wenn man endlich den Westabfall der Hochebene hinter sich hat, dann kann man von den Gipfeln des Felstales den ersten Blick auf die, Oase Siwa genießen. Auf allen Seiten von Höhenzügen umschlossen, stellt sich da der uralt heilige Bezirk des Zeus AAmmon dem Auge dar, in dessen Mitte sich der Doppelgipfel des Ddschebel el Hemmedat, die Hügel von Siwa und der schön geformte a Burgberg von Aghurmi erleben. Auf einer breiten, von den Kamelen ausgetretenen Landstraße geht dann der Weg zur Oase weiter; es erscheint das erste Palmengestrüpp inmitten großer Weideplätze mit Wüstenkräutern, auf denen Hunderte von Ka⸗ . melen ihr Futter suchen, und nun endlich beginnt das Fruchtland deer eigentlichen Oase, die Palmen wachsen zu Gärten und Hainen ziusammen, die von fließenden Bächen bewässert werden, der malerische 5010 von Aghurmi rückt näher; endlich liegt Siwa, die Doppelhügelstadt mit ihren malerisch aufgebauten Hiäusern vor dem Auge des Reisenden. Der westliche ihrer beiden Hügel ist nur bis zu halber Höhe von Wohnungen besetzt, 8 1 auf dem Osthügel die festungsähnlichen Häuser in Ter⸗ rassen sich bis zum Gipfel aufbauen. Zwischen den Hügeln aber ragt das schornsteinförmige, nach oben etwas dünner werdende Minarett einer Moschee empor. Ostwärts und westwärts schweift der Blick über Palmenwälder zu Bergen und Höhenzügen; be⸗ sonders merkwürdig unter den letzteren ist der spitze, ganz von Grabhöhlen durchlöcherte Kegel des„Berges der Einbalsamierten“. Noch malerischer als die Hauptstadt Siwa selbst liegt das Dorf Aghurmi, das auf einem freistehenden, steil in die Ebene ab⸗ fallenden Kalksteinhügel erbaut ist; unmittelbar über den fast senkrechten Felswänden streben die aus Lehm erbauten Mauern der Häuser in die Höhe. Der alte Haupttempel des Ortes, dessen ägyptischer Stil sogleich zu erkennen ist, ist jetzt ganz und gar in moderne Gehöfte eingebaut; neben einem Hammelstall entdeckte Steindorf ein geräumiges altes Gemach, das ganz mit ägyptischen Reliefs und Hieroglyphen bedeckt war. Etwas jünger, als der Tempel von Aghurmi ist das ungefähr 10 Minuten vom Dorfe entfernte große ägyptische Heiligtum, das den Darstellungen zu⸗ folge dem widderköpfigen Ammon geweiht war. Es liegt heute arg in Trümmern, hat jedoch durch seine religiösen Texte und Bilderreihen noch immer Anspruch auf das größte Interesse. Neben diesen beiden Heiligtümern fesseln besonders die beiden, großen Gräberberge der Oase die Aufmerksamkeit; besonders der „Berg des Todes“, ein etwa einen Kilometer nördlich von Siwa in einer Höhe von ungefähr 70 Metern mitten aus der Ebene aufragender Kalksteinhügel, ist vom Fuße bis zum Gipfel so von
* durchbohrt, daß er einer Honigwabe nicht unähnlich ie ö
Bermischtes.
* Das Begräbnis eines kleinen Helden. Uns wird geschrieben: Ein kleiner Carnegie⸗Held wurde jüngst n Kopenhagen begraben. Es war ein siebenjähriger Knabe aus em Armenviertel, der auf Kosten des Carnegiefonds beerdigt wurde. Er hatte vor wenigen Tagen zwei kleine Kinder vor dem Ueberfahren durch die elektrische Bahn gerettet, war aber selber dabei tödlich verletzt worden. Der König und die Königin, Prinz Waldemar, der Carnegiefonds u. a. m. hatten Kränze ge⸗ fsandt. Hinter dem Sarge gingen weinend die beiden Kinder, die der kleine Held gerettet hatte, und ein langes Gefolge von Menschen der verschiedensten Stände. Man will dem Kleinen einen Denk- stein auf dem Grabe errichten. Ein Taubstummenbataillon in England. Wie 55„Paris⸗Midi“ mitteilt, gebührt der rekrutenhungrigen Heeres itung Großbritanniens der Ruhm, die neueste Kriegserscheinung
gezeitigt zu haben. In der Nähe von London wurde ein Bataillon gebildet, das ausschließlich aus taubstummen Männern besteht.
