vnb Nachrichten. 77
riescc Unterschied von eben der Art ist, als ob man bey jeder Kunst zwischen dem Künstler und dem Stümper unterscheiden wollte. Tin Prediger ist entweder ein Theolog, oder er ist keiner. Ist er ein Theolog ; so sehe ich nicht, warum er des- -vegen, weil er kein so vornehmes Amt bekleidet, als ein anderer, das nicht heißen soll, was er wirklich ist. Ein Maler bleibt ein Maler, er mag in einem Privat- Hause, oder in einer kaiserlichen Burg, seine Kunst treiben. Ist der Prediger aber kein Theolag; so ist er auch kein Prediger. Denn, ohne Theologie kann man auch mcht predigen. Man kann ein Redner seyn, und sich bey jedermann beliebt machen: aber man ist deswegen kein Prediger; so wie Cicero der größte Redner bleibt, aber deswegen kein Prediger ist. Wollte man aber bloß wegen des Grades der theologischen Erkenntniß diesen Unterschied annehmen; so müßte auch noch ferner zwischen den Theologen in dem Verstände des seel. Mosheims ein Unterschied ges suchet werden ; da auch diese dem Grade ihrer Erkenntniß, und der Weitlanftig- feit ihrer Wissenschaft nach, noch sehr verschieden sind. Es ist also dieser Unterschied wohl aus dem Verderben unserer Zeit, keinesweges aber aus der Sache selbst, herzuleiten. Der Gedanke des oben angeführten Recensenten, daß man »n der Birche nicht lauter Doctoren bedürfe, ist gar zu leicht. Ich schlösse so : Wenn man nicht lauter Doctoren in der Kirche bedarf; so bedarf man für das übrige solche Leute, die keine Doctoren sind, noch seyn können. Nun stelle ich mir die Doctoren nicht als Engel, noch weniger aber als allwissend, sondern als Menschen vor, die durch gewissenhaftes und unermüdetes Studieren ihre Natur-und Amtsgaben so erhöhet haben, daß.sie in den theologischen Wissenschaften, und was damit eine Verbindung hat, starker als andere, sind. Was sind also diese andere füv Menschen? Es sind mittelmäßige, oder noch schlechtere. Entweder fehlt es ihnen an Natur - und Amtsgaben, oder an gewissenhaftem Fleise im Studieren. Beydes giebt für ihre Brauchbarkeit eine schlechte Vorbedeutung. Was können seichte Köpfe, ^.h will nicht sagen, Leute, die auf ein thariges und wahres Chrrstenthum niemals viel gehalten haben, der Kirche für Nutzen bringen? was können faule und trage Menschen, die nicht gehörig studiert haben, gutes stiften? Das mittelmäßige taugt in allen Ständen nichts, und das schlechte noch weniger. Eine Armee, von meistens mittelmäßig geschickten Anführern und Soldaten, kann sich so wenig Rechnung auf den Sieg, als eine Gesellschaft sogenannter Künstler, die aber alle nur mittelmäßig, wo nicht gar Stümper, sind, aufden Beyfall der Welt machen. Vielmehr ist diejenige Armee erst ihren Feinden schröcklich, in welchem ein jeder Subaltern diejenige Geschicklichkeit besitzt, die man so wenig bey ihm sucht,als sehr nun sie an dem obersten Befehlshaber bewundert. Warum soll man also gerade in der Kirche nicht lauter Docroren bedürfen? Ich dächte, man bedürfte sie, wenn man sie nur hatte, und nicht theils der Mangel an tüchtigenLeh- rern, theils die Unwissenheit, und unreinen Absichten derer, welche der Kirche Lehrer geben, .machten, daß man sich mehrcntheils mit mittelmäßigen oder schlechten Leuten erbärmlich behelfen muß. Die KirchenHistorie zeiget uns Doctormäßige Kirchenväter, die eben nicht allemal in Conftantmopel, oder Alexandrien, gelebet, der Kirche aber dem ungeachtet treflich gedienet haben. Wo aber, möchte man einwenden, sollen alle Leute die Mittel hernehmen, sich zu Doctoren zu studieren? Ich antworte kurz; durch Mittel, und Reichthum hat sich noch keiner zumDoctor
K i studiert;


