Ausgabe 
5.2.1765
 
Einzelbild herunterladen

42 Gresische wöchentlich -gemeinnützigeAnzeigen

Mittel zur Tugend an, die über alle menschliche Erfindungen erhaben und hinlänglich sind, uns für Vergehungen und Ausschweifungen zu verwah­ren, und uns zu wahren Christen und treuen Menschenfreunden machen. Dem ungeachtet sind doch diejenige Mittel zur Erlangung der Tugend, welche uns schon die sich selbst überlassene Vernunft lehrt, nicht ganz ohne Nutzen. Sie sind doch wenigstens geschickt, uns an die Erfüllung unsrer Pflichten oft zu erinnern, wenn sie uns auch gleich zur wircklichen Er­füllung derselben nicht tüchtig genug machen können. Und wenn wir sie einmal angewendet und ihre Unzulänglichkeit, uns eine wahre Glückseelig- keit zu verschaffen, erfahren haben; so werden wir immer begieriger, die höheren und hinreichendere Mittel zu gebrauchen , weiche uns GOtt auf eine übernatürliche Weise in seinem Worte offenbaret hat. Ich will mich anitzk mit dir von den natürlich bekannten Mitteln tugendhaft zu werden, unterhalten, und die Anpreisung der göttlichen und übernatürlichen Mittel auf eine andere Zeit verschieben.

Erstlich. Bekümmere dich, so viel als in deinen Kreisten steht, um den wahren Werth und den Endzweck aller Dinge, und insbeson­dere derjenigen, durch deren Liebe oder Haß, durch deren Verehrung oder Geringschätzung sich so viele Menschen unglückseelig machen.

Anmerkung. -O wenn doch diese Regel alle Hochmüthige, alle Wollüstlinge, alle Geizige, alle Trunkenbolde, alle Rachgierige und überhaupt alle Lasterhaften, die das Spiel ihrer Neigungen und ihrer Leidenschaften sind, beobachteten! Würde wohl der Hochmüthige die Ehre der Menschen für seinen Gott halten und würde er wohl in nichtsbedeutenden Vorzügen ein Recht suchen, andre zu verachten , wenn er von dem Werthe und dem Endzweck derjenigen Dinge richtiger urtheilte, weswegen er dieses Recht zu haben glaubt? Würde der Wollüstling wohl noch länger ein Vergügen in seinen thierischen Ergötzlichkeiten finden, wenn er die Gegenstände seiner Lust und die schlimmen Folgen seiner Aus­schweifungen vernünftig bet! achtete ? Der Geizige wurde gewis nicht mehr seinen Goldklumpen anbetcn, wenn er den Endwzeck und den Werth seines Reichthums recht kennte. Wenn der Trunkenbold oft bedächte, daß er zuweilen kein Mensch, sondern ein unver­nünftiges Vieh ist, daß er alle Glückseligkeiten des Lebens und alle vernünftige Vergnügungen versäuft, daß er sich aus eigner Schuld sein Leben verkürzt und dereinst gewis als ein SelbstMör- der