Wochenblatt.
immer zugleich aus dem Stegreiffe zu ergreiffen. Wir müssen uns daher gleich den vorsichtigen Schiffern mit allem Zubehör zu einer Reise ausrüsten, die nicht nur lang, sondern auch tausend unvermukheten Abwechselungen unterworfen ist. Wir müssen einen Schatz von edlen und gewissen Grundsätzen samlen, die wir so deutlich, überzeugend , lebendig und zusammenhängend durch gedacht haben, daß sie hernach in allen plötzlichen Verwirrungen der Zufälle und Gemüthsbewegungen Stich halten, und zu allen unfern geschwindesten Entschließungen gleichsam längst fertige Obersätze abgeben. Dies sind, so zu reden, die Nerven des männlichen Ge- muthS; und auf ihnen beruht die (o belobte Gegenwart des Geistes, wenn sie ächt, und kein Werck der Trägheit und Unempfindlichkeit ist; denn eS giebt allerdings Leute, die deswegen immer bei) sich selber sind # weil sie sich niemahls weit mit ihren Gedancken verlausten, und selten durch etwas gerührt werden. Große Seelen erwerben sich diese Eigenschaft durch Nachdenken und Vorhersehung, für die schlechtere Welt aber reicht kaum eine lange und vielfältige Erfahrung hin. Die sicherste Probe eines gesetzten Wesens läßt sich in plötzlichen , und uns selbst betreffenden Zufällen machen; wir haben dieser Tugend aber um so viel nöthiger, je schneller und lebhafter wir sind.
Ich habe meinen Lesern jezt Betrachtungen mitgetheikt die neulich unsere Gesellschaft nicht ohne Nutzen unterhalten haben. Es war im ver- wichenen Erndtenmond, als ich mich nebst meinem Freunde dem Gorees- gelehrten/ dem Narurkündrger, dem guten Christian Redlich»/ der, seit dem er an uns geschrieben hat, gute Freundschaft mit uns Hält, hem Herrn Erastes der uns zuweilen besucht, und dem wackeren pole, mon einem alten Kriegsbedienten , der vordem mit dem Geistlichen im Kriege gewesen war, auf einem weiten Spatzicrqanae im freyen Felde befand. W<r waren kaum ausgegangen, als Erastes schon einige Wetterwolken zu erblicken glaubte, die er uns oftmahlS zu bemerken bat, wir aber über unseren mannigfaltigen Unterredungen eine Zeitlang aus der Acht liessen. Endlich als er gar zu sehr in-uns drang, eilten wir zwar zurück, mußten aber des Regens halber in einem Wäldgen untertreten, aiwo unS würcklich ein sehr starkes Donnerwetter ereilte. Schon bey dem dunkUen entfernten Getöse bemerkte ich, daß Erastes allmählich dem Geistlichen naher zu kommen suchte, bey dem ersten lauten Schlaae aber faßte er Den» selben gar mit einer plötzlichen Vertraulichkeit unter dem Arm- Der from
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