mentarischen Korrespondenz“ zufol
. vor Jahresfrist an der Weichsel und Bzura und am Wieprz
minister Gallieni hat folgenden Befehl erlassen: land
österreichisch⸗ungarische Regierung findet in der sehr geschätzten Note keinerlei Anhaltspunkte dafür, welcher Absicht dieser Hinweis entspringt. Sollte jedoch die Bundesregierung damit bezweckt haben, eine Meinung in der Richtung zu äußern, als wäre der
219 5— 2 51 des Herrn Botschafters der Vereinigten Staaten von
1
. Ve e dere a g diele ad ee
muß diese Regierung, um etwaigen Mißverständnissen zuvorzu⸗
9
che Flotte das Schwarze Meer von der rufsischen Flotte
bos se Paß die kürzische Schiffahrt beute ungestört ihre 5 Tätigkeit wieder aufnehmen könne. ee
ö** 8 5 Die wirtschaftliche Verbindung Deutschlands und Oesterreich⸗Ungarns.
Wien, 15. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Parla⸗ hat die deutsche Arbeiterpartei eine B gedung für eine engere Wirtschaftsgemeinschaft mit dem Deut⸗ schen Reiche beschlossen, in der die Notwendigkeit der Schaffung eines gemeinsamen Zollgebietes mit den Deutschen Reiche betont wird und hierfür Grundsätze festgelegt werden. Ferner wird in ihr verlangt, daß bei der Regelung der zu⸗ künftigen handelspolitischen Beziehungen zwischen dem Deutschen Reiche und Oesterreich⸗Ungarn die Verbände der Angestellten und Arbeiter sämtlicher Richtungen hinzu⸗ gezogen werden. Die„wackeren Schwaben“ Mackensens.
Berlin, 16. Dez. Eine warme Anerkennung der Leistungen der württembergischen Truppen enthält der Weihnachtsgruß des Generalfeldmarschalls von Mackensen: Meinen wärmsten Weihnachtswunsch all den wackeren Schwaben, die in den mir unterstellten Heeresteilen
und jetzt an der Donau und in den Bergen Serbiens ihre Pflicht bis aufs äußerste 7 715 haben. Württemberg kann auf seine Söhne stolz sein. Wo sie kämpften, ging es vorwärts, and so soll es bleiben bis zum endlichen deutschen Siege.
Die Kriegsgefangenenpost. 5 Berlin, 14. Dez. Der französische Kriegs⸗
„Da die Briefe der gefangenen Franzosen, die in Deutsch⸗ interniert sind, trotz Protbestes der französischen Regierung eeiner systematischen Verspätung von 10 Tagen unterzogen wer⸗
1237 Krie angenen in ankreich getroffen werden soll. Bis auf weiteres werden die Briefe, die von deutschen Kriegsgefangenen abgeschickt werden, oder die für sie ankommen, derselben Verspätung unterzogen werden. Die Kriegsgefangenen Dürfen ihre Familien von dieser Maßregel in Kenntnis setzen.“ Amtlich wird hierzu von deutscher Seite bemerkt: Aus militärischen Gründen erfolgt in Deutschland die A b⸗ sendung der Briefe der Kriegsgefangenen erst 10 Tage, nachdem ssiie geschrieben sind. Briefe in dringenden geschäftlichen und wich⸗ tigen Familienangelegenheiten sind unmittelbar zur Beförderung 0 assen. Für die eingehende Post der Kriegsgefangenen bbestehen in Deutschland keinerlei Beschränkungen. Der französischen (Regierung sind diese Grundsätze Deutschlands für die Behand⸗ lung der Kriegsgefangenenpost mit dem Hinzufügen bekannt ge⸗ geben, daß nunmehr in Deutschland auch die eingehende Post de französischen Kriegsgefangenen erst 10 Tage nach ihrem Ein⸗ treffen ausgehändigt wird. Diese Anordnung bleibt solange be⸗ stehen, bis die Beschränkung der eingehenden Post der Kriegsge⸗ fangenen in Frankreich aufgehoben wird und die französische Re⸗ ierung entsprechende Mitteilung hierher gelangen läßt.