Die taubstummen Rekruten werden— wie die anderen Soldaten E im Exerzieren und Schießen gaibt. Ihr Instruktionsoffizier ist enfalls taubstumm. Die einzelnen Kommandos werden durch eichen in der Taubstummensprache erteilt. Auf die Frage, ob das Taubstummenbataillon an die Front gesandt werden wird, ist bisher noch keine entscheidende Antwort erfolgt. Aber der„Paris- idi“ meint, daß den Engländern alles zuzukrauen sei. Auf alle
Fälle jedoch empfehle es sich, bei Behandlung der schwierigen Pro⸗ bleme von Saloniki und Aegypten nicht allzu sehr auf das Ein- greifen dieses neuen Bataillons zu rechnen. g
* Die Vielweiberei der französischen Kolonial⸗ soldaten. Die Einziehung der schwarzen Soldaten, zu der die französische Militärverwaltung sich entschließen mußte, um die größten Lücken in ihren Armeen wenigstens einigermaßen aus⸗ zufüllen, hat bereits zu zahlreichen Mißständen und Nöten geführt, die kaum zur allseitigen Zufriedenheit gelöst werden können, Das letzte ‚schwarze“ Problem, das die Behörden Frankreichs beschäf⸗ tigte, betraf— wie im„Journal des Débats“ ausgeführt wird— die Frage der Versorgung der Negerfrauen, deren dunkle Gatten zum Schutze des heiligen Frankreich im Felde stehen. Einerseits konnte man nicht umhin, den Angehörigen der Negersoldaten Kriegs⸗ unterstützungen zu gewähren wie den weißen Franzosen, anderer- seits aber schien die für diese Unterstützungen erforderliche Summe ins Unermeßliche zu wachsen, da man nicht die Vielweiberei der Neger in Betracht gezogen hatte. Denn die dunklen Bewohner Afrikas gehen in ihrem Familiensinn so weit, daß sie sich nicht mit einer einzigen Frau begnügen, sondern auf diesem Gebiete einen wahren Sammlerfleiß an den Tag legen. Sollte man nun jeder dieser— leider gesetzlichen— Frauen die vorgesehene Kriegs- unterstützung auszahlen? Der Generalsekretär von Guinea äußerte sich dahin, daß die Polygamie in Afrika gestattet sei und darum jeder Frau die Kriegsunterstützung ausgezahlt werden müsse. Doch der Generalgouverneur von Französisch-Afrika erbarmte sich der bedrohten Staatskasse, indem er im„Journal officiel du Dahomey“ das folgende salomonische Urteil fällte:„Da die Frauen eines Negers in jeder Beziehung gemeinsam die Rechte und Pflichten einer einzigen Frau haben, da ihr Mann ihnen z. B. bei seinem Tode zusammen nicht mehr hinterlassen kann als ein Weißer in denselben Vermögensverhältnissen seiner einzigen Frau, haben sie zusammen auch nur dieselbe Kriegsunterstützung zu erhalten, die einer einzigen weißen Frau zukommt.“ Man kann sich denken, mit welcher Freude die französische Verwaltung sich diesem Urteil anschloß
* 5* 8 525 Leber- und Fleischwurst 1,30 Mk. das Pfund, r. das Pfund, Schweinefleisch 1,40 Mk. das Pfund. l 5 eh. Bingen, 29. Dez. Marktpreise. Kartoffeln das Pfund 4 Pfg.? Endivien das Stück 15—0 Pfg., Rotkraut das Stück 45—00 Pfg., Weißkraut das Stück 25—00 Pfg., Wirsing das Stück
20— 00 Pfg., Blumenkohl das Stück 6000 Pfg., Kohlrabi d. St. 5 Pfg.,
Karotten das Piund 12 Pfg., Lauch das Stück 5 Pfg., Sellerie das Stück 10-00 Pfg., Zwiebeln das Pfund 20 Pfg., Birnen das Pfund 12 Pfg., Aepfel das Pfund 12 Pfg., Butter das Pfund Mk. 2,11, Käse, weich, das Pfund 20 Pfg., Handkäse das Stück 18 Pfg., Eier das Stück 22 Pfg., Tomaten das Pfund 20 Pfg. fe. Wiesbaden, 29. Dezbr. Viehmarkt. Auftrieb: 210 Rinder(darunter 36 Ochsen, 13 Bullen, 161 Kühe), 288 Kälber, 48 Schafe, 170 Schweine. Die Preise, besonders für Großvieh, zogen gegen die vom letzten Hauptmarkt etwas an. Bei lebhaftem Handel fand der Auftrieb schnellen Absatz. ————— 2— 2 5— Wirchliche Nachrichten. Israelltische Religionsgemeinde. f Gottesdienst in der Synagoge(Süd⸗Anlage), Samstag, den 1. Januar 19186: Vorabend: 4.30 Uhr. Morgens: 9.00 Uhr. Nachmittags: 3.30 Uhr. Sabbataus gang: 5.25 Uhr.
