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giermal wöchentlich Gießener Familienblätter; zwennal wöchentl. Kreis⸗ 5 Rlatt für den Kreis teßen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Seitfragen Fernsprech- Anschlüsse: für die Schristleitung 112 Verlag, Geschäftsstelleö l Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher.
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Russische Durchbruc
TB.) Großes Hauptquartier, 28. Dezember.
(Amtlich.)
0 Westlicher Kriegsschauplatz. 5 Diurch das Feuer eines feindlichen Monitors wurden in Westende⸗Bad drei Einwohner, darunter zwei Frauen, getö tet. 3
0 An der Front entwickelten sich zeitweise lebhafte Ar⸗ tillerie⸗, Handgranaten⸗ und Minenkämpfe. 1
8 Am Hirzstein erfolgte heute früh ein franzö sischer Vorstoß; nähere Meldungen liegen noch nicht vor.
Reger Zugverkehr auf dem Bahnhof Soissons wird
von unserer Artillerie beschossen. Die Franzosen haben seit kurzem das in unmittelbarer Nähe de. Bahnhofs liegende
Hospital, anscheinend zum Schutze des Bahnhofs, mit Rote⸗ Kreuz⸗Flaggen versehen. Zufallstreffer in das Hospital sind bei der Nähe desselben zum Bahnhof nicht ausgeschlossen.
5 Oestlicher Kriegsschauplatz.
An der Beresing, sowie nordwestlich von Czartoryek und Berestianh wurden russische Erkundungsabteilungen abgewiesen. 5
Balkan⸗Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Oberste Heeresleitung. 1 1*** W
Zar Ferdinand hat, wohl in Erwägung des welt⸗ geschichtlichen Moments, selbst die e e ee enom⸗ men, die erwählten Vertreter seines Volkes zu ihrer Kriegs⸗ tagung willkommen zu heißen und in stolzen, markigen Worten eine Rückschau auf das bisher an der Seite der Zentralmächte Geleistete und einen Ausblick in die Zukunft zu tun. Bei dieser Gelegenheit sind ihm von dem nicht leicht aus sich herausgehenden Volke mit 7 5 7 7 der Opposition lebhafte Huldigungen bereitet worden, die denen, die ähn⸗ lich wie vom deutschen Reichstag nun auch von der bul⸗ arischen Volksvertretung des Schauspiel innerer Gegen⸗ fäßlichteiten erwarteten, böse in den Ohren klingen werden. Der Jubel, der dem Könige entgegen te, darf als Aus⸗ druck der einmütig gewordenen Heeren gung gewertet wer⸗ den, daß die feste Hand des Staatsoberhauptes das auf⸗ strebende Land den rechten Weg geführt hat, als es galt, bender den Einfküsteeungen und gelbenen verheifnsen Entente und dem Anschluß an deren Gegner zu wählen. Die zielstrebige, irrbare Politik des Königs und seines ersten Beraters, dem bei der Eröffnungsfeier von seinem Herrn der Ehrentitel„Vater des Vaterlandes“ gegönnt wurde, wird unter der Erfüllung der nationalen Wünsche das arbeitsame und kraftvolle Volk einem herrlichen Auf⸗ schwung entgegenführen. Wie klar man sich über die Aus⸗ sichten und Pflichten, die aus dem Bündnis mit Deutsch⸗ land und seinen erwachsen, ist, das gte nicht nur die vaterländische Begeisterung, die am ntag in Sofia den Zaren umbrauste, sondern auch die schon teil⸗ weise mitgeteilten Stimmen bulgarischer Blätter, die in ihrem Programm ein Wort f„das auch für uns so starken und stolzen Klang hat: Durchhalten! Solche Verbündete passen zu uns. 5 1 5 Es tut wohl, in solchen Augenblicken die Gegensätze festzuhalten, die aus der Vergleichung unserer eigenen Ver⸗ hälknisse mit denen des Gegners herausspringen. Während dort Volk und König dem ersten Staatsmann vertrauend die Hand reichen, kriselt es im englischen Kabinett stärker denn je. Diesmal geht es um Asquith selber.