Ausgabe 
8.2.1774
 
Einzelbild herunterladen

44 Wochenblatt.

Doch wie wollen uns von diesem schrecklichen Anblick entfernen! Die schönste Pflicht, die wir ihm erweisen können, ist; zu besorgen, daß der Unglückliche, wer er auch sey, schicklich begraben werde Sie wand­te sich um, als eine Welle den Leichnam ans Ufer warf. Ihre Freundin rief gleich aus: O mein Vetter! und fiel auf die Erde. Die unglückli­che Lucmde kam ihr zu Hülfe, als sie ihren Lleanch vor ihren Füssen sah. Ohnmächtig fiel sie auf seinen Leichnam.

Eme alte Betagte, die seine Amme gewesen war, gieng heraus um die Frauenzimmer zum Nachtessen zu rufen und fand ihr Kind , ( denn so nennte sie ihn immer) tod am Ufer und seine Gemahlin und ihre Freun­din neben ihm liegen. Ihr lautes Weheklagen und Aufrufen ihrer Ge- bieterinn bracht, die Freundinn wieder von ihrer Ohnmacht zurück; allem Lucmde war nicht mehr zu erwecken.

Als die Familie und Nachbarschaft sich um die Leichname herum ver? sammelten, so erkundigte sich niemand tun eine nähere Nachricht dieser trauervollen Begebenheit, denn die da liegende Gegenstände belehrten fie die ganze Geschichte. '

Gellere.

Beweint, ihr mitleidsvollen Seelen,

Die traurigste Begebenheit,

Elend gewordner Zärtlichkeit,

Und schmeckt das Glück, um andre sich zu quälen.

Laßt uns die Unschuld oft im grösten Unglück sehen

Und Leidet mit bey fremden Schmerzen;

Dis Mitleid heiligt unsre Herzen,

Und Heist die Menschenlied' in uns ihr Haupt erhöhn;

Die Tugend bleibt uns noch im Unglück selber schön.

Er.

Doris im Garten.

Wenn Doris sich im Garten zeigt, Singt Philomele, Zephyr schweigt!

Wenn sie an ihrem Blumenbeet Gedankenvoll spatzieren geht,

Stehn