Ausgabe 
29.11.1774
 
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Wochenblatt.

W

meine lnn're Empfindung dawider empören. Alsdenn mußte rch Weben, Daß auch der Trieb zu einem künftigen Leben, der Trieb nach einer höher» Glückseligkeit, die meinen Wünschen völlig angemessen ist, eben fo.roemij könne befriediget werden. - Und dis sind doch Satze, Siebte ^rnunstig- ste unter den Menschen , aus eben den -ezt angeführten Gründen behaup­tet haben und noch bis auf diese Stunde behaupten.

Die Freiheit ist also kein erdichtetes Guth. Sie streitet auch nicht mit dem sittlichen Zustande, darin sich ietzo die Menschen befinden Ich sehe zwar wohl, daß.ich dermalen nicht mehr mit meinem ursprünglichen Vorzügen geschmückt bin. Oft lasse ich mich durch den lebhaften druck, den die Gegenstände der sichtbaren Schöpfung aus meine Finnen und Einbildungskraft machen, leichtsinnig dahinreißen. Em blendender Schein bethöret mich, in meinen Urtheilen und Schlüßen richte ich mich uach demselben. Mein Blut komt in -eine stärkere Wallung, es entste­hen in mir mächtige Triebe, stürmende Leidenschaften, deren verderblichem Ausbruch ich mich zu widersetzen zu schwach bin, sie reißen mich tyrannisch dahin, schmeicheln mir, so lang ich mich mit ihrer Befriedigung beschäf­tige; kaum aber sind sie gestillet, so seh' ich daß ich^n Sklav meiner Lei­denschaften war. Ich bebaute mein widriges Schicksal, ich sehe mit Weh- muih zurück in die verflossene Zeiten meines Lebens und wünsche die in der Knechtschaft der Sinnen und Einbildung verschwendete Stunden wieder erkaufen zu können. Mein Wunsch ist vergeblich , die Folgen meiner thö- rigten Vergehungen begleiten mich auf allen meinen Tritten. Die unan­genehmen Empfindungendes Uebelö, das ich mir zuzvg, und die Vorwür­fe meines Gewissens machen mich behutsam. In meiner Seele geht ein helleres Licht auf, das einen Einflus auf mein Herz hat. Das reifere Al­ter, die vierjährige Erfahrung und die stille Betrachtung, die ich über mei­nen vergangenen , gegenwärtigen und zukünftigen Zustand anstelle, erhö­het meine Einsichten und erteilet ihnen einen grösern Grad der Lebhaftig­keit. Diese lebhafte Einsichten, die durch die heftige Bewegungen eines wal­lenden Blutes nicht mehr so oft verdunkelt werdenhaben einen thätigen Einfius auf die Entschliesungen meines Willens; daß ich anfange dem- Hern Licht, welches sich über meinen Verstand ausvreftet, in meinem Wandel zu folgen, das Gute mit seinen beglückenden Folgen zu wählen, und das Böse mit seinen nachtheiligen Wirkungen zu fliehen. - Ist aber dieses Freiheit/ so lehret mich meine eigne Empfindung, daß der Trieb

Bb b r nach