Ausgabe 
(30.11.1915) 282. Erstes Blatt
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Publikum. Knapp nach 12 Uhr erschien der König, gefolgt von dem Kronprinzen und sämtlichen Mimistern, stürmisch von dem

anzen Hause begrüßt. Nachdem der König die Thronrede mit den 5Meine Herren Senatoren und Deputierten eingeleitet hatte, ertönte aus einer Ecke, in der auch der Abgeordnete Mille, der Herausgeber der russisch gesinnten ZeitungenDimineatza undAdeverul stand, ein nicht sehr weit vernehmbarer Ruf Nieder mit der Regierung!, dem indessen von dem ganzen Hause mit stürmischen Hochrufen auf den König erwidert wurde. Nach wenigen Minuten fuhr der König in der Verlesung der Thronrede fort. Noch ein zweitesmal wurde aus derselben Ecke eine örung durch einen Ruf gegen die Regierung versucht. Er wurde wieder beantwortet von demonstrativem Beifall des ganzen Hauses. Während der Verlesung der Thronrede wurden die Stellen, die von den Interessen sprechen, deren Wahrung die Aufgabe des Heeres sei, ferner die Stellen, die zur Einigkeit im Innern mahnen, mit starkem Beifall auf⸗ genommen, an dem das ganze Haus mit wenigen Ausnahmen, zu denen Filipescu zählte, sich beteiligte. Nach der Verlesung der Thronrede folgte minutenlanger Beifall, der sich immer wieder erneuerte und deutlich zeigte, daß die anwesenden Parlamentarier jede Deutung, als ob es sich bei dem Störungsversuch um etwas anderes als um das Auftreten eines Einzelnen handelte, beseiti⸗ gen wollten. Es ist bezeichnend, daß sich an dem Beifall das ganze Haus beteiligte. Die Störung war von Mille verursacht worden, der dafür von einem neben ihm stehenden Abgeordneten eine Ohrfeige erhielt und nach der Sitzung von mehreren Ab⸗ geordneten verprügelt wurde.

. Aus Griechenland.

Athen, 29. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Die Antwort der griechischen Re⸗ . auf die letzte Note des Vierverbandes ist gestern en Vierverbandsmächten übergeben worden.

Athen, 29. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Das Presseburegau teilt mit: Die Vertreter der Mächte des Verbandes haben sich gestern zum Minister des Aeußeren begeben und unter⸗ breiteten ihm im freundschaftlichen Geiste gewisse Forderungen, wobei sie zugleich den Wunsch ausdrückten, daß diese angenommen würden. Die Forderungen beziehen sich auf Ex⸗ leichterungen für die Truppen des Vierverbandes in Salo⸗ niki. Der Minister nahm die Forderungen der vier Mächte zur Kenntnis und behielt sich vor, zu gelegener Zeit darauf zu ant⸗ 1 Berlin, 29. Nov.(Priv.⸗Tel.) DieB. Z a. M. meldet aus Budapest: In Griechenland haben die Wahlkämpfe begonnen. Gunaris wird auf seiner Agitationsreise, Kreta und Inseln und die mazedonischen Gebiete auffuchen. In Salonik kandidiert Skuludis, Veniselos zog seine Gegenkandi⸗ datur zurück. Er wolle nirgends auftreten.

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Der türkische Bericht.

Honstankinopel, 29. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) An der Jrakfront konnten die Engländer unter dem Drucke unserer Verfolgung ihren Rückzug noch nicht einstel⸗ len. Der Bericht über die auf diesem Kriegsschauplatz aus⸗ gefochtene Schlacht gibt folgende Einzelheiten: Am 24. No⸗ vember verhinderten unsere fortwährenden Gegenangriffe bis zum Abend die feindlichen Abteilungen, sich in unseren vorgeschobenen Stellungen einzurichten, in die sie eingedrungen waren. Am 25. November verjagten wir durch kräftige Angriffe, die bis zum Abend währten, den Feind aus diesen Stellungen. In derselben Nacht wurde eine andere Abteilung, die den feindlichen Rückzug bedrohte, gleichfalls an die Front geworfen. Die Engländer mußten sich eilends zurückziehen. Der Feind ließ eine große Zahl Ver⸗ wundeter und Toter, sowie Tiere und Kriegsmittel aller Art auf dem Schlachtfelde zurück. Wir zählten über tausend Leichen des Feindes, darunter den Befehlshaber der englischen Reiterei. Wir erbeuteten drei Maschinengewehre, eine Fahne, Waffen, Ge⸗ schosse, Telegraphenapparate und Kriegsgerät. Freiwillige un⸗ serer Verfolgungsabteilungen erbeuteten Kriegsgerät und sonstige Gegenstände, die der Feind bei seinem Rückzug zurückgelassen hatte. An der Kaukasusfront nichts wesentliches. Ein Teil unserer Flotte versenkte im nordöstlichen Teile des Schwar⸗ zen Meeres vier russische Segelschiffe und zwang ein

