Ausgabe 
(7.12.1915) 288. Erstes Blatt
Seite
43
 
Einzelbild herunterladen

N

3 schiffe auf der Höhe von Ari Burnu wurden durch unser Feuer gezwungen, sich zu entfernen. Bei Sedd⸗ül⸗ Bahr zerstörten am 4. Dezember zwei Minen, die wir vor unserem rechten Flügel zur Entzündung brachten, eine feindliche Gegenmine. Der Feind eröffnete darauf ein heftiges Infanteriefeuer gegen diesen Flügel, warf mehrere Bomben und beschoß sodann zwei Stunden lang un⸗ unterbrochen unsere Stellungen. An der Beschießung nahm auch ein Monitor teil und ein Panzerkreuzer. Auf dem linken Flügel schwaches Infanteriefeuer. Der Feind warf dorthin eine große An⸗ zahl Torpedos. Unsere Flugzeuge setzten die Erkundungsflüge und die Angriffe mit Erfolg fort. Der Kriegsflugzeugführer Leut⸗ nant v. Hansen und der Beobachter von Schiltmigen warfen Bomben auf einen feindlichen Monitor und zwangen ihn, das Feuer einzustellen und sich zurückzuziehen. Im übrigen ist nichts zu melden.

Russische Einberufungen⸗

Petersburg, 6. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Mel⸗ dung der Petersburger Telegraphen-Agentur. Durch kaiser lichen Ukas wird die Einberufung des Jahrganges

1917 für 19156 befohlen. *

1*

Der eiserne Emmich in Lüttich.

Lüttich, 6. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Gestern fand im großen Ehrenhof des Gouvernements(Palais de Justice) in Gegenwart des gesamten Offizierkorps und von Vertretern der Zivilbehörden die feierliche Einweihung des Eisernen Emmich statt, einer kunstvoll ausgeführten Relieftafel mit dem Bildnis des Eroberers Lüttichs. Der Ertrag der Nagelung ist für die Nationalstiftung zugunsten der Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen bestimmt. Der Gouverneur von Lüttich, Graf von Schulenburg, forderte in warm empfundenen Worten zu reger Beteiligung an diesem Werke des Friedens auf und schlug den ersten Nagel ein. Ihm folgten der Präsident der Zivilverwaltung, Geheimrat Hor⸗ ning, der Kommandant der Festung Lüttich und Flügel⸗ adjutant des Kaisers Oberst Graf von Soden und andere Sa Offiziere und Angehörige der deutschen Kolonie üttichs.

Das schweizerische Bundesparlament.

Berlin, 7. Dez. Aus Zürich wird demBerliner Tage⸗ blatt gemeldet: Das schweizerische Bundes parlament tritt heute zusammen, um den Präsidenten der Republik für 1916 zu wählen. Präsident wird der französische Schweizer Decoppet, bisher Leiter des militärischen Departements im Bundesrat, zum Vizepräsidenten wird Schultheß, oll lichen Departements ernannt. Der zurücktretende Präsident Motta bleibt weiter Chef des Departements für Zoll und Finanzen.

Der Seekrieg.

Marseille, 6. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Neuterschen Bureaus: Der DampferVille d Alger von Tunis hat elf gerettete Matrosen eines englischen Damp⸗ fers gebracht, der torpediert worden ist. Mit dem italie⸗ nischen DampferBologna sind sechzehn Mann der Besatzung des torpedierten italienischen DampfersDren⸗ tino angekommen.

Briefe vom serbischen Kriegsschauplatz.

Telegramm unseres zum serbischen Kriegsschauplatz entsandten Berichterstatters. Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Eine Unterredung g mit dem Ex⸗Ministeryräsidenten M. J. Petrovice.

