zos Wochenblatt.
'' i. Von der Aufführung des Morgens, ^mnk
Ich finde es sehr billig # daß man des> Morgens ein kurzes Gebet herlie- set. Nicht eben, weil ich glaube, daß es nothwendig wäre, Gott für , seine beschützende Gnade zu danken, und sich seinen besten Führungen ferner zu empfehlen (dieß ist die Sprache meines Predigers) sondern, weites doch einmal so in der gesitteten Welt eingeführt ist. Ich pflege deswe-. gen auch meinen Kindern ein Kapitel aus der Bibel lesen zu lassen. Mein Geistlicher kann ihnen itzt immer sagen, was er will; wenn sie größer sind, mögen sie thun, was sie wollen. Nichts aber ist mir .lächerlicher, als wenn ich zu meinem alten Vetter komme. Der sezt sich mit seinen Kindern und seinem ganzen Hausgesinde hin, singt ein Lied , spricht selbst ein kurzes Gebet, erkheil't einige pietistische Ermahnungen und thut, als wenn er noch zum Schulmeister gienge. Er sagt: daß ihm viel daran gelegen wäre, in seinem Haufe Christen zu Haden. Alsdenn hatte er auch Segen.
Es ist sonst ein ehrlicher Mann, und darum muss man ihm solch Gewäsche zu gut halten. Kurz: eS schickt sich gar nicht für erwachsene $eute, sich mit solchen Kleinigkeiten abzugeben. Und wie unanständig ist es, wenn sich Leute von Ansehen, wie der Pöbel, auf die Knie werfen, eben als wenn Gott damit gedienet feyn könnte , daß man sich die Füße zu schänden knieet. In meiner Jugend hatte ich einen mürrischen Kerl, dessen Aussicht ich anvertrauet war, Der behauptete, idaß .dieses ein Zei-> chen unserer Ehrfurcht und Demüthigung sch, und daß es ungemein lehrreich wäre, wenn die Großen dadurch die Geringern zu einer gleichen Demüthigung vor Gott aufzumuntern suchten. Aber, wie ich sage, eS wav em närrischer Mensch. - -
Wenn ich aufstehe pflege ich zuerst für Koffee und Tobak zu sorgen. Ich pftiffe mir etwas, spiele mit meinen Jagdhunden oder lese auch wohl, zum Zeitvertreib, ein Buch.
Mein Frauenzimmer puzt sich und ich ziehe mich auch an. Es wird Mittag. Denn der Vormittag ist mir sehr kurz, weil ich spat aufstehe; DaS frühe Ausstehen gehöret nur für gemeine Leute. - ’
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