„Daily, Mail“ meldet, daß die Lage in der Regierung in höchstem Maße schwierig sei. Das Fiasko der Maßnahmen der eng⸗ lischen leitenden Persönlichkeiten ist eben gar zu offensichtlich, und die Gefahren, die an allen Ecken dem weiten Bau der englischen Weltherrschaft durch die schon zerschlagenen Fenster lauern, sind zu schwer, als daß sich die Oeffentlichkeit wie stets damit beruhigen könnte, es werde der jetzigen Regie⸗ ug schon noch gelingen. Daß es um Aegypten geht, wurde schon ausgeführt. Der Versuch, dies Land in Saloniki Ser an den Dardanellen zu schützen, kann mit Sicherheit schon heute als gescheitert bezeichnet werden. Die Lage im Orient spitzt sich immer weiter zu. Zu der Bedrohung Aegyp⸗ fens gefellt sich der siegreiche Vormarsch der Jrak⸗Armee, eren Erfolge sich bereits in Persien geltend zu machen be⸗ finnen. 1 0 Blätter betrachten bereits allen Ernstes die bei Kut⸗el⸗Amara stehenden türkischen Truppen, die offenbar große Verstärkungen erwarteten, als die Vorhut der deutschen Heere, die nach Indien unterwegs seien. Man sieht, was die Engländer den Deutschen alles zuzutrauen ge⸗ lernt haben. In Persien müsse, so schreibt„Morning Post“, den Deutschen das erste Hindernis entgegengestellt werden. Man bückt in England zitternd den Nacken, um dem „Stoß ins Genick“, der außer Gefecht setzen muß, zu entgehen; aber kommen wird der Stoß, die Faust ist an⸗ gesetzt, In dieser Lage ist die Volksstimmung begreiflich, die die Hüter ihres Wohls für 1 5 85 hält und die verant⸗ wortlichen Geister zum Hades schicken möchte Wie gesagt, solche und ähnliche Vergleiche sind erfris und zweck⸗ 8. Haben wir schon erreicht, daß im meerebeherrschen⸗ den England das Mehl teurer ist, als im„aus ungerten“ Deutschland, so werden wir die Gegensätze auch in anderen Punkten noch weiter zu unseren Gunsten verschieben können. Albion, dem Grey vor siebzehn Monaten in Aussicht stellte. eine Beteiligung am Kriege werde ihm nicht teurer als die Neutralität zu stehen kommen, bangt um den Suezkanal, zittert vor dem Verlust Indiens und mißtraut seinen Füh⸗ kern— wir und unsere Verbündeten die Sobranje erinnerte mit aufrechter Zuversicht daran) sehen überall da unsere Sonne aufgehen, wo der Stern der Gegner zu erblassen
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Geleral⸗Anzeiger für b
Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch⸗ und Steind
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Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht.
Wien, 28. Dez.(WT. Nichtamtlich.) Amtlich wird
verlautbart: 28. Dezember 1915 Russischer Kriegsschauplaßtz.
An der bessarabischen Front und an dem Dujestr nordöstlich von Zaleszezyki wurden gestern wieder⸗ holte Angriffe starker rufsischer Kräfteblutig abgewiesen. Befondere Anstrengungen richtete der Feind gegen den Abschnitt zwischen Pruth und Waldzone nörd⸗ lich Toporoutz. Nach Artillerievorbereitung, die den ganzen Vormittag anhielt und ssich stellenweise bis zum Trommelfeuer schwerer Kaliber steigerte, erfolgten in den ersten Nachmittagsstunden fünf In fanterieangriffe, die abgewiesen wurden. Ein anschließender Massen⸗ angriff, fünfzehn bis sechzehn dichte Reihen tief, brach im Artilleriefeuer unter schwersten Ver⸗ lusten zusamme ny. Das gleiche Schichsal hatten die feind⸗ lichen Angriffe nör lich des Du jest r. Unsere Verluste sind gering. Nachts über herrschte Ruhe.
