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Die Gemüthsruhe und das edle Vergnügen über eine gute Handlung ver- drenen unter allen angenehmen Empfindungen den ersten Platz. Wer jemals diese erhabene Freuden gefühlt Hal, wird mir Beifall geben. Es gehöret unter meine enthusiastischen Wünsche, nur einen Tag in einer Weit zu leben, wo einen jeden ununterbrochen angenehme Empfindungen über gute Thaten begeistern; da würbe man lauter Gesichter sehen, wie sie Raphaels Engel haben.
Der Geschmack an allen diesen gedachten Freuden ist so verschieden; als die Bildung des Geistes und des Herzens unter einer jeden Nation und Den Gliedern derselben. Der beeiste Lappländer und der feingebildete Grieche sind in der Wahl und in dem Genüsse ihrer Vergnügungen himmelweit unterschieden; und Anakreon genoß gewiß mehrere und feinere Freuden, als Der Knabe, so ihn seine Salben bereitete. Es liegen vielleicht Die wei- ' jesten Absichten Der Vorsehung hiebey zum Grunde, die eine unendliche Manmchfaltigkeit auch in die Geisterwelt, wie in Die körperliche legen wollte. Die Vergnügungen, von denen ich redete, blühen aber gewiß für alle meine Leser und sie sind glücklich, wenn sie ihre Vlüthen abbfeeben. Sie sind Die einigen und Die ächten, welche Der Schöpfer für uns bestimmt hak. Wenn das lallende Kind eine Blume oder einen Vogel erblickt: so streckt es gierig Die kleine Hand Darnach aus. Wenn das Mädchen in der Knospe sich ein fröliches Spiel machen will : so sammelt es sich Blümchen zu einem Kranz. Wenn Der Knabe dem dürftigen Mann ein Brod geben kann: so thut er es mit inniger Freude. Allein diese natürliche Gefühle arten durch eine schlechte Erziehung aus , und bey zunehmenden Jahren verrosten sie gänzlich. Handelt man nicht thöricht, wenn man Den Kindern diese Freuden, Die sie Die Natur selbst lehret, raubt, und zu Spielen gewöhnt, wodurch Der Same Der zukünftigen Laster in Das noch unangesteckte Herz gelegt wird? Die Entbehrung Dieser Freuden lehret man sie nie als ein liebel kennen. Wenn man ihnen als eine Strafe vorsagte: Du darfst nicht in Den Garten gehen, Du darfst Deine Geschwister nicht küssen , du darfst Dem armen Manne kein Alimosen reichen: so würden wir weit mehr gute, zufriedene und fühlbare Seelen unter Dem Volke antreffen, als itzo. Durch die gewöhnlichen Drohungen: du mußt ein Handwerk lernen, Deine schönen Kleider hergeben! werden Die zarten Empfindungen auf das schädlichste verderbet. Ueppigkeit und Stolz sind Die zukünftigen Früchte von einer solchen Aussaat. - Der Raum dieses Blattes erlaubet nicht, Die verschiedenen Mittel zu benennen, durch welche Der schöne Geschmack an vernünfti-
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