teidigungsarbeiten in den an dieser Küste gelegenen Häfen wurden durch die Beschießung gestört. An der Dardanellenfront beschoß unsere Artillerie wirksam die feindlichen Stellungen bei Anasorta. Die feindliche Ar⸗ ttillerie antwortete mit Unterstützung zweier Panzerkreuzer. Ein . feindlicher Monitor eröffnete ein unwirksames Feuer nach verschie⸗ denen Richtungen. Nachmittags beschossen zwei Panzerschiffe Ka⸗ mikli Liman und ein Kreuzer Ari Burnu, vermochten aber eben⸗ sowenig wie die Artillerie einen wesentlichen Schaden anzurichten. Bei Ari Burnu zerstörte unsere Artillerie in der Nähe von Kanli⸗ sirt einen feindlichen Schützengraben, der mit Stahlschutzschildern versehen war, und zwei Stellungen für Handgranatenwerfer. Ein Kreuzer und feindliche Haubitzen erwiderten wirkungslos. Ber Sedd⸗ül⸗Bahr Handgranatenwerfen mit Unterbrechungen. Im Ar⸗ tilleriezweikampf vor unserem linken Flügel traf eine von uns zur Sprengung gebrachte Mine auf eine feindliche Mine. Dort auch Kampf mit Handgranaten und Gewehrfeuer. Wir zerstörten eine feindliche Mine. Späterhin zerstörte unsere Artillerie auf diesem Flügel eine feindliche Minenwerferstellung.

Die Lage in Persien.

Konstantinopel, 29. Nop.(WTB. Nichtamtlich.) Hier

Regt folgender zuperlässiger Drahtbericht über die Lage in Per⸗ sien vor: Seit mehreren Jahren stehen bekanntlich russische Trup⸗ pen in Nordpersien, angeblich zum Schutz gegen Unruhen,

in Wahrheit aber, um ohne jeden Rechtsgrund die Okkupation des Landes vorzubereiten und in Teheran die russischen Kreaturen

zu stützen. Die neuerdings erfolgte Berufung angesehener Pa⸗ trioten in das persische Ministerium hat den Generalgouverneur im Kaukasus, den Großfürsten Nicolai Nicolajewitsch, veranlaßt, ohne weiteres den Vormarsch russischer Truppen von Kaswin auf die Hauptstadt Teheran zu befehlen, um den Sturz des Kabinetts zu erzwingen und den Russenfreund Ferma wieder ans Ruder zu bringen. Geplant war gleichzeitig die Gefangen⸗ nahme aller nationalistischer Parlamentarier und die Beseitigung der an der Spitze der persischen Gendarmerie stehenden und dem Schah treu ergebenen schwedischen Offiziere. Die völlig über⸗ bpvaschte 1 mit dem Schah an der Spitze entschloß sich, der russischen Vergewaltigung auszuweichen und provisorisch den Sitz des Gouvernements nach der etwas südlicher gelegenen Stadt Kum zu verlegen. Auf das im letzten Moment feierlich gegebene Ver⸗ ssprechen, die Truppen wieder zurückzuziehen, entschloß sich der Schah, in der Stadt zu verbleiben. Die Gesandten der Zentral⸗ mächte haben sich auf schriftliche Aufforderung der Regierung be⸗ reits nach Kum begeben, wo das Parlament und die Führer der Patriotenpartei schon versammelt sind. Der zum Frieden nei⸗ gende Schah scheint den Russen noch einmal Konzessionen machen zu wollen, um dem neutralen Lande einen Krieg zu er⸗ sparen. Er verlangt aber die Zurückziehung aller russischen und englischen Truppen. In Persien herrscht große Erregung. Zahl⸗ reiche Stämme und freiwillige Scharen haben sich in Richtung auf die Hauptstadt in Bewegung gesetzt, um den Schah gegen das bru⸗ tale und rücksichtslose Vorgehen der Russen zu schützen.

russisches Petroleumschiff, auf Grund zu laufen. Feindliche Ver⸗

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durch den die Militärdienstpflicht auf alle Stämme ausgedehnt wird. Danach werden diese im ersten Jahre 75000 Mann In⸗ fanterie und 5000 Reiter ins Feld stellen können.

Eine Verschwörung in Kairo.