Italienischer Kriegsschauplatz. An der Tiroler Süd⸗ und Südostfront dauern die Geschützkämpfe fort. Montenegrinischer Kriegsschauplatz.
Von unseren Kräften verfolgt, zogen sich die Monte⸗ negriner von Godijewo nach Bisoca zurück. Nächst Kovren wurden dreimontenegrinische Geschütze 9 Konstruktion von unseren Truppen ausge⸗ graben.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
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Der russische Angriff an der bessarabischen Grenze.
Czernowitz, 29. Dez. Der am Dienstag abend an⸗ gesetzte russische Angriff gegen unsere Stellungen an der bessarabischen Grenze dauert ungeschwächt fort. Bei ungeschwächt schwerem Geschützfeuer folgen Sturmangriff auf Sturmangriff, die unsere Truppen bisher mit beispiellosem Heldenmut abgewehrt haben. Seit 24 Stunden unterhält der Feind ein trommelfeuerähnliches Geschützfeuer, das in Czer⸗ nowitz sehr deutlich vernehmbar war. Trotz dem ungeheuren Aufwand an Munition und Menschenopfern ist dem Feinde bisher ein Durchbruch unserer Front nicht gelungen. Jedesmal, wenn die feindlichen Kolonnen stark geschwächt unsere Linien erreichen, werden sie bald wieder zum Rückzug gezwungen. Unsere Truppen wehrten bis Dienstag acht Sturmangriffe ab.
Eröffnung der bulgarischen Sobranje.
Sofia, 28. Dez. Die Sobranje wurde am Monta vormittag in dem überfüllten Saal vom Hönig feierlich eröffnet. Punkt ½11 Uhr betrat Ministerpräsident Rados⸗ lawow an der Spitze des Ministeriums den Saal, mit Hochrufen und Händeklatschen empfangen. Wenig später folgte 1 Ferdinand in Begleitung der Prinzen Boris und ministers. Stolz und aufrecht schritt der König durch den Saal, umbraust von dem Beifall der Anwese Rados⸗ lawow überreichte dann dem König den Text der Thron⸗ rede, die mit langanhaltendem Beifall aufgenommen wurde. Der König gedachte der vergeblichen Bemühungen seiner Regierung, die von Serbien den Bulgaren listig entrissenen Gebiete zurückzuerhalten. Weiter rühmt die Thronrede die glänzenden Taten der bulgarischen Armee, die im Verein mit den tapferen Verbündeten den Feind in wenigen als. Monaten aus jenen Gebieten gejagt habe, obwohl die Engländer und Franzosen sich dazu herab⸗
lassen haben, den serbischen Usurpatoren die Hände zu jeten. Die von der Türkei abgetretenen Gebiete bezeichnete der König als sicheres Pfand einer daueruden Freundschaft mit dem benachbarten Volk.
Lautlose Stille herrschte im Saal, als der König aus den Händen Dobrowitschs das weiße Manuskript der Thron⸗ rede entgegennahm Klar und deutlich klangen die Worte des Königs. Begeistert stimmten die Abgeordneten in das Schlußwort des Zaren ein: Es lebe Bulgarien, es lebe die bulgarische Armee. Dann stieg der König von der Estrade herunter und ging auf jenen Mann zu, der sein treuester Mitarbeiter an der erfolgverheißenden Politik gewesen ist, auf den Ministerpräsidenten Rado s lawo w. Lange drückte der König dem Ministerpräsidenten die Hand. Dann verließ er mit den Prinzen und seinem Gefolge unter stürmischem Jubel den Saal. Das perfsönliche Erscheinen des Königs in der Sobranje ist auch für die Abgeordneten eine Ueber⸗ raschung gewesen, da der König sich erst im Laufe des gestrigen Abends entschlossen hatte, die Thronrede vor den versammelten Vertretern des bulgarischen Volkes selbst zu verlesen. Der König äußerte sich über den begeisterten Emp⸗ fang, der ihm bereitet wurde, und in dessen Jubel auch die 1 Mitglieder der Opposition einstimmten, sehr be⸗ friedigt. Er dankte dem Mimisterpräsidenten und dabei sprach er ihn mit jenem Worte an, mit dem Bulgarien seit Jahren seinen Staatsmann mennt: Diedo(Vater)! Zu dem Finanz⸗ 1 9 75 Tontschew und dem Vizepräsidenten der Kammer, mit denen er nach seiner Ane mit dem Minister⸗ präsidenten sprach, sagte der König: Der heutige Tag ist ein Festtag für mich! An die Parlamente Deutschlands, Oesterreich⸗Ungarns und der Türkei hat die Sobranje Be⸗
rüßungstelegramme geschickt. Die Sobranje tritt beute nachmittag zu ihrer küchtzen Sitzung zuusammen.