0 9**
Die österreichische Antwort auf die * amerikanische Note. 5 Wien, 15. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Der Minister des Aeußern, Baron Burian, hat an den amerikanischen Botschafter Benfield unter dem 14. Dezember 1915 nach⸗ stehende Note gerichtet: 5 Zu der sehr geschätzten Note Nr. 4137, welche Se. Exzel⸗ lenz der Herr außerordentliche und bevollmächtigte Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika C. Frederich Pente, amerikanischen Regierung in der Angelegenheit der Vore⸗ italienischen Dampfers„Ancona“ unter dem 9. Dezember in ihn gerichtet hat, beehrt sich der Unterzeichnete vorläufig unbeschadet einer eingehenden meritorischen Behandlung der steklamation zu bemerken, daß die Schärfe, mit welcher die desregierung den Kommandanten des an der Sache beteiligten terseebootes zu tadeln vermeint, und die Entschlossenheit, it der die an die Adresse der österreichisch⸗ungarischen Regierung gerichteten Forderungen vorgebracht erscheinen, wohl hätten er⸗ warten lassen, daß die Regierung der Unònion die tatsächlichen. Umstän de des Falles, auf welche sie sich stützt, genau angebe. e unschwer zu erkennen ist, läßt die in der besagten Note ent⸗ altene Tarstellung des Sachverhaltes zahlreichen Zweifeln u m gewährt, selbst wenn sie in allen Punkten zutrifft ind der Beurteilung des Falles die rigoroseste Rechtsauffassung ugrunde gelegt würde, durchaus keine genügende Hand⸗ abe, um dem Kommandanten des Kriegsschiffes oder der sterreichisch⸗-ungarischen Regierung ein Ver⸗ schulden zur Last zu legen. 5 Die Bundesregierung hat es auch unterlassen, die Personen u bezeichnen, auf deren Aussagen sie sich beruft und welchen sie . enscheinlich einen höheren Grad von Glaubwürdigkeit zuzu⸗ erkennen zu dürfen glaubt, als dem Kommando der kaiserlich und königlichen Flotten. Auch was Zahl, Namen und näheres Schick⸗ sal der amerikanischen Bürger anlangt, die im kritischen Augenblick Bord des genannten Dampfers weilten, läßt die Note jeg⸗ ichen Aufschluß vermissen. Die österreichisch⸗ungarische ierung ist gleichwohl im Hinblick darauf, daß das Washing⸗ ner Kabinett nunmehr eine positive Erklärung des Inhalts ab⸗ 5 ben hat, es seien bei dem fraglichen Vorfall Angehörige der ereinigten Staaten von Amerika zu Schaden gelommen, im Prin⸗ bereit, in der Angelegenheit in einen Gedankenaus⸗ ausch mit der Bundesregierung einzutreten. Sie muß ber schon die Frage aufwerfen, weshalb diese Regierung davon bgesehen hat, die in dieser Note aufgestellte Forderung unter Be⸗ ichtnahme auf die von ihr selbst hervorgehobenen besonderen mstände des inkriminierten Vorganges juristisch zu begründen nd an die Stelle einer solchen Begründung den Hinweis auf den chriftwechsel gesetzt hat, den sie in einer anderen Angelegenheit mit einer Regierung geführt hatte. Die österreichisch⸗ mgarische Regierung vermag dem Washingtoner Kabinett auf diesem ungewöhnlichen Wege umso weniger zu folgen, als e keine authentische Kenntnis von allen einschlägigen Korrespon⸗ zen der Bundesregierung besitzt, und sie ist auch nicht der An⸗ sicht, daß ihr diese Kenntnis im vorliegenden Falle genügen lönnte, 'e, soweit ihre Informationen reichen, in wesentlichen Punkten ers geführt sind als der Fall oder die Fälle, auf welche die ierung der Union anzuspielen scheint. 1 Die österreichisch⸗ungarische Regierung darf ohin dem Washingtoner Kabinett anheimgeben, die einzelnen Rechts⸗ sätze zu e welche der Kommandant des Unterseebootes anläßlich der Versenkung der„Ancona“ verstoßen haben soll. Die Regierung der Union hat auch geglaubt, auf die Haltung verweisen zu sollen, welche das Berliner Ka⸗ binett in dem erwähnten Schriftwechsel eingenommen hat. Die
stehenden Angelegenheit eine Präjudiz irgendwelcher Art gegeben, kommen, erklären, daß sie sich selbstverständlich volle Frei⸗ heit wahrt, bei Erörterung des Falles der„Ancona“ ihre eigene Rechtsauffassung geltend zu machen
Indem der Unterzeichnete die Ehre hat, die Gefälligkeit Sr.
ika mit der ergebensten Bitte in Anspruch zu nehmen, das
österreichisch⸗ungarische Regierung das Schicsal der unschuldigen Opfer des bewußten Vorfalles nicht weniger als die amerikanische Regierung und unter allen Umständen aufrichtig beklagt, benützt er zugleich auch diesen Anlaß, um S. Exzellenz dem Herrn Bot⸗ schafter den Ausdruck seiner ausgezeichneten Hochachtung zu er⸗ neuern. 0 Burian m. p. 1„„ 1 Der türkische Bericht.