Rom, 29. Nov.(WB Nichtamtlich.) Nach derTri⸗ buna wurde in Kairo eine Verschwörung entdeckt, die bezweckt, den neuen ägyptischen Sultan zu entthronen, die Minister zu stürzen, sowie der englischen Herrschaft ein Ende zu bereiten. Bisher seien 40 Personen verhaftet und 25 erschossen worden.

Kitchener auf Reisen.

Paris, 29. Nor(WTB. Nichtamtlich.) Kikchener ist auf der Rückreise von Rom hier eingetroffen. Poincar s hat den russischen General Dschilinski empfangen.

der Seekrieg.

Berlin, 29. Nov.(Priv.⸗Tel.) DasBerliner Tageblatt meldet aus Lugano: Unweit des Kaps Sandalo auf Sardinien ist der französische DampferAlgérien von einem U-Boot ver⸗

senkt worden. Aus dem Reiche.

Wirtschaftliche Maßnahmen des Bundesrats.

Berlin, 29. Nov(WTB. Amtlich.) Der Bundes⸗ rat beschloß in seiner heutigen Sitzung eine Verordnung, in der bestimmt wird, daß die Verordnung zur Regelung der Preise für Schlachtschweine und Schweinefleisch vom 4. No⸗ vember 1915 auf aus dem Auslande eingeführte Schweine und frisches Schweinefleisch und Fett, das aus dem Auslande ein⸗ geführt wird, keine Anwendung findet. Den Landeszentralbehör⸗ den ist es überlassen, Bestimmungen über den Vertrieb dieser Waren zu treffen. i

Berlin, 29. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) In der heu⸗ tigen Sitzung des Bundesrats gelangten zur Annahme die Aenderung der Verordnung zur Regelung der Preise für Schlachtschweine und Schweinefleisch vom 4. No⸗ vember 1915 und eine weitere Aenderung der Bekanntmachung über die Regelung der Nartoffelpreise vom 28. Okt. 1915. Die Bekanntmachung über die Kartoffelhöchstpreise vom 26. Ok⸗ tober 1915 gab die Möglichkeit, Kartoffeln bei Landwirten zu enteignen. Es 1 die Einschränkung vorgesehen, daß die

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Enteignung sich auf höchstens 20 vom Hundert der gesamten Kartoffelernte eines Kartoffelerzeugers erstrecken dürfe. Der Bundes⸗ rat hat nunmehr in der Sitzung vom 29. November den Landes⸗ zentralbehörden oder den von ihnen bezeichneten Behörden die Berechtigung gegeben, zu bestimmen, daß auch über mehr als 20 vom Hundert verfügt werden könne. Diese Behörden können also die in der Zwanzigprozentgrenze liegende Einschränkung teilweise oder ganz und gar aufheben. Ferner hat der Bundes⸗ rat verlangt, daß auf die Mengen, die enteignet werden können, nur die Mengen anzurechnen sind, die die Landwirte bereits nachweislich nach dem 10. Oktober 1915 als Speisekartoffeln verkauft und geliefert haben. Die Voraussetzung der Lieferung ist hierbei neu. 5 5 1 Berlin, 29. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) DerReichs⸗ anzeiger veröffentlicht eine Bekanntmachung, wonach die Grenz⸗ und Höchstpreise für Stroh erhöht werden für 1000 Kilogramm um je 15 Mk. für Stroh, das im De⸗ zember, um je 10 Mk. für Stroh, das im Januar und je 5 Mk. für Stroh, das im Februar geliefert wird. Der Höchst⸗ preis für Häcksel wird erhöht um 5 Mk. für 1000 Kilo⸗ gramm. Dieser Höchstpreis erhöht sich um 15 Mk. für Häcksel, der im Dezember, um 10 Mk. für Häcksel, der im Januar und um 5 Mk. für Häcksel, der im Februar geliefert wird. Diese Bestimmungen treten am 29. Nov. in Kraft.

Die Königin von Schweden in Karlsruhe. Karlsruhe, 29. Nov.(WTB. Nichtamtlich) Die Königin von Schweden ist heute abend 6 Uhr 21 Min. hier eingetroffen. Der Großherzog und die Großherzogin sowie die Großherzogin Luise waren zum Empfang am Schieß, und geleiteten die Königin zum Großherzoglichen

Schlo 5 Liebknecht. Berlin, 30. Nov. Die sozialdemokratische Reichstags fraktion hat lautVorwärts folgenden Beschluß gefaßt: Unter Umgehung und Ausschaltung der Fraktion geht Liebknecht durch Einbringung kurzer An⸗ fragen fortgesetzt seine e Wege, obwohl gerade diesmal weder zeitliche noch Hindernisse anderer Art vorlagen, die von ihm selbst mit aufgestellten Fraktionsbeschlüsse zu re⸗ spektieren. Die Reichstagsfraktion weist diese fortgesetzte Herausforderung durch Liebknecht aufs schärfste zurück und lehnt jede Verantwortung ab.