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erhessen
ruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstr. 7. Beck, sämtlich in Gießen.
yrilk, des Hofmarschalls und des Kriegs- fehe dir
Mittwoch, 20. Dezember 1015
Bezugspreis: monatl. 85 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.50; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 75 Pf.; durch die Post Mk. 2.30 viertel; jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal! Fr. R. Zenz; für den Anzeigenteil: H.
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persuche vereitelt Die Sobranje.
Die Thronrede.
Sofia, 28. Dez.(WTB. Nichtamtli⸗ Die Thronrede des Zaren Ferdinand hat folgenden Wortlaut 1
„Meine Herren! Ich und meine Regierung haben nach Aus⸗ bruch des europäischen Krieges länger als ein Jahr unerhörte Anstrengungen gemacht, um eine Einigung mit, unserem serbischen Nachbar zu erzielen, damit er uns auf friedlichem Wege Gebiete, die er uns heimtückisch genommen, zurückerstatte. Diese Bemü⸗ hungen scheiterten an der unerschütterlichen Hart⸗ näckig keit Serbiens, das sich weigerte, uns Mazedonien zurückzugeben. Nachdem wir alle Mittel zur Erreichung dieses Zieles erschöpft hatten, war ich, um den Leiden unserer geknech⸗ teten Brüder ein Ende zu bereiten, gezwungen, unserer Armee den Befehl zu erteilen, in Serbien einzudringen, um unsere Brüder zu befreien und die Einheit unserer Nation herzustellen. Ich stelle mit Stolz fest, daß unsere Truppen sich mit unvergleich⸗ lichem Schwung und außerordentlicher Tapferkeit auf den Feind geworfen haben. Schulter an Schulter mit den braven ruhmgekrönten Truppen unserer Verbündeten, Deutschland und Oesterreich⸗Ungarn, kämpfend, schlugen sie in weni⸗ ger als zwei Monaten den hinterlistigen Feind vollständig und warfen ihn aus seinen Gebieten heraus. Sie haben N etwas noch ruhmvolleres getan. Die Truppen, die zwei große Mächte, England und Frankreich, zur Schande der Zivilisation und ihrer eigenen Länder gegen die gemarterte bulgarische Nation gesandt hatten, um die serbische Tyrannei über sie aufrecht zu er⸗ halten, sind aus Mazedonien verjagt; heute steht lein einziger Soldat auf dem unseren Helden und Märtyrern der Vergangenheit und ruhmreichen Gegenwart so teuren Boden.
Ruhm sei der siegreichan bulgarischen Armee, die durch ihre Tapferkeit, ihre Ausdauer und ihren Schwung unser Vaterland und unsere Waffen neuerdings berühmt gemacht hat. Sie hat sich die ewige Dankbarkeit ihrer befreiten Brüder erworben, und sie war glücklich, ihre Freude und Begeisterung zu teilen, als sich die unvergleichlich rührenden Szenen in den Städten abspielten, wohin sie die Freiheit gebracht, wo sie die Ketten der Sklaverei gesprengt hat. 3
Ich gedenke mit Ehrfurcht unferer auf dem N ge⸗ fallenen Helden, die mit ihrem Blute das nationale Ideal be⸗ siegelt haben.