. Der Hotelwirt des Kragujevacer Hotels Takowo schloß mich sehr ins Herz. Er titulierte mich Bratjemoj,meinen Bruder, und schilderte in lebendigen Farben all das elend, das sie in den letzten vier Jahren mitmachen mußten: ma, mein Bruder, was mit uns geschehen wäre, wenn nicht der Gosbodinminister unsere Sache in die Hand genommen hätte. Gewiß nur ihm können wir die Rettung der Stadt und unser Leben verdanken.Wer ist dieser Minister, von dem du sprichst? fragte ich ihn, worauf ich erfuhr, daß Minister⸗Präsident Petrovic, der einstige Intimus des Königs Milan, in der Stadt weilt. Selbstredend war mein erstes Tun, den einstigen Lenker der Geschichte Serbiens aus der guten, alten Zeit gufzusuchen. Der Wirt begleitete mich hin, und nach etwa vierkelstündigem Marsche öffnete sich die Tür eines eben⸗ erdigen, kleinen Landhauses, sauber, weiß getüncht, mit grünen, heimlichen Jalousien vor mir. Ich stand inmitten des geräumigen, reinlichen Hofes und wurde von einer hochgewachsenen Dame nach meinem Begehren gefragt. Die Dame spra 125 deutsch, sogar mit Wiener Ak, auf mein Befragen erzählte sie mir, daß sie

zent, und

selbst Wienerin sei und erst bei ihrer Verehelichung nach Serbien

gergten ist. Dann lief sie in das Haus hinein, und bald darauf erschien ein älterer, rüstiger Herr beim Treppenaufgang und hieß

1 2 willkommen.Was wollen Sie. mir hören?

erkundigte er sich, als wir in seinem Besuchszimmer uns gegen⸗

über saßen. Natütrlicherweise interessierte es mich am meisten, wie

Nees in den letzten Tagen der Serbenherrschaft in Kragujevac aus⸗

gesehen hat, und so erfuhr ich im Laufe des Gespräches folgendes:

Anfangs September hatte noch niemand eine Ahnung davon,

daß der Krieg, der seit so langen Monaten 8 hatte, auch hier

wieder neu aufflammen wird. Seit vielen Monaten ruhte ja der

Kampf zwischen Oesterreich und Serbien vollständig. Beiderseits

schien man wenig angriffslustig zu sein, und so zog ein Teil der

Truppen herunter nach Albanien, um den Weg zur See zu öffnen.

Selbst Ende September lebte man in dieser Ahnungslosigkeit, und

es wurden Anordnungen getroffen, daß der Schulunterricht in

ganz Serbien anfangs Oktober zu beginnen hat. Plötzlich kam der

Ueberfall. Bei dem damaligen Stand der Dinge konnte Serbien

wenig Aussicht haben, dem gleichzeitigen Angriff Oesterreichs,

Deutschlands und Bulgariens mit Erfolg Widerstand leisten zu

können. Die serbische Armee flutete zurück, und bald stand der

Feind vor Kragujevac. Bekanntgegehen wurde natürlicherweise

seitens des Militkrs nicht, daß die Stadt aufgegeben werden sollte.

Aber alle Anzeichen sprachen dafür, Alles Abschaffbare wurde aus der Stadt geführt, und alls den Allgemeinbewegungen der Armee konnte man erkennen, daß es bald zum Räumen der Stadt kom⸗ men würde Der Kommandierende der hiesigen Armee war Ge⸗ neral Schifkowito, derselbe, der Belgrad perteidigt hat. Doch ob⸗

zwar der Rückzug augenscheinlich war, konnte man weder am Mili⸗

tär, noch an den Offizieren irgendwelche Zeichen der Verzagtheit

wahrnehmen. Die 5 der Armee erfolgten in der größten

Ordnung und ungebrochenen Mutes. Man sprach zwar davon,

daß derzeit die Sachen nicht gut stehen, doch wurde dios als etwas

nur Vorübergehendes betrachtet, und zuversichtlich baute man dar⸗ auf, daß mit Hilfe der Entente 1105 alles zum Bessern wenden würde. Nachdem die Spitze der Zivilverwaltung die Stadt ver⸗ llassen hatte, trat die zurü⸗ ebene 1 7 355 und ütbertrug mir einstimmig die Leitung aller Geschäfte.

