Ausgabe 
22.11.1774
 
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372 Wochenblatt-

Der Charakter der Chineser ist sehr ernsthaft. Sie erweisen sich un­ter einander w Umgang viele Höflichketten- die gemeiniglich mir übertrie­benen Cerimonien begleitet werden. - In der Art zu grüßen, haben sie ei­ne sonderbare Gewohnheit. Sie legen nämlich die Hände kreuzweise über Vie Brust und neigen sich ein wenig mit dem Kopfe. Dich sind die ge. wöhnlichen Begrüßungen. Allein, wenn man vornehmen Personen fei­nen Gruß abstattet; so pflegt man die Hände zusammen zu legen und sich mit Dem ganzen Körper bis auf die Erde zu beugen. Grüßt man aber ei­nen Mandarinen, so fällt man auf den Knien und beugt seine Stirne bis zur Erde. (Man sieht es als etwas Unhöfliches an, wenn, man obrig­keitliche Personen öffentlich grüßt.)

Bey 2lbstattung eines Besuchs tragen die Chineser mit wenigen Worten die Absicht ihres Besuchs vor, und machen dabey durch Bewe­gungen des Leibes viele Komplimente. Sie begegnen sich einander mit un­gemein großer Ehrerbietigkeit, und reden nie anders, als in der dritten Person. Die erste und gewöhnliche Bewirthung eines Gastes geschieht mit dem Thee, weil er Vas gewöhnlichste Getränke bey den Chinefern ist. BeyUe- berreichung einer jeden Tasse Thee werden unsägliche Höflichkeitsbezeugun- gen und Danksagungskomplimente gemacht. Ja, man treibt diese Kom- plimentensucht bey den Chinesern so weit, daß nunmehr ein eigentliches Studium daraus geworden ist. - Dem Ausländer verzeiht man es eini­germaßen, wenn er die gebräuchlichen Komplimente noch nicht recht ver­steht. Besser aber ksmt er fort, wenn er es darinn zur Fertigkeit gebracht hat. Die Abgesandten von ftemden Höfen werden eine geraume Zeit vor­her, ehe sie erscheinen dürfen, durch einen Cerimonienmeister in den gewöhn­lichen Formalitäten unterrichtet. Wenn nun der Abgesandte in seinen Kom­plimenten Fehler macht; so werden diese auf die Rechnung deS Lehrmeisters geschrieben, und er wird dafür gesetzmäßig gestraft.

In einem Lande, das so ungeheuer groß, wie China ist, müssen natürlicherweise die Gestalten, Gesichtsbildung und Gesichtsfarbe sehr von einander verschieden seyn. Die mitternächtlichen Einwohner kann man we­gen der Farbe im Gesichte von einem Europäer gar nicht unterscheiden; hingegen sind die mittägigen Einwohner von der Hitze der Sonne sehr ver­brannt, daß sie wie die Tangierinen und Maroccos in Africa schwarz md braun auösehen. Die Mannspersonen sind fast durchgängig dick und starck,