||6 GLe fische wöchentlich- gemeinnützige Anzeigen

womit er ihnen täglich zürnst; bekehrt euch, denn iht wißt nicht, wenn ich komme.

Es würde vielleicht nicht so viele Lasterhafte geben, wenn man fiei­sig bedachte, daß es unendlich mehr Mühe, Sorgen, Unruhe und Angst erfoderte, lasterhaft als tugendschast zu seyn. Hat derjenige mehr Sorgen und Angst, der einen Duell ausschlagt, als derjenige, der einen andern todt sticht? Sind die Wünsche des Trunkenbolds leichter zu befriedigen, als die Wünsche des Mäßigen?

Unser Leben ist ein kurzer und geschwinder Lauf von einer Mutter zu ei­ner andern. Wir fangen an zu sterben, indem wir zu leben anfangen wollm. Und dennoch trachten wir so wenig dieses kurze Leben recht anzuwenden.

Die ganze Schöpfung braucht sich eben nicht zu rüsten, das schwa­che Rohr, den Menschen, zu zerknicken. Ein Jnsect,, ein Tropfen Was­ser ist hinlänglich, ihn zu tödten. Aber gesetzt, Pie ganze Schöpfung zerquetschte ihn: so würde der Mensch doch noch viel edler seyn, als sie. Warum? Weil er weis, daß er stirbt, der ganzen Schöpfung aber ist die Macht uribekannt, die sie in diesem Stück über ihn hat. Unser höch­ster Vorzug für allen Geschaffnen besteht also im denken undbewnßtseM. Warum geben wir uns dann sowenig Mühe, gut denken zu lernen und unsere Vorzüge allein in grosen und unsrer ewigen Bestimmungwürdigen Gesinnungen zu suchen? Vergesset nie daß das geringste Geschöpfe euer Leben verkürzen kann; -aber vergeßt auch nie, eure Seele mit heiligen Ge- dancken anzufüllen, damit euch eine jede unvermuthcte Verkürzung eures Lebens nicht an eurem ewigen Glück schaden könne.

Viele Menschen halten sich für unglücklich, daß ihnen die Vorsehung nickt gross Reichthümer zugewendet, sie nicht zu Königen gemacht hat u. s. w. Das ist lächerlich. Warum halten sie sich nicht auch für unglücklich, daß sie nur einen Mund und eine Nase, nur zwey Augen haben? Nicht wahr? Mehrere hatten sie nicht nöthig, um zufrieden zu scyn. Also sollten sie auch bey den Gütern denken, die ihnen die Vorsehung verliehen hat. Wie? Wenn ihnen die Vorsehung noch weniger' gegeben hatte. Hätten sie als dann nicht auch müssen zu frieden styn? Oder hätten sie mit Recht mehr fordern können ? Die Vorsicht hat alles wohl gemacht. Ihr aber werdet nicht eher glücklich werden, alsl bis ihr mit der Regierung dersel­ben zufrieden seyd.

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