— N Israelitische Religionsgesellschaft. Gottesdienst. 5 Sabbatfeier am 1. Januar 19186: Freitag abend 4.10 Uhr. Samstag vormittag 8.30 Uhr. Predigt. Samstag nachmittag 3.30 Uhr. Sabbatausgang 5.25 Uhr. Wochengottesd ienst morgens 7.05, abends 4.00 vryr.
3
Büchertisch.
— Der kürkische Sieg auf Gallipoli hat die Augen der ganzen Welt wieder auf unsere osmanischen Verbündeten ge⸗ lenkt. Welche Ruhmestat das türkische Heer unter deutscher Füh⸗ rung an jener gefährdeten Stelle schon vollbracht hat, erkennen wir aus einem reich illustrierten Artikel„Im Kampf um die Dar⸗ danellen“, der in der Kriegsnummer 73(Nr. 3782) der Leip⸗ ziger„Illustrierten Zeitung“(Verlag J. J. Weber) enthalten ist. Der Verfasser, der bekannte Reiseschriftsteller Rudolf Zabel, hat 1915 die Kämpfe an den Dardanellen miterlebt. Im übrigen trägt die Nummer dem Weihnachtstage, an dem ihre Aus⸗ gabe erfolgt, entsprechend Rechnung. ö
Märkte.
Gießen, 30. Dez. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter das Pfund 1,90—0,00 Mk.; Hühner- eier das Stück 25—26 Pfg.; Käse das Stck 8—10 Pfg., Käsematte 1 Stück 3 Pig.; Tauben das Paar 1,40- 0,00 Mk., Hühner das Stück 2,00—2,50 Mk., Hahnen 1,50— 2,50 Mk., Gänse d. Pfd. 1,60 1,70 Mk., Ochsenfleisch das Pfund 1,20— 1,24 Mk., Kuhfleisch 1.10 Mk. das Pfund, Rindfleisch das Pfund 1,20 1,24 Mk., Schweinefleisch das Pfund 1,50- 0,0 Mk., Kalbfleisch das Pfund 1,20— 1,24 Mk., Hammelfleisch das Pfund 1,00—1,16 Mk.; Kartoffeln der Zentner 3,75 Mk.; Zwiebeln der Zentner 25—00 Mk.; Milch das Liter 26 Pfg.; Aepfel der Zentner 6—8 Mk., Birnen 7—15 Pfg. das Pfund; Nüsse 100 Stück 50—60 Pfg.: Spinat 20—25 Pfg. das Pfund, Wirsing 10-15 Pfg. das Stück, Gelberüben 10—12 Pig. das Pfund, Rotkraut 15—25 Pfg. das Stück, Rosenkohl 20 bis 25 Pfg. das Pfd., Kohlrabi 6—8 Pfg. das Stück, Weißkraut 15 bis 25 Pfg. das Stück, Roterüben 7—8 Pfg., Römischkohl 68 Pfg., Blumenkohl 20—50 Pfg.; Tomaten das Pfund 25- 30 Pfg.; Sellerie 6—10 Pfg. das Stück; Endivien 1012 Pfg. Marktzeit von 8 bis 2 Uhr.— Fleischpreise auf dem Markte von answärtigen Händlern: Rindfleisch das Pfund 1,10 0,4 Mk., Rindfleisch⸗
Bratenstück das Pfund 1,10—0,00 Mk., Nierenfett das Pid 1,10 Mk.,
Vriefkasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberüasichtigt.)
Franlfurt. Landsturmdienstfähigkeit. Erkrankung des Nerven⸗ systems(auch geistige Beschränktheit). 6 Offenbach. Landsturmdienstsähigkeit. Chronisches Nervenleiden.
Meteorologische Beobachtungen der Station Gleßen.
2 33 2 —— 2 0— E Dez. 88.8 8 83 4——— 82 2 5 2 3 s SS SS Wetter 5 SS 3 3 8 S 8 58888 J 5 4 S 8 F P2 29. 2— 5,4 6,2 93— 10 Bed. Himmel 29.95— 3,9 5,7 94„ 3 0 60. 75— 5,8 65 87—— 10 7 1 Höchste Temperatur am 28. bis 29. Dez. 1915 5,7 0 Niedrigste„„..„ 1,6˙ C Niederschlag: 1,0 mm. ö ———— XVIII. Armeekorps f ö 15
Stellvertretendes Generalkommando Abt. III b. Tgb.⸗Nr. 27 160/12 642. Frankfurt a. M., den 23. Dezember 1915. Verordnung. i Auf Grund des§ 9b des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 verbiete ich den Verkauf und das Abbrennen jeglicher Art von Feuerwerkskörpern. Der kommandierende General: Freiherr von Gall, General der Infanterie.
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