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Giesser Wochenblatt.

Nurn. 19.

Dienstags -en 7. May. 1771»

Die Erziehung der Jugend hat schon viel gewonnen , wenn man nur einmal von ihrer Wichtigkeit überzeugt ist. Das weiß man schon lang, wird man uns entgegen rufen, und es rst überflüssig, sich bey einer Wahr­heit aufzuhalten, die jedermann bekannt ist und niemand läugnct. - Vor- theilhasteres für die Erziehung und unsere Wochenschrift könnte man unS nichts sagen, als dieses, wenn wir uns sichrer darauf verlassen dürften. Allein, warum sieht eS dessen ohngeachtet in den meisten Häusern noch immer so gar schlecht mit der Kindcrzucht aus ? Warum wird sie noch von so vielen Eltern, wie eine Sache von der geringsten Bedeutung, be­handelt, und die Besorgung derselben fast allen andern Geschafften, oft so gar elenden Zeitverderbnissen nachgesetzt ? Warum hört man noch so manche Vater die sorglose Sprache führen: Ich habe mehr und wich- tigere Dinge zu thun, als mit meinen Kindern umzugehen ; sie haben ihr Essen, ihr Trinken, ihre Kleidung ; ich halte den Kleinern eine Wärterin, den Gröffern einens Informator, oder schicke sie in die Schu- le; das kostet mich mein Geld ; - kann ich mehr thun? - -Oder warum trift man so viele Mütter an, deren zärtliche Ohren das Ge­tümmel ihrer Kinder so wenig ausstehen können, daß sie denselben, soviel immer möglich ist, entfliehen; die zu stolz sind, als daß sie sich mit den Kleinen so viel abgeben mögen, oder von der Beschäftigung mit denselben einen Abbruch ihrer Besuche befürchten, die lieber ihre mütterliche Pflich­ten an andere Leute verdingen, und froh sind, daß es Schulen gibt, die ihnen die Last ihrer Kinder auf einige Stunden des Tags abnehmen möf> sen. - Warum finden sich so viele Hausväter, besonders aufdem Land, die sich mit . der Sorge für ihre Aecker, Wiesen und Weinberge unermü­det beschäftigen, ihre Kinder aber brach liegen lassen, bis sie fast keiner Bearbeitung mehr fähig sind; die nach ihrem Vieh auf das sorgfältigste sehen, es zu rechter Zeit ein-und austreiben , ihre Kinder aber auf den Gassen herum laufen, und unbesorgt, wie und wo sie ihre Zeit zubrin- gen, herum schwärmen lassen? - Diese so unlaugbare und für die Kinder­zucht so betrübte Beobachtungen, dergleichen wir noch viele anführen könn­ten , machen uns gegen das Vorgeben einer allgemeinen Ueberzeugung von