*76 Wochenblatt.
Feste und öffentliche Feierlichkeiten sollen der Freude und dem Vers gnügen geheiliget seyn. Allein, sie sind dabei so wenig anzutreffen, alS auf den Grönländischen Eisgefilden ein Orangewäldchen. Der steift Zwang und das abgeschmackte Ceremoniel, die abgesagtesten Feinde des Vergnügens, verscheuchen die wenigen Freuden, die sich bey solchen Gelegenheiten noch hie und da einfinden würden. Wo ist zum Beylpiel, unser Herz mehr den sanften Eindrücken der Freude geösnet, als bey einem Hochzeit, feste. Der feurige Jüngling an der Seite der errörhent en Braut raubt nun öffentlich die Küsse, die er sonst nicht ohne Furcht erschleichen mußte, Leide voll von befriedigten Wünschen, voll von süßen Erwartungen. Die zärtlichen Eltern sind trunken von dem schönen Glücke ihrer Kinder, und küssen schon im Geiste die ihnen ähnlichen Enkel. Aufrichtige Freunde empfinden sympathetisch jede kleine Freude, die jene genießen , und erhöhen diese Empfindung theils durch Erinnerung, theils durch Hofnung. - Reizende Auftritte, wo Freude und Vergnügen uneingeschränkt herrschen sollten - Aber so kindisch ist man nicht, sich diesen sanften Empfindungen zu überlassen. Der schmeichlende Gedanke: an mir schimmern die kheuersie Steine, oder das prächtigste Kleid, ist den eitlen Gästen mehr werth, als alle die gedachten schwärmerischen Phantasien. Die Braut muß unter dec Last eines blendenden Schatzes schwitzen: denn die Rosen, aus welchen die ersten Brautkränze gestochten wurden, hat man mit den Kindern gegen schimmernde Glasgen vertauscht.
Auch Liebe und Freundschaft, die reinen Quellen der besten Vergnügungen, aus denen einjeder sichFreude schöpfen könnte, fließen ungebraucht dahin; mancher schöpft sich, aber
„ Zu Gift wird Nektar, den er trinkt.
Die schöne Phantasien, welche, wie ich glaube, die Neigung gegen das andere Geschlecht erst zur Liebe machen, sind den meisten unbekannt. Ohne diese sinket die Neigung zu einem blinden einförmigen Trieb herab, den wir mit den unvernünftigen Thieren, wie Hunger und Durst gemein haben. Eln Jüngling, der zwischen seinem Mädchen und einer aufblühenden Rose eme Aehnlrchkett findet, oder mit dem Dichter auf ihren Wangen Liebesgötter herumtandeln sieht, scheinet mir von seiner Liebe mehrere Freuden tu genießen, als derjenige, auf welchen ein Mädchen eben den groben Eindruck macht, als auf den Hungrigen der Anblick eines Kalbsbratens. So tvre bey der Hebe aber meistens eine verfeinerte Phantasie die Freuden zeu
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