Einzelbild herunterladen

Wochenblatt. 13

wohl, daß er fn keiner von allen menschlichen Wissenschaften gänzlich ein Fremdling sey, sondern fit vielmehr alle wenigstens nach ihren Namen und Hauptgegenständen kenne; als wozu ihm unter andern ein neulich int Französischen herausgekommenes Buch, unter dem Titel r Les premiers Traits de V Erudition vniverfelle» gute Dienste leisten kann.

12) Jtzo sollen die höhern Wissenschaften erlernt werden. I« Deutschland kommt auf die Wahl der Universität gar vieles an. Was ist hiebeyzu überlegen? Folgende-: Wo find die besten und berühmtesten Proftffores in der Hauptwissenschaft, auf die man sich legen will? Wo ist die wenigste Gelegenheit zu Ausschweifungen, zur Verführung, zum Raufen, zum Müßiggänge, zu einer rohen und wilden Lebensart? Wo ist das für einen Gelehrten, für einen Schüler der Weisbeit so unschickli­che, so ungereimte Degentragen verboten ? Wo sind die mehresten Miß­brauche des akademischen Lebens abgeschaft? Wo herrschen die sanftesten Sitten und die feinste Lebensart? Wo kann man endlich um ein billiges leben?

. 13) Zwey biS drey Jahre müssen nothwendig dem Aufenthalte aus Universitäten gewidmet werden. Es ist nicht zu viel, alle nothwendige Tdeile einer jeden höhern Wissenschaft ein Paar mal durch zu hören. Jeder Studirender muß auch nothw-nvig ven ganzen Umfang der Philo­sophie wenigstens einmal durchgehen. Ich rathe ihm aber dadey, sich keinen gar zu großen Begriff von der systematischen Philosophie selbst zu machen, noch sie biS zur Grillenfängerey zu treiben. Die wahre Philo­sophie dient mehr, uns zu zeigen, wieviel noch in allen Stücken an un­srer Erkenntniß mangelt, als unS einen erhabnen Begriff von unsrer ver­meintlichen großen Erkenntniß und Einsicht der Dinge zu geben; und wehe, wehe dem Menschen, der immer DefinitioneS und Schlüsse macht l Es ist der nächste Weg sich zu betrügen und zu verirren. In gewissen Theilen der speculativen Philosophie wird der aufrichtigste Lehrer selbst ge­stehen, daß wir wenig oder nichts wissen und begreifen. Wer aber wird sich viel Mühe geben, wer wird den edelsten Theil seiner Lebenszeit damit zubringen, ein Ignorant zu werden?

14) Unendlich großer Fleis, wenig Versäumnis, nicht viel Zer­streuungen, und überhaupt eine vernünftige Lebensart, sind die Hauptstü­cke deS akademischen Lebens, wenn die dazu gewidmeten drey Jahre nicht

F * frucht-