Ausgabe 
(8.12.1915) 289. Erstes Blatt
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russischen Generalstabes General Gilipinski, der Unter⸗ chef des italienischen Generalstabes General Porro und der Oberst Stefanowitsch als Vertreter Serbiens teil. Auch England und Belgien waren vertreten.

London, 7. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Asquith teilte gestern im Unterhause mit, daß Maßregeln zu engerer militärischer Zu⸗ sammenarbeit mit Frankreich getroffen worden seien, während über ein Zusammengehen mit den anderen Verbündeten noch verhandelt würde. Es sei nicht im öffent⸗ lichen Juteresse gelegen, Einzelheiten mitzuteilen, die für en Feind wertvoll sein könnten.

8.

*

4 der Kampf um die Haltung 5 Griechenlands.

Athen, 7. Dez.(WTB. Nichtamtlich) Meldung des Reuterschen Bureaus. Es wird mitgeteilt, daß die letzte VBorstellung der Diplomaten der Verbands⸗ mächte bei der griechischen Regierung über Mazedonien und die militärischen Fragen eine Grundlage für eine Verständigung Alte. Die Regierung schlägt vor, einen von den Verban ächten und Griechenland go⸗ bildeten militärischen Ausschuß nach Salonili zu entsenden, um die beiderseitigen Wünsche sestzustellen und die Lage zu besprechen.

Acußerungen des Königs der Hellenen.

Amsterdam, 7. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Einem hiesigen Blatte zufolge hatte ein Mitarbeiter der Times in Athen eine Unterredung mit dem Fönig. Der König sagte, Griechenland sei eben im Begriff, sich von zwei Kriegen zu erholen. Er wünsche um feden Preis zu ver⸗ hitten, daß Griechenland das Elend des europälschen Krieges teile. Er könnte seine Truppen nur marschieren lassen, wenn die Existenz des Landes bedroht wäre. Er versicherte stets, daß Griechenland keine Pläne gegen die Alliierten 5 schmiede Trotzdem wurde er persönlich schlecht behandelt. Griechenlands Lage lasse nicht zu, irgendwelches Risiko zu laufen. Die Balkanpolitik der Alliierten sei nicht genau um⸗ schrieben gewesen. Angenommen, Griechenland hätte sich ihnen angeschlossen und diese hätten später beschlossen, minder kräftig aufzutreten und sich zurückzuziehen, dann wäre es dem Lange ergangen wie Belgien. Griechenland gab bereits durch Entgegenkommen die Neu⸗ trralität auf und setzte sich der Möglichkeit aus, daß die Mittelmächte mit nämlichen Forderungen kamen wie die Entente. Der griechisch⸗serbische Vertrag gelte nur für den Fall, daß eines der beiden Länder von Bulgarien allein angegriffen würde. Unter den gegenwärtigen Umständen hätte die Hilfe Griechenlands für Serbien kaum großen Wert gehabt. Es wären aber 775 Länder verwüstet worden anstatt eines. Der Kön i etonte, daß kein Ver⸗ trag zwischen 5 und Bulgarien bhbestehe. Die Alliierten hätten von Griechenland nichts zu 5 fürchten, aber dieses könne sich nicht binden, solange es nicht das e kennt, das die Alliierten für sich fselbst aufstellen, es werde aber unter keinen Umständen seine Neutralität aufgeben.