4 Der Weg, den ich einzuschlagen hatte, war mir klar. Ich forderte die grsamte Bevölkerung auf, ruhig an der Scholle zu bleiben und verbürgte mich dafür, daß, wenn wir die Stadt den beutschen Truppen ordnungsgemäß übergeben, Leben und Ver⸗ mögen der Bevöllerung t werden wird. Auf mein An⸗

raten verließ auch der größere Teil der Bevölkerung die Stadt

icht, sondern erwartete ruhig, meinen Versicherungen pertrauend, den Einzug der Sieger. Ich ien in Begleitung mehrerer vor⸗ nehmer Burger, ging den deutschen Truppen entgegen, um ihnen die Stadt zu Übergeben, wie auch ihren Schutz für die Bevölkerung

der Leiter des volkswirtschaft⸗⸗

Stadt ein. Eine große Sorge hatte ich. In der Stadt trieben sich, seit dem Abzug der serb schen Truppen, fünfzehn Komitatschis herum, die ere Bevölkerung arg bedrängten und frei ihr Un⸗ wesen in der Stadt trieben. Demzufolge bat ich das deutsche Kom⸗ mando, zur e dieser Bande Vorsorge zu treffen, da ich nur für die Bevölkerung, aber nicht für die Räuber garantieren konnte. Zum Glück geschah nichts. Es gelang, diese Bande aus der Stadt zu vertreiben, bevor sie irgend eine völkerrechtswidrige Handlung gegen die Armee unternommen hatte. Nun warte ich und mit mir ganz Serbien die weitere Entwicklung der Dinge ah. Daß es so kommen mußte, wie es kam, wußte ich schon da⸗ mals, als es der russischen Diplomatie gelungen war, den un⸗ lücklichen König Mexander in die Ehe mit Draga hineinzur iten ch sprach mit Ranig Milan dama s üzer dle Ehe und sag e: Majestät, Ihr Sohn ist verloren. Nuß and märd ihn jetzt 5 len lassen, nachdem sie es erreicht haben, daß Oesterreich ihr fallen ließ. Und jetzt nach der Heirat wird er weder in Wien nog in Petersburg empfangen werden. Meine Voraus age traf ein. Mit dre vollendeten Tatsache der Heirat kannte der Zar den Fönig von Serbien nicht mehr, und nun rollte der in Schwung eratene Felsen immer tiefer in ben Abgrund. Das Ende wissen

ie! Da begann in Serbien diese terroristische Wirtschaft der radi⸗ lalen Partei, die uns Lüberalen, die das Heil des Landes in der Freundschast mit den Zentralmächten suchten, von der Leitung der Geschicke dieses unglücklichen Landes verdrängte und bei den panslawistischen Apostolen Rußlands eine energische Unterstützung fand. Es wäre aber verfehlt, zu glauben, daß in Serbien die liberale Partei jeden Boden ganz verloren hat. Nein! Sie hatte immer einen starken Rückhalt beim Volke, nur konnte sie wäh⸗ rend der Gewaltherrschaft, in der jede Freiheit und freie Willens⸗ äußerung verboten war, nicht zur Geltung kommen. Auch bei dem Volke war und blieb die Achtung für die große Nachbarmonarchie immer lebendig, die Liebe ür den Kaiser von sterr ih immer aufrichtig und warm So können Sie es auch verstehen, daß der N deutsch⸗österreichischen Armeen im Innern des Landes ein herzlicher war. Man emrfing sie nicht as e un) jetzt hat das Volf nur einen Wunsch: nach vier gräßlichen Kriegsjahren zur Ruhe zu kommen, um das einzuholen, was in den Krieg jahren verfäumt wurde. Was in der Zukunft geschieht, weiß niemand. Wenn es zur Regelung der inneren Verhi tnbse Ser⸗ biens kommen wird, so kann dies nur mit Zuhilfenahme der alten liberalen Partei geschehen, deren ganze Vergangenheit verbürgt, daß das zukünftige Serbien so eine Gestaltung nehmen wird, wie dies den Interessen der Zentralmäch'e entspricht, da ja auch die wahren Interessen Serbiens die gleichen sind Der Mann, der mir das sagte, hatte durch 35 Jahre die trad tionell» Freund⸗ schaft mit Oesterreich gepflegt. und darum sind seine Worte die einen Teil seines politischen Programms bi den, wichtig u: d ese Zeit, wenn die Kanonen verstummen und wieder die kühle er⸗ wägende Vernunft mit den Mitteln der Kultur zum Aufbau der Zukunft schreitet.

