Ausgabe 
22.11.1774
 
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Wochenblatt.

«Hein die Thür auf und besieht zum erstenmahl seine Frau. Wenn fit ihm nun gefällt, so führt er sie aus dem Sessel heraus uno danket dem Tven (Himmel) für das Glück. Hernach geht er zu den Aellkn der Braut und macht ihnen vier tiefe Verbeugungen- Eben dieses beobachtet die Braut Wen die Aelkern des Bräutigams. Die Hochzeit dauert nach den! Um* standen der Personen lange. Ist die Hochzeit vorbey, so wird die «rau eingeschloffen, und bekommt niemand aiö, aber nur selten ihren Mann i« sprechen. 1 ; 1,1

Die Chmeser haben die Verordnung gemacht, daß jeder nicht mehr als ein Weib nehmen soll. Dabey aber können sie sich so viel Devicblä- fermnen halten, wie sie wollen. Allein da« rechtmäßige Weib behalt im­mer den Vorzug vor den Unrechtmäßigen, und diese müssen es sich getal- len assen, von jener regiert zu werden. Die Kinder, welche mit den KebS- weibern erzeugt werden, haben gleiches Recht zu erben. Indessen bleibt dei verheyrakhete Stand der Frauenspersonen allemal ein trauriger Stand Sie werden von ihren Männern, als Sklavinnen behandelt, und können wohl gar in gewissen Fallen samt ihren Kindern verkauft werden. Der Wittwenstand der Frauenspersonen ist ebensfall« beschwerlich. Sie müs. fei, m»k nur -ine lange Trauer beobachten , sondern auch ein höchst einge­schränktes Leben fuhren. - Die Chinesischen Weiber sind fast durchgängig schon , munter und verliebt, und beschäftigen sich mit weiter nichts - als mit ihren Kindern.

Die Trauer und das Leichmbegängmß der Chineser ist gleichfalls mit vielen und besondern Cerimonien verbunden Sie haben eine ausser­ordentliche Hochachtung gegen ihre verstorbenen Freunde. Man trauert dre» Jahre um einen Vater und Mutter. Die Kinder tragen in dem ersten Trauerjahre einen weißen Rock von grober Leinwand und stakt des Gür. tels einen Strick. Völlige hundert Tage muß bas Kind auf bloßen Mat­ten neben dem Sarge,feines Vaters schlafen. Sie dürfen kein Fleisch essen, und muffen sich aller starken Getränke enthalten. Das ganze Jabr hin. dm» müssen sie ganz in der Einsamkeit leben und sich allen Umgangs ent# Hulken. Man glaubt sogar, daß sie allen Umgang mit ihren Weibern und Konkubinen bey harter Strafe von beyden Seiten fliehen müssen.

, Das Leichenbegängnis der Großen wird mit vieler Pracht begleitet Dielen Aufzug zieren die theuren Bonzen und noch andre Priester mit ihrer

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