Eine Friedenserörterung

im ungarischen Abgeordnetenhause. 8 Budapest, 7. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Abgeordnetenhaus. Im Verlaufe der Sitzung erörterte Graf Andrassy(oprofitio⸗ nell) die Möglichkeit des Friedensschlusses. Er sagte: Es ist menschliche Pflicht, den Frieden in jedem Augen⸗ blick zu schließen, in welchem dies möglich ist. Ich bin vollkommen überzeugt, daß wir imstande sind, den äußersten Widerstand un⸗ serer niederzuringen und den Krieg fortzusetzen, bis die 1 sind, um Frieden zu bitten. Es wäre jedoch ein Glück, wenn es gelingen würde, noch bevor dieser letzte Zeit⸗ punkt eintritt, Frieden zu schließen. Wenn ich trotzdem nicht für eme Friedensaktion eintrete, so liegt die Ursache darin, daß ich dene bin, daß diejenigen Faktoren, von denen Krieg und Frieden abhängt, es als einen glücklichen Augenblick bezeichnen würden, wenn sie das Schwert wieder in die Scheide stecken könnten. Außerdem hält mich von jeder Friedensaktion der Um⸗ sband zurück, daß ich leider auf der andepen Seite keine An⸗ zeichen bemerke, daß derzeit ein Friedensschluß möglich wäre. Alle Zeichen weisen darauf hin, daß unsere Gegner sich mit dem gegenwärtigen Ergebnis des Krieges noch nicht zufrieden geben werden und daher alles aufbieten, um vielleicht doch das Kriegs⸗ glück noch zu wenden und daß die Erklärungen des französischen 2. 21 55 3 im Ab len Unterhaus

a en Friedensschluß unter gegebenen ältnissen weni

Wahrscheinlicheit haben. 5 5

Bryaus Friedenspropaganda.

London, 7. Dez(WTB Nichtamtlich) DieTimes meldet aus Washington: Bryan veröffentlicht ein Mani⸗ fest, das Wilson auffordert, sofortzwischen den Krieg⸗ führenden vermittelnd aufzutreten.

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7 Der türkische Bericht. 8 Konstantinopel,? Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Irakfront näherten sich unsere Truppen am 4. Dezember Kut⸗el⸗Amara und unternahmen in der Nacht zum 5. Dezember mit starken Abteilungen eine Erkundung auf dem rechten Tigrisufer und mit Hilfe überraschenden Feuers einen besche gegen

die feindlichen Stellungen. Am 5. Dezember beschoß unsere Artillerie die Stellungen des Feindes, sowie die Umgebung von Kut⸗el⸗Amara. Unsere Kolonnen, die getrennt östlich Kut⸗el⸗Amara vorrückten und ihr Feuer gegen drei Trans⸗ portschiffe und zwei Monitore des Feindes richteten, steckten einen Monitor in Brand und nahmen zwei Schiffe 8 Außerdem erbeuteten unsere ben in der Gegend von Kut⸗el⸗Amara zwei Fracht⸗ kähne. Auf einem derselben fanden wir Flugzeuge und eine Men ge Im ganzen erbeu⸗

teten wir bisher an dieser Front sechs feindliche Flugzeuge. Der Feind feuerte, um seine Niederlage vor 5 Eingeborenen zu verheimlichen, einen Sieges⸗ salut von 21 Schuß. g An der Kaukasus⸗Front schlugen wir einen vom Feinde in der Nacht vom 4. zum 5. Dezember gegen unsere

Vorposten im Abschnitt von Kale⸗Bogaz unternommenen Ueberfall ab und machten einige Gefangene.

In den anderen Abschnitten, von Patrouillen⸗Schar⸗ mützeln abgesehen, nichts Neues. An der Dardanellenfront bei Anaforta nahm

unsere Artillerie feindliche Truppen, die Befestigungen auf⸗ führten und Batterien großen und kleinen Kalibers auf⸗ stellten, unter wirksames Feuer Bei Ari⸗Bur nu bescho Lein seindlicher Kreuzer am 5. Dezember 72 Augenblicke ohne Erfolg unsere Stellungen. Unsere Artillerie zwang einen anderen Kreuzer, der sich Kaba⸗Tepe zu nähern ver⸗ suchte, abzudampfen. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr zerstörte unsere

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gen des Feindes und verhinderte ihn, das namentlich gegen unseren linken Flügel gerichtete heftige Lufttorpedo⸗Feuer fortzusetzen.

DieTimes über die Niederlage bei Ktesiphon.