Konstantinopel, 15. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: Auf der Irakfront wurden die letzten auf dem rechten Ufer des Tigris befindlichen Häuser von Hu⸗el⸗Amara am 13. Dezember erstür mt. Von zwei feindlichen Monitoren, die in östlicher Richtung zu entfliehen versuchten, wurde einer durch unsere Artillerie versenkt, der andere kehrte guf seinen alten Platz zurück. 1
Auf der Kaukasusfront hat sich nichts ereignet.
Auf der Dardanellenfront örtliche Feuergefechte aller Art, besonders mit Bomben und Lufttorpedos. Unsere Ar⸗ tillerie zwang feindliche Schiffe, die in der Bucht von Kimikliliman Schutz suchen wollten, zur Flucht. Bei Ari Burnu zerstörten zwei von uns auf dem rechten Flügel zur Explosion gebrachte Minen zwei feindliche Gegenminen. Ein feindlicher Kreuzer beschoß wir⸗ kungslos unsere Stellungen auf diesem Abschnitt und zog sich dann zurück. Unsere Artillerie zwang einen feindlichen Kreuzer sowie ein feindliches Torpedoboot, die sich der unseren linken Flügel zu beschießen, sich zu entfernen und brachte einige feindliche Batterien zum Schweigen.
Die türkischen Streitkräfte.
Berlin, 16. Dez. Die Türkei wird laut einer Mel⸗ dung des„Berliner Lokalanzeigers“ in kürzester Zeit über eine Streitmacht vonzwei Millionen Mann ver⸗ fügen. Wie der Spezialberichterstatter des„Temps“ mitteilt, wird die eigentliche Tätigkeit der türkischen Armee erst jetzt in voller Kraft einsetzen.
Aus dem englischen Unterhaus.
London, 15. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) In der Sitzung des Unterhauses vom Montag sagte Lord Robert Cecil auf eine Anfrage, daß die Regierung beabsichtige, Montenegro zum Ankauf von Lebensmitteln eine Anleihe zu gewähren. Cha m⸗ berlain erklärte auf eine Anfrage, es sei Grund, anzunehmen, daß das Gerücht deutschen Ursprungs unwahr ist, nach dem bisher freundliche Araberstämme in den Kämpfen in Mesopota⸗ mien gegen die Briten Partei ergriffen hätten. Mac Kenna sagte auf eine Anfrage, er sehe keine Schwierigkeit voraus, die notwendigen Anleihen unter freiwilligen Bedingungen zu erheben, sodaß eine Zwangsanleihe nicht notwendig sei. Asguith er⸗ klärte, die Regierung beabsichtige nicht, eine Herabsetzung der Gehälter der Minister und Bezüge der Abgeordneten zu bean⸗ tragen. Der Chefsekretär für Irland, Birrell, sagte, es läge nicht in dem öffentlichen Interesse, mitzuteilen, welche Maß⸗ regeln gegen die Versuche, die Rekrutierung in Irland zu verhin⸗ dern, ergriffen würden. Tennant sagte, die Verteidigung Lon⸗ dons gegen Luftangriffe sei dem Kriegsamt übertragen. Admiral Scott werde das Kommando nicht behalten. Terrell fragte, ob bei dem letzten Gefangenenaustausch wohlgenährte, wohlgekleidete und gesunde Deutsche gegen gänzlich invalide, schlochtgekleidete, in vielen Fällen halbverhungerte Engländer ausgetauscht wurden. Tennant erwiderte: Von den ausgewechselten Deutschen waren 43 dienstunfähig, 60 Mitglieder des Sanitätsdienstes. Die Invali⸗ dität der Deutschen und Engländer hat einander entsprochen. Die Kleidung der Engländer war schlecht, aber einen halbverhungerten
ländern nicht wollene Kleidungsstücke weggenommen wurden, er⸗ widerte Tennant, das entspräche nicht seinen Informationen. As⸗ quith sagte auf verschiedene Fragen, die Abkommen des Aus⸗ wärtigen Amts mit neutralen Ländern bedeuteten keine Aenderung der englischen Politik und kein Eingeständnis der Regierung, daß die Blochade nicht durchgeführt werden könne. Asquith lehnte es ab, auf die neuliche Kritik Carsons in einem Briefe an die Presse zu antworten und wich den Fragen aus, ob vor Abschluß des englisch⸗dänischen Abkommens bestimmte Aemter befragt wurden und ob die Frage dem Kabinett vorgelegen habe.
