Ausgabe 
30.8.1774
 
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Wochenblatt r?7

gtt: so erwsrben wir uns dieselben bey andern Gegenständenvorzügljch durch ein gutes Herz und feines Gefühl. Racine der die Gesellschaft seiner Kin­der der königlichen Tafel vorzog, mußte gewiß in dem Kreise dieserUnschul- diqen mehrere Freuden finden können, als in dem prächtigen Gedrenge des Hofes Diesem Geschmacke an dem süßen Umgänge der Kinder haben wir eine kleine Sammlung von Gedichten zu danken , die unserer Nation ewig als die liebenswürdigsten Geschenke der Muse heilig bleiben. *) El­tern , die ihr so glücklich seyd, Kinder non eurem Blute zu küssen, genie­ßet auf eine würdige Art dieses- beneivenswürdige Glück und die vielen Freu­den die euch diese unschuldigen Gesellschafter machen können ! Verban­net sie ja nicht in die rohe Gesellschaft des Gesindes, um desto ungehinder­ter am Spiel - und Nachtische leere Stunden zu verschwenden. Ihre zärt­lichen Umarmungen und ein Blick auf ihre einfältigen Spiele, zu welchen sie ft freundschaftlich einladen, 'st mehr werth, als die thörichte jFreude über ein gewonnenes Tont oder ein wohlgewähltes Bändchen ! Es ist wahr, nicht alle Menschen können an dergleichen süßen Freuden Antherl nehmen. Doch gab der weise Schöpfer allen Menschen ein sympathetisches Gefühl, vermög welchen wir an der Freude und an der Bettübniß unserer Nebenmenschen uneigennützig Antheii nehmen können. Durch diese weise Einrichtung vermehrte die gütige Vorsicht die Zahl unserer angenehmen Empfindungen um ein merkliches. Wir können sie nicht immer unmittel­bar m unserer Seele erhalten. Wenn wir auch zuweilen freudenlos sind» so dürfen wir nur einen Glücklichen suchen, dem die Freude auf der Stir­ne läch-'lt: bald wird sie zu uns herüberhüpfen , und in der Seele eine angenehme Empfindung erwecken, wofern sie nicht mächtige Leidenschaften rerrükten. Selbst eine mitleidige Thräne, welche uns der Anblick eines Unglücklichen entlocket, verliehret ihre angebobwe B'tt-rkeil? Wenngleich das Gesicht eine Wolke der Schwermuth umhüllet ft schmilzt dennoch die Seele in eine angenehme Empfindung. Da uns öfters Gelegenheiten mangeln, dieses sympathetische Gefühl zu befriedigen: so lesen wir Romane, oder besuchen die tragische Bühne. Wie viele Freuden raubet sich also der ungestüschastlicheMenschenfeind, der sichdiese Quelle freiwillig verstopft?

Es find die Lieder für Rinder von dem Herrn Kreisstenereinnehmer Weise, 7 einem unserer größten Olchter. Ich empfehle sie allen rechtschaffenen Eitern, die ihre Kinder zärtlich lieben. Man kann sie in allen Buchläden baben,ol)ne und mit Noten auf das Clavier. 'Möchten sie doch die elenden Bücher, die man den zarten Kindern noch immer in die Hande giebk, auf ewigverdrangenr