London, 7. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) In einem Leit⸗ artikel über die Hriegsereignisse in Mesopotamien, in welchem sie die verschiedenen, einander zum Teil swibersprechen⸗ den Berichte cg gelangt dieTimes zu dem Schlusse, daß die britischen Truppen zwar am ersten Gefechtstage die Schlacht von Ftesiphon gewannen, daß sie aber nicht im⸗ sdande waren, ihre Stellungen zu behaupten. Drei Tage lang seien die Briten durch eine sehr große leber⸗ macht zurückgetrieben worden. Jetzt stünden sie genau 100 Meilen weit von Bagdad. Obwohl anzunehmen sei, daß Ver⸗ stärkungen zur Verfügung stehen, müsse das englische Publikum doch einsehen, daß noch geraume Zeit verstreichen werde, ehe die britischen Soldaten die Minaretts der Khalifenstadt zu Gesicht be⸗ kommen würden.

Eine russische Niederlage in Persien.

Konstantinopel, 7. Dez(WTB. Nichtamtlich.) Der Vertreter der Agentur Milli in Bagdad meldet, daß die durch den persischen Nationalausschuß aufgestellte Miliz zwischen Hamadan und Kaswin russische Streit⸗ kräfte, weiche auf 5000 Mann geschätzt werden, an⸗ gegriffen, tausend Mann getötet und die übrigen in die Flucht geschlagen hat. Die glänzenden Erfolge, welche die osmani⸗ schen Truppen im Irak über die Engländer errungen haben, erregten in Persien große Freude.

Chwostow zum russischen Minister des Innern

ernannt.

Petersburg, Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Der Verweser des Ministeriums des Innern, Chwostow, ist zum Minister des Innern ernannt worden.

*** Die Minen au der niederländischen Küste.

Amsterdam, 7. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Im No⸗ vember wurden an der niederländtschen Küste 47 Minen angespült. Davon 1 05 28 englischen, 15 deutschen und der Rest unbekannten Ursprungs. Im ganzen wurden bisher gefunden 728 Minen, davon 381 englischen, 57 franzöftschen, 112 deutschen und 177 unbe⸗ kannten Ursprungs. 5

Rücktritt des spanischen Kabinetts.

Paris, 7. Dez.(Zens. Frkft.) Aus Madrid meldet die Agence Havas: In der Kammer brachte die Minder⸗ heit einen Vorschlag ein, den wirtschaftlichen Fragen vor den militärischen den Vorzug zu geben. Romanones ver⸗ teidigte den Antrag. Der Ministerpräsident Dato weigerte sich, seine Zustimmung zu geben, verließ die Kammer, begab ich nach dem Palais und überreichte dem König die Demis⸗ ion des Kabinetts.

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Der Seekrieg.

London, 7. Dez.(WTB. Nichtamtsich.) DerDaily Tele⸗ graph meldet: Der brstische IndiendampfserOmeda wurde, wie berichtet, vom Feinde versenkt. 49 Ueberlebende wurden gelandet. 5 Offiziere und 47 Laskaren werden vermißt

London, 7. Dez(WT Nichtamtlich) Meldung des Reuterschen Bureaus. Das Pressebureau veröffentlicht folgende nicht amtliche Mitteilung über das Entkommen des britischen HandelsdampfersJapanese Prince vor einem deutschen Unterseeboote: Der Dampfer begegnete mit großer Besatzung und einer ansehnlichen Zahl von Passagieren kürzlich einem deut⸗ 5 Unterseebopte. Fünselnhalb Stunden bemühte sich das Schiff, diesem zu entrinnen. Es wurde den größeren Teil der Zeit von diesem beschossen. Der Kapitän blieb tapfer auf seinem Posten und manövrierte mit ungewöhnlicher Geschicklichkeit. Dank seiner Bentühungen und der raschen Mitwirkung der Mannschaft konnte der Dampfer schließlich entkommen. Er wurde nach einem Hafen gebracht. Niemand an Bord ist verletzt worden.

