Vorrede.

Hochzuehreir-e Herrn!

<>ch und Doris haben ihr Blatt bisher mit sehr grosem Vergnügen ge­wiesen. Ls will uns aber doch noch nicht so ganz gefallen: Wissen Sie warum? Uns deucht, Sie hätten sich etwas mehr mit unferm Geschlecht abgeben und die Fehler und Thorheiten desselben eben so gut, wie die Feh. ler und Thorheiten des Ihrigen zeigen sollen. Gehören wir dann nicht eben so gut zu der menschlichen Gescllschast und kragen wir nicht, wenn wir tugendhaft und gesittet sind, eben so viel zur Glückfeeligkeit derselben bey, als die Mannspersonen? Sollten wir also weniger Recht haben zu fordern, daß Sie sich mit eben der Sorgfalt um die Verbesserung un- sers Geschlechts bekümmern, mit welcher Sie sich bisher um die Verbes­serung des Ihrigen befümmert haben? Wir gestehen es Ihnen aufrichtig, daß wir Ihr Blakt noch einmal so gerne würden gelesen haben, wenn Sie uns nur mehr Gelegenheit gegeben hätten, über unsre Aufführung nach­zudenken , und uns und nufer Geschlecht besser kennen zu lernen Wir haben immer von einer Woche zur andern gehofft, Sie würden endlich einmal anfangen, auch für uns lehrreich zu seyn, und uns in den Regeln der Klugheit und Sittsamkeit zu unterrichten, die unter uns leider' sehr selten zu werden scheinen. Allein alle«, was Sie bisher gutes sagten, gieng Ihr Geschlecht beinahe allein an, und es hat uns manchmal sehr viele Mühe gekostet, bis wir etwas auf uns anwenden konnten. Wir hoffen es zu Ihrer Gütigkeit, daß Sie uns diese freve Erinnerung verge­ben und sich bey der Fortsetzung Ihrer Schrift die Auspolirung der Sitten und die Verbesserung der Fehler unsers Geschlechts mehr werden angele­gen seyn lassen. In dieser angenehmen Hofnung verbleiben wir auch fünf tig noch

Ihre

Am 28ten Decembr.

1765« fieisigstc und gehorsamste Leserinnen

Caroline und Doris.