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genngeker oder größerer Gelehrsamkeit. Sonst hatten die Kirchenverbefferer nie über die Unwissenheit, und Faulheit, der Bischöfe klagen dürfen. Der Unterschied des Geistlichen, und des Theologen, ist also eine Frucht der neuern Zeiten, und, ist es erlaubt, die Wahrheit frey zu sagen, eigentlich der' allerneuesten. Unsere Vorfahren waren noch im vorigen Jahrhunderte so altfränkisch, daß sie glaubten, um geistliche Aemter bekleiden zu können, müßten sie die Theologie auch gründlich studieren; und welchen weiten Umfang hat nicht dieses einzige Wort? Man stehet daher, wenn man noch hier und da Trümmer von B bliotheken der vorigen Zeiten antrift, unter denselben die schönsten Werke aus allen Theilen der Gelehrsamkeit, die oft bloße Land- Prediger zu Besitzern hatten ; ich gestehe e6 gerne, auch manchmal elende Blätter: denn, das gottlose Leben der Studierenden hat nicht erst in unser» Zeiten angefangen. Allein, das bleibt unferm Jahrhunderte wohkj zur Schande eigen, daß selbiges, je mehr es sich unfern Tagen genähert, immer mehr Weichlinge, und Unmenschen, unter denen, die in der gemeinen Sprache Theologen heißen, hervorgebracht hat. Ein großer Theii derselben find entweder verzärtelte Söhne, oder Menschen ohne Erziehung. Bey- de betrachten die geistlichen Aemter, als Pfründen, die sie entweder den Verdiensten, oder dem Ansehen ihrer Familie, oder einer geduldigen Jnfor- Mations.Arbeit, oder dem aufgeopferken Reste ihres väterlichen Vermögens, anderer Mittel zu geschweigen, zu danken haben. Will man diese nickt zu allen geistlichen Amtsverrichtungen untüchtig machen : so wäre fast nöthig, den Unterricht, den sie auf Universitäten genießen, nach ihrer Fähigkeit, und dir Bestimmung, die sie allenfalls haben, einzun'chtem Die Wissenschaften hangen alle aneinander; und je mehrere derselben jemand gründlich gefastet hat, je ein besserer Theolog im eigentlichen Verstände wird er werden. Wie viele aber verlangen Menschen von der beschriebenen Art zu fassen ? Sie würden gerne, so wie vor der Reformation geschähe, sich Vicarios zur geistlichen Arbeit halten, und ihr Einkommen in ungestörter Lust verzehren; wenn solches erlaubt wäre. Indessen bestreben sie sich, da sie dieses nickt thun können, den Umfang ihrer Studien so viel, als möglich, in die Enge zu ziehen; und entschuldigen sich damit, daß sie keine Dockores zu werden verlangten, und für den gemeinen Mann in Städten, und auf demLande, eine geringere Wissenschaft hinreichend sey.
Auf diese Wüst entstehet freylich nur gar zu oft em Unterschied zwischen dem Theologen, und dem Prediger. Allein, eine andere Frage ist es nunmehr: ob dieser Unterschied in der Sache gegründet, oder nützlich, und also in einer Anweisung die Theologie zu Mieren anzupreisen seye? Ich glaube, behaupten zu können, daß dieser