Aus dem Reiche. Die nächste Reschstagssitzung.

Berlin, 7. Dez. WTB. Nichtamtlich.) Auf der Tages⸗ ordnung für die 22. Plenarsitzung des Reichstages für Donnerstag, den 9. Dezember, vormittags 10 Uhr, fte t eine e der Mitglieder des Reichstages Albrecht und

enossen betreffend Friedensverhandlungen. DemBerl. Lok.⸗Anz. zufolge verlautet, daß dem Reichs- tage am Donnerstag auch eine neue Kreditvorlage in Höhe von 10 Milliarden Mark zugehen soll, die alsbald dem Hauptausschuß überwiesen werden dürfte.

Die Besteuerung der Kriegsgewinne im Reichstagsausschuß. Berlin, 7. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Der Haupt⸗ ausschuß des Reichstages hat heute die zweite Ge f tzeslesung über vorbereitende Maßnahmen zur Vesteuerung der KHriegsgewinne vorgenommen. Der Staatssekretär des Reichssch mies stellte fest, daß das vorliegende Gesetz lediglich ein gesetz für Aktien⸗ und andere Gesellschaften zur Sicherung der späteren Kriegs⸗ ewinnabgabe sei. Dem kommenden Besteuerungsgesetz für Kriegsgewinne solle damit keineswegs vurgegeif en werden. Das Prinzip des Gesetzes sei, den Gewinn u erfassen, wo er in die Erscheinung trete. Bei Dopfelbestenerungen in übermäßiger Aude solle im endgültigen Gesetz Entgegen⸗ kommen gezeigt und geprüft werden, inwieweit die Steuer e 5 19 8 0 get n 1 e in 922 legierungsfassung wiederhergestellt. In agrap wurde bestimmt, daß als Kriegsgeschäftsjahre drei aufeinan⸗ dersolgende Geschäftsjahre gelten, deren erstes noch den Monat August 1914 mit umfaßt. Paragraph 5 wurde im ersten Abfatz wie folgt 5Der durchschnittliche frühere Geschäftsgewinn ist nach den Ergebnissen von fünf den Kriegsgeschäftsjahren vorangegangenen Geschäftsjahren, oder wenn die Gesellschaft noch 1525 so lange besteht, nach den Ergebnissen einer kürzeren Zeit, für welche die Jahres⸗ abschlüsse vorliegen, zu berechnen. Besteht die Gesellschaft schon fünf Jahre, so hat für die Berechnung der D schnittsgewinne das Geschäftsjahr mit den besten und schlech⸗ testen Geschäftsergebnissen auszuscheiden.

* Berlin, 7. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Der,

Reichs⸗ . enthält die Bekanntmachungen über die Fests etzung von Preisen für Gemüse, Zwiebeln und Sauer⸗

krauk, ich über die Festsetzung von Preisen für ß⸗ wasserfische.

Kirche und Schule. München, 7. Dez.(MTB. Nichtamtlich.) DieBaye⸗ rische Staatszeitung schreibt zur Ernennung des Mün⸗ 8 Nuntius Msgr. Frühwirt zum

kardinal und seiner Berufung in den obersten Rat der katho⸗ lischen Kirche u. a.: Diese hohe Ehre, die dem Kardinal damit

