Ort mochten erschienen seyn- Ich will meinen Lesern meine Gedanken darüber mittheilen und ihnen die Entschei­dung überlassen, ob ich die wahren Absichten errathen habe.

Das erste, was meine Aufmerksamkeit auf sich zog, war eine mensch­liche Figur, dre sich von allen Menschen, die zugegen waren, so wohl in der Kleidung und in den Bewegungen, als auch in allen ihren Handlungen unterschied. Und alle dieie UnterscheidungsZeichen zusammen genommen, sollten den auserordenchchen Beruf anzeigen, daß diese lebendige Statue sich an diesem Orte eingefunden, um auf eine Zeitlang vor einige Stücke Silber, Verstand und Vernunft zu verleugnen, und die Rolle eines Nar­ren zu spielen. Als ich mich ein wenig genauer um diese vermummte Per­son erkundigte; so sagte man mir, daß sie ihrer Seltenheit wegen aus einer andern Gegend wäre beschrieben worden. O wie glücklich, dachte ich an­fänglich,, ist unser Giessen, daß man keine solche seltne Personen darinn an- trift. Doch als ich mich em wenig besann; so fielen mir einige aus unsrer Stadt em, die die Stelle dieser Person recht gut hätten vertretten können, und denen gewis Verstand und Vernunft um einen billigen Preiß würden feil gewesen seyn, wenn ihr Amt und die übrigen Umstände, darin sie le­ben, einen solchen Verkauf zuliesen. Ich habe sie manchmal an öffentlichen Oertern ohnenrgeklrch noch weit unvernünftigere Possen und Zoten rei­sen gehört; warum sollten sie dieses nicht auch thun, wenn man sie dafür bezahlte? Unser Giessen muß also nicht ganz rein an Narren seyn. Aber' dachte ich ferner, wie ist es möglich, daß sich ein Mensch entschliefen kann, das beste Geschenk fernes Schöpfers, seine Vernunft, um einige Silber­linge zu verkaufen ? Unglückseeliger! warum verleugnest du die Vernunft, ohne welche du em Vieh und zu allen Arten von Glückseekigkeit untückM mff/ Nahm Mr vor , nie so undankbar gegen die gütige Gefchencko meines Schöpfers zu seyn, sondern sie vielmehr immer zu seiner Ehre und ittr Erfüllung seiner weijen Absichten, die er immer bey der Austhei- 'lung-solcher unverdienter Geschenke hat, anzuwenden, und mich nicht MMuch des GenuKs aller' mir verheifenen Güter zu berauben,

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