Meine Herren! Meine Regierung wird Ihnen bloß ein Bud⸗ getprovisorium für die erste Hälfte von 1916 umterhreiten, sowie Kreditforderung en, welche notwendig sind für die Erforder⸗ nisse des Krieges, für die Erhaltung der Familien der ärmeren Soldaten, für die Aufrechterhaltung von mung und Verwal⸗
sern der Ma⸗ die gemäß dem Uebereinkommen türki Reiche an Bulgarien als Unter⸗ pfand dauernder Freundschaft und glücklicher Zusammenarbeit und prechend 6 Interessen der beiden Staa⸗ wird Ihrer Genehmigung licks sofort ausgearbeitet und an⸗ gesichts der d Armee, der Verteidi des Vaterlandes und guten Notwendigkeiten in Kraft gesetzt hat. Meine Ueberzeugt, daß Sie, durchdrungen von der ö gen Augenblicks und vom Vertrauen des wahren Patrioten im Laufe ihrer Tätigkeit die Einigkeit beweisen werden, deren das Vaterland jetzt mehr als je bedarf, rufe ich den göttlichen Segen auf Ihre Arbeit herab und erkläre die zweite ordentliche Sesston der siebenten bulgarischen National versamm⸗ 1 ir eröffnet. Es lebe die bulgarische Nation! Es lebe die tapfere bulgarische Armee!“
Deutschlands angebliche Kriegsziele.
Basel, 28. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Neue Zürcher Zeitung“ veröffentlicht einen Artikel„Friedens⸗ gedanken“, der sich mit 0 in unterrichteten deutschen Kreisen bestehenden Friedenszielen des Deutschen Reiches befaßt. Der Artikel lautet in seinen wichtigsten Teilen: Man denkt sich in deutschen Kreisen die Grundzüge der jetzt einzuleitenden Friedensverhandlungen wie folgt:
1. Belgien solle seine Unabhängigkeit und Selbstän⸗ digkeit erhalten bleiben, sofern es durch Verträge, vielleicht auch durch Faustpfänder, eine. der Ereignisse vom Jahre 1914 unmöglich mache. Ein völliges Aufsaugen Belgiens würde sogar von der deutschen Großindustrie aufs heftigste bekämpft werden, weil das Fallen der Zollschranken zu unleidlichen Verhältnissen führen müßte, solange die Arbeiterverhältnisse Belgiens infolge des Mangels eines ausreichenden Fabrikgesetzes so weit hinter denjenigen Deutschfands zurückstehen. Selbst für eine Zollunion ver⸗ lange man ein Uebergangsstadium von mindestens fünf Jahren. Belgien würde aber an Deutschland eine jährliche Kriegskontribution zu zahlen haben in der Höhe seines früheren Militärbudgets, wogegen Deutschland bis zur end⸗ gültigen Auszahlung die Polizeigewalt ausüben würde.
2. Die okkupierten französischen Departe⸗ ments würden ohne weiteres an Frankreich zurückgegeben werden. Auch auf eine Kriegsentschädigung von seiten Frankreichs würde Deutschland verzichten, sofern Frankreich seine Forderungen an Rußland im Betrage von etwa 18 Milliarden Franken an Deutschland abtritt. Selbst⸗ verständliche Voraussetzung dieses Abkommens mit Frank⸗ reich wäre die Rück abe aller deutschen Kolonien durch England und die Räumung von C alais.
3. Russisch⸗Polen solle unter einem deutschen Für ⸗ sten als König von Polen vollkommen unabhängig und selb⸗ ständig werden. Dagegen hätte es an Deutschland eine Kriegskontribution auf gleicher Grundlage wie Belgien zu entrichten. Dem historischen Drange nach dem Meere, der Rußlands Politik seit Jahrhunderten beherrscht, soll in der Weise entsprochen werden, daß dem Zarenreiche der Aus⸗ gang nach dem Persischen olf zugestanden wird.
4 Italien müßte aui die orunierten Alrkichen Je