Die Vergrößerung des englischen Heeres. London, 14. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Im Unter⸗ hause wurde die Bill, durch welche die Legislaturperiode des gegenwärtigen Parlaments verlängert wird, in zweiter Lesung angenommen. Die Regierung forderte einen ergänzenden Kredit für noch eine Million Soldaten, durch welche die ganze Heeresstärke auf 4 Millionen Mann gebracht wird.
Das amerikanische Schiffsbauprogramm. Washington, 15. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Mel⸗ dung des Reukerschen Bureaus. Der Marinesekretär befür⸗ wortet in seinem Jahresbericht ein fünfjähriges Baupro⸗ 1 das 10 Dreadnoughts, 6 Schlachtkreuzer, 10 Auf⸗ lärungskreuzer, 50 Zerstörer, 15 Hochsee⸗U⸗Boote und 85 Küsten⸗Ul⸗Bodte umfaßt, sowie ferner eine Ausgabe von 6 Millionen Dollars für den Flugdienst vorsieht.
Aus der französischen Kammer. Paris, 15. Dez(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Die Kammer erörterte heute die Gesetzes⸗ vorlage betr. 1 die Eröffnung von vorläufigen Krediten für das erste Vierteljahr des Rechnungsjahres 1916; 2. die Er⸗ mächtigung, Steuern und öffentliche Einkünfte während desselben Zeitraumes zu erheben. Im Verlaufe der Beratung forderte der Deputierte Accambrah unerwartet, daß die Kammer sich als Geheimkomitee bilde, um die Regierung über die notwendigen Be⸗ fugnisse des Oberkommandos zu befragen. Ministerpräsident Briand der nicht vorher in Kenntnis gesetzt war, war nicht an⸗ wesend, weshalb Finanzminister Ribot Einspruch erhob. Der Vorschlag wurde darauf mit 327 gegen 154 Stimmen abgelehnt.
Uriegsbriefe aus dem Often.
Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auch aus zugsweise, verboten.)
Der Kaiser in Wilna. „den 14. Dezember. Etwas nach 8 Uhr traf der Kaiser aus der Richtun Kowno auf dem Wilnaer Bahnhof ein und begab sich na kurzer Begrüßung zum Gottesdienst in die lutherische Kirche von Wilna. Am tannengeschmückten Eingang erwarteten die beiden Geistlichen den 1 der den beiden weiß⸗ haarigen Herren mit großer Freundlichkeit durchaus den Vortritt geben wollte. Inmitten des Gefolges nahm darauf der Kaiser am Gottesdienst teil. Prinz Oskar saß zur Linken, im Halbkreise Feldmarschall Hindenburg, Chef des General- stabes Falkenhayn, Exzellenz Ludendorff, Exzellenz Eich⸗ 12 5 5 Exzellenz e Chef des Abinirafstabes Nach iturgie und Chorgesang betrat der Feldgeistliche die Kanzel zu längerer Predigt, die aus dem Evangelium Stelle zur Unterlage hatte, in der erzählt wird, wie Johan⸗ nes dem Täufer Zweifel an der Sendung Christi kommen: „Bist du's, der da kommen soll!“ Mit großer Wärme führte der Geistliche aus, wie dieses in schwever Zeit die schwerste Sünde wäre, da der Glaube an alle aufbauende Kraft des Christentums und der christlichen Kultur ins Wanken käme da das Herz gleich dem Johannes des Täufers von den Eindrücken bewegt würde, diese Welt sei krank, schlecht und faul, in dieser Welt des Krieges gingen die Werte christ⸗ lichen Geistes zugrunde. Wenn man auf manche Erschei⸗
Vorstehende der amerikanischen Regierung mitzuteilen und bei bieser Gelegenheit zum Ausdruck bringen zu wollen, daß die
nungen blickt, kann man zu diesem Zweifel kommen, aber di Antwort Christt jet auch die Antsvort für heulr!„Selig,
Blatt 2
1 * 5
5
üste näherten, um
Eindruck machten sie nicht. Auf die weitere Frage, ob den Eng⸗
Matthäus die