Dr. Stephan Steine. Kriegsberichterstatter.

Aus dem Reiche.

Die Lebeusmittelfragen.

Berlin, 6. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Bei der weiteren Beratung der Lebensmittelfragen in der heutigen Sit⸗ zung des Hauptausschusses des Reichstages behielt sich der Staatssekretär des Innern Dr. Delbrück die Besprechung verschiedener Fragen für die Einzelberatung über die eingebrachten Anträge vor Er wandte sich gegen die Behauptung, daß die Land⸗ räte bei der Durchführung der Kartoffelverordnungen versagt hätten, sie seien vielmehr manchmal darüber hinausgegangen. Die Frage der Versorgung mit Fetten sei schwierig; er halte eine Rege⸗ lung der Verteilung für notwendig. Die aus beschlagnahmten Rohstofsen erzeugte Margarine im Preise von 1 Mark 40 Pfennig für das Pfund sei noch nicht auf den kt gekommen; sie werde den Gemeinden zur Versorgung von Minderbemittelten überwiesen werden. Eine Verordnung, durch welche die Ueberschüsse großer Molkereien entsprechend verteilt werden, werde demnächst erlassen werden; eine dauernde Regelung des Buttermarktes könne, da seine Verhältnisse sich matische Verordnung nicht erreicht werden. Der Staatssekretär des Reichsschatzamtes Dr. Helfferich wies an einem reichen Zahlen⸗ material nach, daß die Kosten des Lebensunterhaltes im feind⸗ lichen Auslande viel stärker gestiegen seien als bei uns, besonders diejenigen für Kartoffeln. Den Bemühungen der verbündeten Regierungen um die Erleichterung der Lebensunterhaltung im Reiche zögen die Verhältnisse gewisse Grenzen, welche man bei der Beurteilung dieser schwierigen Fragen nicht unbeachtet lassen dürfe.

In der weiteren e erklärte der Staatssekre⸗ tär des Innern, es 1 der Durchführung der Verordnungen über die Lebensmittelversorgung nicht zuträglich, wenn sie so⸗ gleich nach ihrem Erscheinen mit ätzender Kritik über⸗ schüttet worden. Die Reichsgetreidestelle habe auf das Mahl⸗ ut der selbstwirtsckaftenden Kommunalverbände keinen Ein⸗ luß und könne angesichts des verhältnismäßig geringen Quan⸗ tums, welches ihr zur Verteilung an die Mühlen zur Verfügung stehe, nicht 3000 Mühlen beschästigen. Wegen des Heeresbedarfes sei es unmöglich, die Nachtarbeit unbedingt zu verbieten. Die allgemeine Aussprache über Ernährungsfragen ist damit beendet. Morgen werden die einzelnen Anträge dazu behandelt. Berlin, 6. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Auf Grund einer Verordnung des Bundesrats wird über die Regelung der Preise für Gemüse, Zwiebeln und Sauerkraut bestimmt, daß im Grofthandel für 50 Kilogramm frei nächste Verladestelle einschließlich Verpackung folgende Preise nicht überschritten werden dürfen: Für Weißkohl(Weißkraut) 2,50 Mk., Rotkohl(Blaukohl) und Wirsingkohl Savoherkohl) 4,50 Mk., Grünkohl(Braun- oder Krauskohl) 3 Mk., Kohlrüben(Steckrüben und Wrucken) 2,50 Mk., Mohrrüben(rote und gelbe Speisemöhren, auch gelbe Rüben genannt) 5 Mk., Zwiebeln 6 Mk., Sauerkraut b 5 12 Mk.

