Ausgabe 
5.3.1765
 
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und Nachrichten. 75

les zu wissen, M Mosheim, oder Baumgarten, wußten; so gewiß ist es auch, daß manche Prediger mehr gründliche Einsicht in bie alten Sprachen haben können, als diese zween berühmten Gelehrten hatten. Dieß ist schon ein Beweis, daß die armen Prediger den mosheimischen Theologen eben nicht alles überlassen. Ich setze noch mehr hinzu. Mosheim, der ein Theoloa war, konnte irren, und irrere auch wirklich, wenn er z. E. den Eid, wel­chen die Lehrer in vielen Kirchen auf unsere symbolischen Bücher ablegen müssen, unter die Misbrauche) dieser Bücher zahlet; und auch dieses einen Mlsbrauch nennet *), daß man Glaubensstreitigkeiten, und deren Ent­scheidung, mit in diese Bücher Zesetzet hat. (Was sollte man wohl sonst hinei-nsetzen, da sie bey Gelegenheit der Streitigkeiten entstanden sind, und die Beylegung derselben zum Endzweck-Haben?) Sollen also die Prediger nicht alles wissen dürfen, was die eigentlichen Theologen wissen müssen: so stehen sie nicht selten in Gefahr, von diesen in Jrrthum verführet zu werden. Wie nachtheilig klinget dieses für Manner, die Haushälter über G-OtteS Geheimnisse sind?

Ich will diese verdrießliche Untersuchung aus der Ursache nicht weiter fortsetzen, weil ich sonst aus der Geschichte Beyspiele anführen müßte, und leicht anführen könnte, da schlechterdings die hohe theologische Wissenschaft nid)t an akademische, oder diesen an Würde gleiche, Aemter gebunden war. Ich frage vielmehr: woher kommt dieser mächtige Unterschied zwischen dem Theologen, und dem Geistlichen ? Die H. Schrift kennet ihn gewißlich nicht. In den apostolischen Zeiten der Kirche Neues Testamentes finden wie zwarApostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer, Ephes.4, n. unterschieden : aber nicht Theologen, und Geistliche. Diese verschiedenen Grade der Vorsteher der Kirche waren auch nicht durch die verschiedenen Stufen ihrer Gelehrsamkeit, sondern theils durch die verschiedenen Gaben des H. Geistes, der nach 1 Kor. 12, 4-n. in verschiedenen Menschen auf verschiedene Weise wirkte, theils durch ihre mancherlei) Verrichtungen un­terschieden. In den nachfolgenden Jahrhunderten zeiget uns die Kirche«- geschichte Presbyteros, Diaconos, mit der Zeit auch über beyde erhabene Epifcopos, oder wie sich nut dem zunehmenden Verfalle, oder dem verän­derten Zustande, der Kirche, auch die Namen und Aemter ihrer Diener, oder Tyrannen, änderten: nirgends aber bestehet ihr eigentlicher Unterschied in

K1 geringe-

*) Mosheims allgemeines Birchenrecht der Protestanten, S, 344. eben daselbst.