Folgende Fragen sind an uns eingesendet worden, mit dem Ersuchen, fi'e, in diesen öffentlichen Blattern, zu beantworten. Ob nun gleich der Anfrager, von einem seden, auch allenfalls nur halbqelekrkem Juristen, die Beantwortung bekommen tönte: so „lögen wir ihm doch seine Bitte nicht versagen. Denn vermukhlich hat er ei- E^Bew-ggrund, warum die Antwort Öffeiiklich mitgetheilet
—. .Erste graste: 26enn ein 9)?mm stiebet, und seine Ehefrau mit Kindern hinterlasstt, wie ist in diesem Fall die Erbfolge beschaffen?
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Jnsdnd-rheit machen uns Feinde in Beobachtung der gesellschastlichm Pflichten sorgfältig. Auch derjenige, welcher die Verbindlichkeiten der Gesellschaft mit Ernst zu erfüllen trachtet, ist vielleicht zuweilen aus Unachtsamkeit nicht so herablassend, so vorsichtig und genau, die kleinen Pflichten deS Wohlstands zu befolgen; so aufmerksam, so gefällig als er seyn sollte. Seine Mine entdeckt einen gewissen verdrüßlichen Kalksinn, -eine Geringschätzung anderer, von der sein Herz nichts weiß. Aus einer unüberlegten Offenherzigkeit; auch wohl aus einer unglücklichen Begierde, das Vergnügen der Gesellschaft zu befördern erlaubt er sich eine Spötterei) über andere, eine Entdeckung ihrer Schwachheiten, ein- Erzählung ihrer lächerlichen Handlungen. Für diesem Fehler wird er sich mit Ernst hüten, wann er weiß, daß er Feinde hat, die seine Aufführung beobachten und seine Gespräche bemerken, um sie zu seinem Schaden anzuwenden.
Wir können nie erhabnere Tugenden ausüben, als wenn wir beleidigt werden. Denn die Liebe gegen die Feinde ist unstreitig eine der größten und göttlichsten Tugenden. Schon der Mensch, und noch mehr der Christ durch das B-vspiel seines göttlichen Versöhners ist dazu verpflichtet. Gleichwohl aber ist die Rache unferm verderbten Herzen so süß, und die Geduld, Sanstmukh und Versöhnlichkeit so schwer, daß der, welcher dies- Tugenden auszuüben im Stande ist, eine hohe Stufe in der moralischen Voiikommenheit erreicht haben muß. Weswegcn erhebt und bewundert man einen Socrat, einen Cäsar und August auch noch in den entferntesten Zeiten mehr, als wegen ihrem grosmükhigen Betragen gegen Beleidigungen. Feinde sind also wider ihr-ii Willen eine Gelegenheit zur Ausübung der vortrefiichsten und bewundernswürdigsten Tugenden. Sollte man wohl noch zweifeln, daß sie uns nützlich sind?