nsoweit für Gemüse, Zwiebeln und Sauerkraut Höchstpreise im Fleinhandel estgesetzt werden, dürfen sie folgende Sätze für das Pfund beste re nicht e Für 5p 5 Pfennige, Rotkohl 7 Pfg., 1 und Grünkohl 6 Pfg., Kohlrüben 5, Pfg., Mohrrüben 8 Pfg., Zwiebeln 15 Pfg., Sauerkraut 16 Pfg. Diese Bestimmungen treten mit dem 13. Dezember in Kraft. Auf Grund einer Verordnung des Bundesrats wird über die Regelung der Preise für Süßwassersische bestimmt, daß beim Verkauf im Großhandel am Berliner Markte für 50 Kilo⸗ gramm Reingewicht einschließlich der Verpackung folgende Preise nicht überschritten werden dürfen; Bei Karpfen 105 Mark, Schleien 125 Mk., Hechten 110 Mk., Bleien oder Bracksen von 1 Kilo⸗ 1 55 und darüber 80 Mk., dieselben unter 1 Kilogramm 60 Mk.,

lözen und Rotaugen von einem pfünd und darüber 60 Mk., dieselben unter einem Pfund 50 Mk. Die be im Klein⸗ handel dürfen für das Pfund nicht übersteigen bei Karpfen 1,30 Mk., Schleien 4.50, Hechten 1,25, Bleien von einem Kilogramm und darüber 1 Mk., dieselben unter einem sdilogramm 0,75 Mf., Plötzen und Rotaugen von 1 Pfd. und darüber 0,75 Mk., dieselben unter einem Pfund 0,35 Mk, Die vorstehenden Sätze ermäßigen sich 18 8 121 19 1 W 1 ene treten am

8. 4 in Kraft.(Notiz: Die Gemüsepreise ge i weiteres für Elsaß⸗Lolhringen ee

Berlin, 6. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Durch Be kanntmachung des Stellvertreters des Reichskanzlers wird bestimmt: Wer von der Zentraleinkaufsgesell⸗ schaft m. b. H., Berlin, ausländissche Butter zu einem Preise als dem Höchstpreis bezieht, darf beim Weiterverkauf den Höchstpreis entsprechen Die Landes Vertrieb u erlassen.

tralbehörden können Bestimmungen über den die Preisstellung dieser Butter im Kleinhandel

* Die Vieheinfuhr nach Deutschland. Köln, 6. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) DieKölnische Zeitung meldet aus Konstantinopel: Die türkische Regierung hat dem deutschen Verlangen betreffend die

8 erbitten. Die Kapitulation wurde angenommen, und so zogen ie Sieger, von der ganzen Bevölkerung freudig begrüßt, in die

Vieheinfuhr nach Deutschland zugestimmt.

ortwährend änderten, durch eine syste⸗

überschreiten.] Pf

Aus Bessen. 5 rb. Darmstadt, 6. Dez. Der Landtagsabgeordnete Oberamtsrichter beim hiesigen Landgericht II Rud olf Wünzer ist mit Wirkung vom 1. Februar 1916 ab zum Oberstaatsanwalt der Provinz Starkenburg ernannt worden. Oberstaatsanwalt Wünzer war lange Jahre im Odenwald als Richter tätig und bat sich während dieser Zeit 5 all⸗ gemein das Vertrauen seiner Mitbürger erworben, er im Herbst 1913 nach dem Ableben des Landtagsabg. Dr. Heidenreich als Kandidat der nationalliberalen Partei für den vierten Starkenburgischen Wahlkreis(Wald⸗Michelbach) mit großer Mehrheit zum Mitglied des Landtags gewählt wurde. Durch seine Beförderung in ein höheres Amt erlischt am 1. Februar n. J. sein Mandat, doch ist wohl kaum ein

