44 Gieflfche wZchmtlr ch - gemeinnützige Anzeigen
Ergötzlichkeiten, die sie bey ihren Ausschweifungen zu geniesen glauben und vergessen dabey, die mannigfaltigen Freuden und Vollkommenheiten zu betrachten, die uns nur allein die Ausübung der Tugend gewahret. Nur diese macht uns würdig, den gro- fen Namen vernünftiger und freyer Geschöpfe zu führen, und wir suchen vergebens anderswo wahre Vorzüge und eine dauerhafte Glückseligkeit, als nur allein in der genauen Erfüllung unserer Pflichten.
Drittens. Mache dir die Beyspiele andrer zu Nutz, die theils durch Tugend glücklich, theils durch Lasier unglücklich geworden sind. Jene sind ein geschicktes Mittel, dich täglich mehr zur Liebe gegen die Tugend aufzumuntern, und diese werden dich bewegen, dich immer weiter von allen Lastern zu entfernen.
Anmerkung. So sehr äuch die Beyspiele andrer einen jeden zur Tugend reizen sollten, so schwache Eindrücke machen sie auf die allermeisten Menschen. Ein Mörder und ein Strascmäuber wissen , daß so viele ihrer Miffethattn wegen unter den empfindlichsten Martern sind hingerichtct worden, und dennoch lassen sie sich dadurch nicht von ihrer vorigen Lebensart abhalten. Ein Tagdieb sieht hundert Faule und Unwissende im Elend liegen, und dennoch bleibt er faul und lernt nichts. Ein Trunkenbold weis, daß mancher im Sausen-seine Ehre, sein ganzes Glück, seine Gesundheit und sein Leben verlohren hat, hört er deswegen auf, ein Vieh, wie vorher, zu seyn? Wenn der Geizige auch tausend wohlkhätige Menschenfreunde die entzückendste Zufriedenheit ge- rn'esen sieht, sucht er deswegen gleich durch Wohlthätigkeit und Menschenliebe die Ruhe des Gemüths zu erlangen? Und wenn tt 10000. auf einen Tag begraben sicht, die alle ihre mit Unrecht erworbene Schatze haben zurück lassen müssen , laßt er sich deswegen zu einem thätigen Mitleiden gegen die Noch eines Elenden bewegen? Flieht deswegen der Wollüstige die Gegenstände seiner Lust, wenn er andre steht, die sich durch ihre Ausschweifungen die tödlichsten Krankheiten zugezogen haben? Warlich.' man würde sich von vernünftigen Geschöpfen kaum eine solche Blindheit vorstellen können, wenn sie nicht tägliche Erfahrungrn bewiesen»
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