wer sich nicht an nir argert.“ Wan muß das neymen, was vorhanden ist, und das at auf deutscher Seite eine solch⸗ Erstarkung und Vertiefung in Gottes Gedanken, daß nad der schweren Zeit ein so großer Strom innerlichst gewonne nen christlichen Lebens über die Welt von Deutschland aus⸗ ehen würde, daß Segen aus Not und Bitterkeit erwachsen önne. Der Kaiser folgte den Ausführungen mit großer olwerrorkfamkeit und zog, nachdem der Gottesdienst zu Ende und das Niederländische Dankgebet verklungen war, den Geistlichen in ein langes Gespräch Nach der Kirche fuhr der Herrscher zum Botanischen Garten, um Parade über die Truppen abzunehmen. Straßen und Plätze waren voll von Tausenden, der jüdischen Bevölkerung Wilnas, während sich die Katholiken in der Nähe der Kathedrale aufgestellt hatten. Generalfeldmarschall Hindenburg und Exzellenz Eich⸗ horn führten beim Vorbeimarsch die erste Kompagnie ein, wie üblich bis zum Kaiser heran, und nahmen dann dicht hinter dem obersten Kriegsherrn Stellung. Größere Teile der Garnison Wilnas stampften vorbei. Danach gin der Kaiser 1 den Schloßberg. Sonne war inzwischen durch den Dezemberhimmel gekommen, die Kuppeln und Türme Wilnas glänzten in einer fast frühlingshaften Luft. Inzwischen hatten sich die Mannschaften, die das Eisern⸗ Kreuz erhalten sollten, in langer Reihe aufgestellt. Der Kaiser trat an jeden Mann heran, der machte kurz seine Meldung, und der Kaiser überreichte ihm das Kreuz mit Händedruck. Das ging gleichmäßig. Recht belebt wurde die Handlung ersi dann, wenn kaiserliche Fragen an den neuen Ritter kamen. „Zu Befehl, Herr Hauptmann,“ sagte ein braver Pionier und fügte, dunkelrot, stramm dazu:„Herr Major, Ver⸗ zeihung.“ Weniger schüchtern war ein Mann, der das Kreuz bekam, weil er sich„wegen Patrouillengehen, Arbeiten am Drahthindernis“ ausgezeichnet hatte. Das Wort„ausgezeich⸗ net“ wollte nicht recht vom Munde. Der Kaiser blieb stehen. „Wo gedient?“„Bei den Königsulanen.“„So, wo bist Du denn her?“„Aus Lüneburg, Euer Majestät, und dann war ich beim ostasiatischen Reiterregiment.“ Der Kaiser sah den Mann an, die blauen Augen strahlten ihm entgegen.„Beim ostasiatischen Reiterregiment? Wie ist's denn jetzt bei der Infanterie?!“„Ach, ich bin ganz zufrieden bei der Infan⸗ terie.“„So ohne Lanze?“„Da nehmen wir den Kolben, Euer Majestät.“„Wart Ihr denn mal dicht dran?“„Ja⸗ wohl, Majestät, bei Kowno.“„Bajonett oder Kolben?“ „Beides, Majestät.“„Na ja— aus Lüneburg!“ Der Kaiser geht lächelnd zum nächsten Mann. Da steht die mächtige Figur Hindenburgs vor dem Lüneburger.„Wann haben Sie gedient?“„98, Exzellenz.“ Der Feldmarschall sieht den Mann mit den starken Augen eine Sekunde an und geht weiter, dem kaiserlichen Gefolge nach. Es entsteht ein Ge⸗ dränge. Da schiebt sich eine Schwester an einen Major dicht beim Kaiser.„Herr Major, ich möchte gern den Blumen⸗ strauß...“„Legen Sie sich man mittschiffs, ich bringe Sie schon durch zu Majestät,“ sagt Prinz Oskar. Der Strauß der Schwesternschaft wird also überreicht. Der Kaiser geht darauf hinüber zu der alten St. Stanislaus⸗Kathedrale, in der ihn der Bischof von Wilna empfängt. Der geistliche Herr und die Pfarrer der Kirche führen den Herrscher zu der Marmor⸗ kapelle, in der der schwere silberne Sarg des heiligen Kasimir ruht und acht silberne Statuen polnischer Könige die Wände schmücken. Dann ze igen sie dem Kaiser das Grab des litauischen Großfürsten Witold. Auf der Stelle litauischen Heiligtums ist diese katholische Kirche ja gegründet. Wunder⸗ voller Orgelklang flutet durch den Raum, so daß der Kaiser den Bischof besonders nach Spieler und Orgel fragt. Vor der Kirche erwartet die litauische und polnische Bevölkerung das Heraustreten des Kaisers, der am Ausgang dem Kirchen⸗ fürsten durch Händedruck dankt. Hochrufe stiegen brausend auf, als der Kaiser wieder in den Wagen stieg. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
Aus dem Reiche.
