Ausgabe 
22.11.1774
 
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Wochenblatt. |7t

Gegenwart. Der Leichnam des Verstorbenen wird in einen mit weissem Das mast - eine Farbe, welche sich die Chineser bey ihrer Trauer bedienen - gezierten Sarg gelegt. (Diesen Sarg lassen sich die Chineser noch gemei­niglich bey ihren Lebzeiten machen; es ist ohngefahr einen halben Fuß dicke. Zu einigen Sargen pflegt man auch kostbares Holz zu nehmen. Sie wer­den so starck verpicht und überstrichen, daß kein übler Geruch durchdringe« kann.) Der Körper des Verstorbenen wird alsdann gewaschen , präch­tig angekleidet, und auf ein Paradebette gestellt, vor welchem die Freunde und Anverwandten kniend niederfallen. Wenn der Verstorbene begraben wird; so begleiten ihn die Anverwandten. Auf diese folgen die Bonzen. Der Begräbnißort ist 2. bis 3. Meilen von der Stadt auf einer Anhöhe die mit Cypreffen u. f. w. und einer Mauer umgeben ist. Die Gräber sind ungemein groß und kleinen Häusern ähnlich. Die der. Reichen sind präch­tig gebauet, ohngefahr 12. Fuß hoch und acht bis zehn im Diameker. Ne­ben denselben befindet sich gewöhnlich ein großer Tisch von weissem Mar­mor , auf welchem ein Rauchfaß und dergl. steht. Dieser Tisch ist, mit allerhand Schnitzwerken versehen. Die Graber des gemeinen Mannes sind weniger kostbar. Sie errichten über demselben eine Pyramide von Erve. Jeder tobte Körper hat sein eigen Grab, und man würde es für eine un­erhörte Grausamkeit halten, wenn man ihn in ein Grab legte, worinn schon andre begraben gewesen wären. Daher kommt es auch, daß sie die Sarge so stark machen, daß sie nicht verfaulen können. - Wenn der Leich, nahm an dem Vegräbnißort angelangt ist: so beschaftigtmansich,während der Leichencerimonien, mit Zubereitung eines Gastmalö für die anwesen­den Freunde. Diese Gastmähle pflegen gemeiniglich in besonder» dazu gebaue- ten Häusern, gefeiert zu werden. Die Großen haben verschiedene solcher Säle aufgerichtet und halten sich bey den Begräbnißplätzen einige Monathe auf, um ihre Trauercerimonien bequemer verrichten zu können. - Bey den Be­gräbnissen der Chineser ist dieses auch noch merkwürdig, daß sie den Leich­nam nicht aus der gewöhnlichen Hauskhür tragen lassen , sondern sie las­sen zu dieser Absicht an einem andern Orte, wo sonst keine Thür gewesen ist, eine neue machen. Wenn nun der todte Körper aus dem Hause getragen ist; so schließen sie diese Thür wieder zu. - Wenn der Kaiser stirbt so trau­ert daS ganze Reich. Wie die Mutter des Kaisers Kang - hi starb, wurde die Trauer auf fünfzig Jahr auf daS strengste beobachtet. Alle Staats­angelegenheiten blieben während dieser Zeit liegen. Die Prinzen schliefen im PaUaste ohne ihre Kleider anzuziehen.

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