Ausgabe 
5.2.1765
 
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VN- Nachrichten.

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-er wird gestraft werden: würde er wohl noch mit so begierigen Händen nach dem berauschenden Becher greifen? Würde der Rachgierige wohl noch länger seinen fehlenden NebenMenschen mit tödtlichem Grimme verfolgen, wenn er recht wüßte, daß ihm keine Rache zu käme, daß er sich durch das Unglück seines Näch­sten , selbst nicht glücklicher machte und daß er so ost selbst Nach­sicht für seine eignen Fehler von andern verlangt? Und würden wohl die kurzsüchtigen Ungeziefer, die Spötter unserer göttlichen Religion, würden diese wohl noch mit so schnellen Schritten und mit so blindem Unsinn auf den Abgrund ihres Verderbens los eilen, wenn sie zuerst ihre Tollkühnheit untersuchten und sich mch- rereMühe gäben, den trostvollen und seeligmachenden Wahrhei­ten unsres allerheiligsten Glaubens nachzudenken? Kurz: wenn wir uns nicht um richtige Urtheile von dem wahren Werthe der Dinge bekümmern; so werden wir nie für den größten Ausschwei­fungen und Thorheiten sicher feyn.

Zweitens- Suche dich immer mehr und mehr von den grosen Vor­zügen desjenigen zu überzeugen, der seine Pflichten willig ausübet,) und sey nicht blos der Belohnungen oder der Strafen wegen tugendhaft, tut möchtest sonst, wenn diese zu lange Ausbleiben, nachlässig in der Erfüllung deiner Pflichten werden. Denke vielmehr immer, daß die Tugend deine heiligste Pflicht sey, und wenn sie auch gar keine Belohnungen bey sich führte.

Anmerkung. * Viele Menschen würden gewis ihren geliebten Lastern entsagen, wenn sie einmal mit allem Ernste untersuchten, wie viel Vergnügen und Glückseeligkeit ihnen die Ausübung der entgegen gesetzten Tugenden gewähren kann. Wenn der Geizige nur einmal die Entzückungen der Wohlthätigkeit und der Menschen­liebe empfände, ich weiß gewis, er würde hernach immer mit willigen Händen jeden Bekümmeren, jeden Trostlosen und Unglücklichen aus seinem Elend zu reissen suchen. Wie mancher Trunkenbold würde aufhören, sein Vergnügen im viehischen Sau­fen zu suchen, wenn er bedächte, daß er durch seinen Verstand und durch seine Wissenschaften so viel zu seiner eignen und zu sei­nes Nächsten Glückseeligkeit beytragen könnte. Allein die Laster­haften heften blos ihre Blicke auf die thörichten und schädlichen

3 r Ergötz-