h Zweifel, daß er bei den Neuwahlen im Herbst 1916 wieder

kandidieren und wiedergewählt werden wird, da er sich in der zweijährigen Tätigkeit bereits als ein ebenso rühriges, wie kenntnisreiches und sachkundiges Mitglied der Zweiten Kammer erwiesen hat.

r

Aus Stadt und Land. 79 Gießen, 7. Dezember 1915.

Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) 5

* Heldentod. Kriegsfreiw Ernst Stein, Res.⸗Inf. Regt. 116 aus Hungen. Musk. Heinr. Hreck, Inf.⸗Regt. 838 aus Straßebersbach. Landsturmmann Wilh. Schäfer, Landst. Battl. Gießen aus Schlitz. Musk. Adolf Frank, Inf⸗Regt. 64 aus Beienheim. Ers.⸗Res. Gg. Becker, Inf.⸗Regt. 251 aus Appenrod. Unteroff.(Landst.⸗Pionier) Gust. Kleinjung, aus Marburg..

*

Auszeichnung. Der Sanitätsunteroffizier stud, med. Heinrich Spitznagel, Inf.⸗Regt. 116, wurde mit dem Eiser⸗ nen Kreuz ausgezeichnet. 1

I. U. Von der Landesuniversität. Der außer⸗ ordentliche 61 an der thevlogischen Fakultät zu Göt⸗ tingen Dr. Bousset ist an Stelle des am J. Dezember 1915 in Ruhestand getretenen Geh. Kirchenrats Professor Dr. Baldensperger zum ordentlichen Professor an unserer theologischen Fakultät mit Wirkung vom 1. April 1916 ernannt worden.

: Paul Rohrbach in Gießen. Lic. Dr. Paul Rohrbach, der bekannte vaterländische Schriftsteller und Politiker, wird, wie wir hören, auf e des Vereins der Fortschrittlichen Volkspartei am 13. Dezember hier einen Vortrag halten über das aktuelle Thema Die Brücke zum Orient. Näheres wird dem⸗ nächst bekanntgegeben. Siehe auch Anzeige in heutiger Nummer.

Amtliche Personalnachrichten. Der Groß- herzog hat am 1. Dezember d. Is. dem Pfarrer Georg Lan d⸗ mann zu Burkhards die evangelische Pfarrstelle zu Alsheim übertragen. Der Großherzog hat am 6. Dezember d. Is. den Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt II. Rudolf Wünzer zum Oberstaatsanwalt am Landgericht der Provinz Starkenburg, mit Wirkung vom 1. Februar 1916, ernannt.

* Der städtische Kolonialwarenhandel im alten Schulhause an der Neustadt hatte gestern nicht nur einen großen, sondern einen Riesenerfolg. Der Zu⸗ drang zu der Einkaufsstelle, die nachmittags um 2 1 e Pforten für den Verkehr öffnete, war derartig, daß bei ginn der e nicht nur der Verkaufsraum, son⸗ dern auch der 185 ich große Hausgang, der lange Vorplatz bis zur Fahrbahn der Neustadt, derartig gedrängt von Menschen war, daß ein Wiederhinauskommen aus dem Raum des Hauses c fe pa unmöglich war. Doch unsere i ich nach Prüfung der Situation bald zu helfen. Wer abgefertigt war, stieg einfach zum Fenster hinaus auf die Straße, obschon dies auch seine Schwierig⸗ leiten bot und bei vielen der mit Korb und Tasche beladenen Frauen nicht gerade sehr hübsch aussah. Da man zu dem Verkaufsraum doch nicht hinein konnte, stellte sich die später immer noch zuströmende Kundschaft auf die Straße und vergnügte 1 über die Bilder der unfreiwilligen Ko⸗ mik, welche die Geschichte unbeabsichtigter Weise bot. Da⸗ bei wurde denn auch von den erörtert, wie man 8 geschäftlichen Andrang bei dem städtischen Waren⸗ verkauf verhindern kann, bis endlich eine vernünftige Frau mit dem Brustton der Ueberzeugung erklärte, alle Organi⸗ sation sei Quatsch, wer solch Gedränge nicht mitmachen wolle, der solle in den Laden gehen und einkaufen. Das Drücken und Gedrücktwerden gehöre nun einmal dazu. Die