ö Der Kaiser. 5 f Berlin, 15. Dez.(WTB. Amtlich.) Der Kaiser ist nach einer längeren Reise zu den Armeen im Befehlsreiche des Generalfeldmarschalls von Hindenburg und einer Be⸗ sichtigung der Marineanlagen in Libau zu vorübergehendem Aufenthalt in Berlin eingetroffen.
Keine Gesamtneuordnung der Kriegsbesoldungsordnung
a während des Krieges.
Berlin, 15. Dez.(WTB. ali wc Der Haupt⸗ ausschuß des Reichstages hat die Entschließung des Zen⸗
trums auf Schaffung einer Zentralstelle für Lebens⸗ mittelversor gung einstimmig angenommen und sodann über die Reform der Kriegsbesoldungsordnung beraten. Der Stellvertreter des Kriegsministers erklärte, er sei im Benehmen mit dem Reichsschatzsekretär in Erwägung darüber eingetreten, inwieweit und wann die gewünschte Reform durchge⸗ führt werden könne. Die jetzigen Gehaltssätze entsprächen im all⸗ gemeinen denjenigen, die 1870/71 gezahlt worden seien. Viele Offi⸗ ziere des Beurlaubtenstandes hätten kein anderes Einkommen als aus dem Kriegsdienst. Auch einen Unterschied mit aktiven Offizie⸗ ren zu machen, erscheine nicht angängig. Seit langem werde daran gearbeitet, die hohen Kriegsausgaben zu vermindern. Auch bel den Zulagen der Beamten seien verschiedentlich Abstriche gemacht worden. Zu einem Zeitpunkt aber, wo an anderen Stellen Ar⸗ beiter und Beamte Teuerungszulagen erhielten, weitere Abstriche zu machen, sei hart. Offiziere, die in Belgien stehen, seien nur noch die immobilen Gebührnisse belassen worden, während die Mann⸗ schaften ihre mobilen Gebührnisse erhielten. Der Staats⸗ sekretär des Reichsschatzamtes führte aus, im Ein⸗ vernehmen mit dem Kriegsminister sei eine Nachprüfung der Be⸗ soldungsordnung erfolgt nicht nur hinsichtlich der Beamten sondern auch der Offiziere. Eine Gesamtneuordnung der Kriegsbe⸗ soldungsordnung während des Krieges sei eine Unmöglichkeit. Die finanzielle Wirkung der Kürzung der Bezüge der Feldoffiziere namentlich vom Hauptmann oder Major aufwärts, dürfe nicht überschätzt werden. Darauf wurde die Sitzung auf morgen vor⸗ mittag vertagt. 8 7 0 5 Reichsunterstützungen.
Berlin, 15. Dez.(WTB. Amtlich) Zur Unter⸗ stützung der Gemeinden und Gemeindeverbände bei der Für⸗ sorge für solche Angestellte und Arbeiter, die in den Betrieben der Textilindustrie infolge der Arbeiterbeschränkungen er⸗ werbslos geworden sind, sind vom Reiche vom 1. Oktober 1915 ab besondere Mittel bereitgestellt, aus denen den Ge⸗ meinden und Gemeindeverbänden wenigstens die Hälfte den Aufwendungen für erwerbslos gewordene Ange⸗ stellteund Arbeiterder Tertilindustrie erstattet wird. Neben dem Reiche wird auch der Staat helfend ein⸗ treten, indem er den Gemeinden und Gemeindeverbänden regelmäßig ein Drittel der fraglichen Aufwendungen ersetzen wird, so daß ihnen höchstens ein Sechstel zu eigenen Lasten verbleibt. Durch diese Hilfsaktion von Reich und Staat werden die Gemeinden in die Lage versetzt, erwerbslos ge⸗ wordenen Angestellten und Arbeitern der Textilindustrie ihre 5 einem dem Bedürfnis entsprechenden Maße zu widmen. a
Die staatsrechtliche Stellung Elsaß⸗Lothringens. Berlin, 15. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) In der Sitzung des verstärkten Haus haltsausschusses de tages wurde die Frage in vertraulicher Weise


