Gl'esische wöchentliche semerttttZtzige Anzetzen
wollte, gleichgültig zu werden, daß es in der sechsten schon Schläge von ihm bekommen sollte, und daß er in der siedenden aus Liede zu einer Köchin alle Pflichten der Ehe gegen es vergessen würde, wenn er ihm gesagt hatte, daß er das boshafteste Herz hatte, und daß er die niederträchtigsten Handlungen zu begehen im Stande sey, würde es sich wohl alsdann einem solchen Liebhaber, der sich anfänglich wie ein Engel stellte und sich hernach in einen Teufel verwandelte, auf ewig übergeben haben ? Würde sich wohl mancher Jüngling entschlossen haben, seine Geliebte zu heyrathen, wenn sie ihm vorher hätte gestehen müssen, daß sie ihre Keuschheit schon den französischen Officiers um einen billigen Preiß überlassen hätte, daß sie sich nie gewöhnen könnte, mit einem Mann zufrieden zu seyn, daß sie hochmüthig und eitel sey, und daß sie sich um die Pflicht, eine ordentliche Haushaltung zu führen, eben so wenig bekümmern würde, als um die Pflicht, ihren Mann treu und aufrichtig zu lieben? Würde wohl mancher Jüngling seine angebetete Schöne zur Frau erwählt haben, wenn sie ihm dieses alles vorher hätte gestehen müssen ? Das kann ich unmöglich glauben. Es wäre also etwas ganz vortrefliches und allgemeinnütziges, wenn die Mode ein- geft'rhrt würde, daß die Verlobten vor der Heyrath ein Verzeichnis ihrer Tugenden und Fehler aufsetzten, und dasselbe sich einander mittheilten. Herr Qmrmus Altlieb, herunter allen, wie ich glaube, der erste ist, der dieses offenherzige Geständnis wagt, denkt eben so in diesem Stücke. Er hat folgendes Empfelungsschreiben eingeschickt, das wir allen Jungfern unsrer Stadt und insbesondere denen, die sich die Zeit nehmen, unsre Blätter zu lesen, bekannt machen sollen. Und wir sind um desto bereitwilliger, sein verlangen zu befriedigen, weil er uns nicht allein reichlich belohnen will, wenn ihm seine Hofnung nicht fehl schlägt; sondern weil auch die Art, wie er unfern Schönen seine Hand anbietet, noch zur Zeit etwas ganz ungewöhnliches bey uns ist, und weil wir hoffen, daß diese allein vernünftige Art, zu freyen, von nun an bey uns werde eingeführt werden. Denn sollte wohl ein so edeldenkender Vorgänger ohne edeldenkende Nachfolger bleiben! Wer wird das glauben! Wir wollen das beste hoffen und unfern Leserinnen seinen Brief mittheilen. Ob er gleich ein wenig nach dem Canzlcy- Stil schmeckt, so wird sich doch sein Jnnhalt sehr leicht einsehen lassen. Hier ist er:
„ Meine Herrn! „
„ Dero refpettives Wochenblatt gefällt mir nicht übel, und ich glau-