ale Mühe Drünund im Verkaufsraum gab sich zwar alle Mühe, Ordnung in das Gedrück der Küuferinnen zu bringen. Ein Schutzmann als Ordner

5 den inneren Verkehr war bald 120 Stelle, ein zweiter Schutzmann bildete den Ordner im Aeußern und ein städtischer Arbeiter ließ schließlich zur Tür nur soviel Personen vom Hausflur in den Verkaufsraum eintreten, daß dieser immer nur soweit efüllt blieb, daß der Rückweg der bedienten Kunden durchs Fee auf die Straße vermieden werden konnte. Gegen

Uhr erschien der Chef des städtischen Kaufhauses, Stadt⸗ baurat Braubach, und verstand es mit wenigen Worten, den Knäul von Menschen vor dem Verkaufsraum zu ent⸗ wirren. Er erklärte, es sei ja 3 1 10 eute noch alle zu bedienen, oder man müsse bis 10 Uhr a 8 ver kaufen. Es sei ja von jeder Warengattung ein gewal⸗ tiger Vorrat vorhanden, so daß er vorläufig nicht ausverkauft würde. Er verspreche, am nächsten Tage soll den ganzen Tag hindurch die a der Ware vor sich gehen. Wer vernünftig sei, omme daher am anderen Tage wieder. Die Worte schlugen durch. Mindestens 300 Frauen gaben Raum und zogen ab, aber ebenso schnell sammelten sich neue Kauflustige. Der Handel selbst wickelte sich flott ab, so daß innerhalb 4 Stunden etwas mehr als 450 Posten umgesetzt werden honnten. Dabei half allerdings Stadtbau⸗ rat Braubach tapfer mit. Es war bei der Vielseitigkeit der Artikel, in denen die Käufer sich nach allen Regeln der Kunst hübsch sortierten, gar nicht etwa eine einfache Ab⸗ fertigung. Dabei hatten zwei Personen nur damit zu tun, die einzelnen Waren auf Vorrat abzupfunden. Seife wurde nur immer in 5⸗Pfund⸗Posten gefordert. Käse, der übri⸗ gens pikfein ist, von/ Pfund⸗ bis zu 2⸗Pfund⸗Posten. Beim Reis, der nur in 2 Pfund an einen Käufer gegeben wer⸗ den sollte, halfen sich die Flac e damit, je 2 Pfund 1. Sorte und 2. Sorte zu kaufen, bis der Chef des Hauses die Absicht merkte, verstimmt wurde, und einfach erklärte: Reis ist Reis, es geht nicht, wir dürfen nur immer zwei und davon abgeben. Interessant ist, daß tatsächlich fest⸗ N wurde, daß bei dem gestrigen Andrang Frauen von

Uhr bis nach 5 Uhr ge en haben, ehe sie sich mit städtischer Ware versehen nten. Der Umsatz im ganzen soll gestern nahe an 3000 Mark betragen haben.

Familien von Friegsteilnehmern und Hinterbliebenen sind schon einmal darauf hingewiesen worden, daß einige Hundert Schweizerfamilien sich bereit erklärt haben, zunächst während des Krieges resp. bis zur Beendigung von Notlagen deutsche Kinder unentgeltlich auf⸗