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Welche Mikkel um, nun diesen Uebel einer fchfechken Verziehung ab- zuhelfen? in großen Städten werden sehr viele Kosten auf die Erziehung der Kinder verwendet. Die6 läßt sich aber in klemm Skalen nicht so gerade thun. Man kann aber auch mit mittelmasigen Kosten Kinder sehr gut erziehen ; nur muß man sich nicht befleißigen, das Wohiftilste in Erziehung seiner Kinder aufzusuchen, oder noch vielweniqer die Erziehung blos m Erlernung des Lateinilchen und des Christenthums sitzen. Die Seele des Kindes zu bilden, so wie auch seine Sitten muß die fürsiehmste Sorge der Eltern seyn. Es kann auch dieses niemand besser lhun, als die Eitern selbst, die ihre Kinder stets um sich, und zu diesen bcyden Stücken die beste Gelegenheit haben.
Ich müßte mich sehr irrest, wenn nicht viele in den Wahn stehen sollten, daß der Sohn, der nicht studieren wolle, auch sonst keine Sorgfalt in der Erziehung und der Bildung seiner Seelenkräfte und Sitten nö- thig habe. In der That ein trauriger Wahn! Warum soll denn ein Studierter nur das Vorrecht Haden, ein gescherder und wohlgesitteter Mensch zu seyn! Ist denn nicht ein guter Verstand und gute Sitteii für alle übrige Lebensarten, die sich nicht auf die Studierstuben einschränken, weitnö- thiger ? ist nicht der Haufe derer, die nicht Studierte sind, in einem Staate der.grölte ? Ja! dies ist in kleinen Städten eines der schädlichsten Vor- urtheile, das eine gute Erziehung gar nicht aufkommen läßt. Wieder ein anders, bas darinnen bestehet, daß man glaubet, wenn man seinen Sohn nur in den Schulwissenschaften gut unterrichten lasse, oder nur Überhaupt zum Sitzen und Arbeiten gewöhne, so sey man mit der ganzen Erziehung fertig, hindert'die Erziehung zur Tugend und guten Sitten, worinnen eigentlich" eine gute Erziehung bestehet, gänzlich. Jenes istftey- lich nöthig, dies ist aber bas wichtigste, und muß vor allen zum Grund geleget werden. In tugendhaften und wohlgesitteten Bürgern bestehet die Glückseligkeit des Staats und der Gesellschaft. E«n solcher nun bey dem die Erziehung bloß in Sorgfalt für Fleiß und Geschicklichkeit bestanden, pfleget alsdenn sehr häufig, als ein Mann den Nutzen, dm er durch seine Geschicklichkeit und Gelehrsamkeit stiftet, durch seine schlechte Denkungsart und Mangel an geselligen Tugenden wieder gänzlich aufzuheben. Hat man ihn zur Tugend und guten Sitten in der Jugend zu bilden versäumet, so ijl er in der Gesellschaft ein ärgerlicher, anstößiger Mann.
Das fürnehmste also und wichtigste ist bey der Erziehung die Bildung des Herzens und der Sitten, just eben das, was gemeiniglich für
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