Wochenblatt- 4z
Geschäften seine Abreise noch einige Zeit aufschieben müßte: Dis that er in der Absicht, um sich das Vergnügen einer unerwarteten Ankunft zu verschaffen.
Seine Geliebte pflegte sich am kühlen Abend, am Ufer des Meers, von welchem ihre Wohnung, in der sie mit ihrer vertrauten Freundin und Verwandtin ihres ManneS lebte, nicht gar weit entfernt war, spa- zieren zu gehen. Hier ergötzten sie sich entweder mit Gegenständen, die sie antrafen, oder mit Unterredungen über die Einrichtung ihrer künftigen Lebensart durch eine glückliche Veränderung ihrer Umstande.
An einem Abend stunden sie zufrieden beisammen am Ufer, bemerkten den Untergang der Sonne, die ruhige Stille, die auf dem Meer herrschte und die sanstschlagende Wellen, die gemächlich auf sie zurollten und von ihren Füssen verschwanden, als ihre Verwandtin in einiger Entfernung ein Brett aufdem Wasser erblickte, weiches sie für eine Küste hielt. O Freundin sagte sie lächelnd, wäre sie voll Juwelen , so hätte ich das nächste Recht darauf, denn ich sah sie zuerst. Beide richteten ihre Augen darauf und unterhielten sich darüber : XVen wohl das Unglück' troffen haben mochte diesen Schiffbruch zu leiden. Lucindens Freundin berief sich immer auf ihr Recht, versprach aber doch das Kind, mit dem sie damals schwanger gienge, mit einer kostbaren Perlenschnur zu beschenken, dafeme sie dessen Taufzeuge seyn dürfte.
Aber wie bald verschwand ihre Freude, da sie bey der Herannahung sahen , daß es ein menschlicher Körper sey. Lucinde/ die von Natur ein gefühlvolles und mitleidiges Herz besaß, machte bey dieser Gelegenheit al- lcrley melancholische Betrachtungen. Vielleicht, sagtesie, ist dieserMann die einzige Hofnung und der Erbe eines reichen Hauses, der Liebling zärtlicher Eltern , welche nun von Freuden trunken sich mit den Gedanken schmeicheln, ihn mit einer Braut zu vermählen , die sie ihm bereits be- ffmmt haben? Vielleicht ist er die Stütze einer Familie, die allein von seinem Leben abhangt? Vielleicht werden durch ihn eine Menge Kinder des geliebtesten Vaters beraubt, oder eine zärtliche Gemahlinn muß in ihm denjenigen beweinen, durch dessen Tod sie der Armuth unterworfen wird?
Doch
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