Artillerie mehrere zu Bombenangriffen bestimmte Stellun⸗

zuteil geworden ist, kann in allen Kreisen nur Gefühle freu

digster Anteilnahme hervorrufen. Am 19. Dezember wird der nig in feierlicher Weise dem Kardinal Frühwirt in der allerheiligen Hofkirche das Kardinalbarett aufsetzen. Hiermit wird zum ersten Male die feierliche Zeremonie am baye⸗ rischen Königshofe vollzogen. Nach kirchlicher Auffassung den besonderen Vorzug der Barettaufsetzung zu vollziehen, wurde bisher nur noch dem österreichischen Kaiser und dem König von Spanien zugestanden. Wenn sich Kardinal Frühwirt zur Barettaufsetzung nicht nach Rom begibt, so hat dies seinen Grund nicht in den derzeitigen kriegerischen Verhältnissen, da ja die Reise dorthin für ihn ebenso wie für Kardinal von Hartmann, der bekanntlich zurzeit sich in Rom auf⸗ hält, möglich gewesen wäre, vielmehr ist in der Tatsache, daß der Papst den König von Bayern zum ersten Male damitbetraut hat, dem neuernannten Kardinal das Barett aufzusetzen, ein hocherfreulicher Beweis beson⸗ deren Wohlwollens des Papstes für den König, das könig⸗ liche Haus und das bayerische Volk zu erblicken.

Aus Stadt und Cand. i Gießen, 8. Dezember 1915.

* Amtliche Personal nachrichten. Der Realschüler Ludwig Gerhard und der Schreibgehilfe bei Großherzoglichem Kreisamt Oppenheim Karl Krauch haben am 7. Juni d. J. den Schreibgehilfen Julius Flohr im offenen Rhein bei Oppenheim vom Tode des Ertrinkens gerettet. In Anerkennung des mit Mut und Entschlossenheit ausgeführten Rettungswerkes wird dies hier⸗ mit zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Uebertragen wurde am 30. November d. IJ. der Selytlaspirantin Elisabeth Heckmann aus Bensheim eine Lehrerinstelle an der Volksschule zu Viern⸗ heim im Kreise Heppenheim. 5

** Sitzung der Stadtverordneten ⸗Ver⸗ sammlung. Am Donnerstag, 9. Dezember, nachmittags 5 Uhr, findet eine bebe e, Auf der Tagesordnung steht: Mitteilungen. Gesuch der Firma J. B. Noll um Erstreckung der Frist zur Errichtung eines Gebäudes an der Wiesenstraßse. Belegungsplan für den israelitischen Teil des neuen Friedhofs. Festsetzung von Aus⸗ nahmetagen für den Ladenschluß in offenen Verlaufsstellen im 8 1916. e bei Benutzung der Straßen⸗ bahn. andwirtschaftlich benutzter Grundstücke. Oeteiligung der Stadt an der Einkaufsgesellschaft südwest⸗ deutscher Städte in Mannheim. Bewilligung eines weiteren Kredits zur Veschaffung von Elektrizitätszählern. Bewilli⸗ gung eines weiteren Kredits für Kriegskosten. 1 für das Rote Kreuz in Bulgarien, Gesuch des Robert Möhring um Erlaubnis zum Schankwirtschaftsbetrieb im Hause Lud⸗ wigstraße 55. Desgleichen des Bäckermeisters Hermann Kuhn um Erlaubnis zum Betriebe einer Kaffeewirtschaft im Haus Neuen⸗Väue 9. Desgleichen des Johannes Carle um Er⸗ laubnis zum Schankwirtschaftsbetrieb im Haus Kir straße 20. Desgleichen der Karl Paul Ehefrau um Erlaubnis zum Betriebe einer Kaffeewirtschaft im Haus Bahnhof⸗ straße 62.

* Anmeldung feindlicher Vermögen. Die Handelskammer 1 7 uns:Es wird hiermit darauf aufmerksam gemacht, daß die Frist zur Anmeldung des im Inlande befindlichen feindlichen Vermögens am 15. De⸗ zember abläuft. Anmeldepflichtig sind 1. die feindlichen Staatsangehörigen, die sich im Inlande aufhalten, 2. die Verwalter feindlichen Vermögens, 3. die Schuldner feind⸗ licher Gläubiger, 4. die Leiter eines inländischen Unterneh⸗ mens, an dem feindliche Staatsangehörige beteiligt sind. Als feindliche Staaten gelten Großbritannien und Irland, Frankreich, Rußland und Finnland, sowie die Kolonien und n Besitzungen dieser Staaten. Anmelde⸗ stelle für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach ist die Handelskammer Gießen, von welcher auch die erforder⸗ lichen Anmeldebogen zu beziehen sind. Wer die Anmeldung unterläßt, macht sich strafbar

* Vo m Kolonialwarenhandel. Eine humorvolle Lage hatte gestern vormittag der städtische Kolonialwarenhandel geschaffen, der im alten Schulhause in der Neustadt um 9 Uhr seine Fortsetzung in zweiter verbesserter Auflage finden sollte. Schon um 8 Uhr rückte die Kundschaft mit Taschen und Körben versehen vor den Verkaufsraum. Das Gedränge in dem Vorraum zur Warenabgabe war wieder flott in Gang gekommen und die Menschen standen bis in die Neustadt, ohne daß jemand ab⸗ gefertigt werden konnte, weil die Vorbereitungen, das auf Vorrat Abpfunden der Waren, noch nicht beendet waren. Nun ist aber in dem alten Schulhause eine Treppe, ders eine Klasse 1213jähriger Buben unserer Volksschule unter⸗ gebracht, in der um 9 Uhr ein Wechsel des Lehrpersonals vor sich gehen sollte. Es war dieser Wechsel aber nach Lage des Falls unmöglich auszuführen. Der Lehrer konnte von der Straße nicht in das Haus zur Treppe gelangen und der andere Lehrer, der abgelöst werden sollte, konnte die Straße nicht erreichen, weil die kauflustigen Frauen ihre so schön erstandenen Plätze im Vorraum zur Warenabferti⸗

ng nicht aufgeben wollten und trotz des liebenswürdigen ar der beiden Herren einer redete um Einlaß, der andere um freie Bahn zum Ausgang wankten die Frauen nicht. Die Herren Jungens oben in der Klasse beobachteten das Spiel mit einer gewissen Schläue. Die helleren Köpfe von ihnen rechneten, daß das Ende vom Liede ein schulfveier Tag werden würde. Aber es kam anders als sie gerechnet hatten. Den Lehrer auf der Straße verließ die Geduld, er telephonierte auf das e

und suchte Hilfe bei einem in der Nähe sich bewegen⸗ den inne Nun bekam die Hacke einen iel. Der Zugang zur Treppe wurde soweit frei ge⸗ macht, daß die Herren Lehrer als Sieger aus diesem 9 8 Widerstreit hervorgingen. 159 wischen begann der Verkauf in der n r f recht schnell und ordnungsgemä abwickelte.

Am Vormittag allerdings benötigte man noch eines Schutz⸗ manns für die Ordnung. In den mittagstunden ging die Sache schon ohne Schutzmann ben gut. Nun noch einige Hinweise, um die Warenausga se in der Neustadt für die Käufer schneller gestalten zu lönnen. Erstens vermeide man,

leine Kinder als Boten oder Einkäufer dorthin zu

schichen. Man schreibe vorher, was man kaufen will, auf einen Zettel, den man einfach nur vorlegt. Bei starkem Andrang tut man recht, sich nicht aufzuhalten, denn die Warenmengen sind so groß, daß noch in 8 Da, verkauft werden kann. Der Zuspruch der Bevölkerung für die städ⸗ tische Warenabgabe wird in 12 Tagen 4 5 avflauen und wer dann kommt, hann bequemer seinen Bedarf decken. Es ist unbedingt nötig, den Steuerzettel(am besten den fag des Auch vorzulegen, da 175 nach dem Veschluß des Ausschusses bei dem Verkauf verfahren wird.

reich We die Personen, die nach stundenlangem War⸗ ten keine Ware erhielten, weil sie 15 über ihre Einkommen⸗ e nieht ausweisen kennten. Unstatthaft st es, wenn jemand sich dazu hergibt, mit mehreren Steuer⸗ zetteln ausgerüstet, angeblich für Freunde und Nachbarn einzukaufen. Es ist unter anderem vorgekommen, daß eine Frau fünfmal 5 Pfund Seife verlangt hat und dadurch den