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Berlin, 30. Nov. Nach einer dem 5 den Denkschrift über wirtschaftliche Maßnah⸗ men aus Anlaß des Krieges beliefen sich die gezahlten Mindestsätze an Familienunterstützungen im August 1914 auf beinahe 27 Millionen, im September 1915 auf 94 Millionen Mark. Die fortgesetzte Steigerung der Be⸗ träge ist zum Teil auf die 10 Heranziehung zum Kriegs⸗ dienst zurückzuführen. Zum nicht. Teil beruht sie aber auch darauf, daß der Kreis der Unterstützungsberech⸗ tigten ständig erweitert worden ist.

München, 29. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Die Korre⸗ spondenz Hoffmann meldet: Der Minister des Aeußern Graf 175 tling begibt sich heute abend in Begleitung des Ministerial⸗ rates Dr. v. Müller und des Legationsrates Frhrn. v. Stengel für einige Tage nach Berlin.

Aus Stadt und Cand. Gießen, 30. November 1915.

Die Eisenbahn vom Siegerland zum Westerwald.

Am 1. Dezember wird die neue Eisenbahnlinie SiegenSiegen⸗Ost Haiger(Dillenburg) dem Verkehr übergeben und die bisher über SiegenBetz⸗ dorf nach Gießen und zurück fahrenden Schnellzüge nehmen vom genannten Tage ab diesen Weg, der die Fahrt von Siegen nach Frankfurt a. M. um rund 22 Kilometer ver⸗ kürzt. Durch die neue 9 deren durchgehender Güterverkehr bereits am 23. d. M. in Benutz genommen wurde, wird lang gehegten Wünschen Rechnung getragen. Trägt sie doch viel dazu bei, den bedeutenden Verkehr 9215 dem Ruhrkohlenrevier und den großen süddeutschen

andelsplätzen, insbesondere mit Frankfurt a. M., gan bedeutend zu beschleunigen, indem sie die Spitz⸗ kehreüber Betzdorf umgeht. Die durch ihren Berg⸗ bau bekannten Gebiete des Sauerlandes werden durch die Bahn mit der Dill⸗ und oberen Lahngegend, wo eine in fortwährendem Aufschwung befindliche Industrie blüht, in eine beiden Teilen günstige unmittelbare Verbindung ge⸗ bracht. Die Bahn ist von ausschlaggebender Wichtigkeit für die Erzbeförderung aus dem Lahn⸗ nach dem rheinisch⸗ westfälischen Industriegebiet einerseits und die Kohlen⸗ beförderung von Norden nach Süden andererseits. Sie hat

Konstantinopel, 29. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Wie die Blätter aus Teheran melden, hat der persische Kriegsminister

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insgesamt eine Länge von etwa 36 Kilometern, die sich etwa

zur Hälfte auf die Kreise Siegen und Dillenburg v dürften. Der Bau der 5 Bahnstrecke machte wegen dem gebirgigen Gelände große Schwierigkeiten. i sei be⸗ sonders der 2645 Meter lange Durchstich zwischen den Dör⸗ fern Rodenbach und Rudersdorf an der nassauisch⸗west⸗ 8 Grenze. Es ist dieses der viertlängste Tunnel in eutschland. In der ganzen Gegend sieht man der Eröff⸗ nung des Hauptverkehrs auf dieser neuen Bahnstrecke, mit der auch das umfangreiche romantische Gebiet des Schelder⸗ waldes, die oberen Seitentäler der Lahn, der Sieg und Dill dem Verkehr näher rückt, mit großer Freude und reichen Hoffnungen entgegen.

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Auszeichnungen. Leutnank d. R. Fritz Sauet aus Gießen, Führer einer Minenwerfer⸗Batterie im In⸗ haber des Eisernen Kreuzes, wurde mit der hessischen Tapfer⸗ keitsmedaille ausgezeichnet. Dem Vize ens⸗ heimer im Inf.⸗Regt. 116, Maschinengewehr⸗Kompagnie, wurde die hessische Tapferkeitsmedaille verliehen. Er ist be⸗ reits Ritter des Eisernen Kreuzes. Domänenpächter Lyncker vom Schiffenberg wurde auf dem westlichen Kriegsschauplatz mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

L. U. Ernennung. Der Privatdozent für Geologit Dr. Hermann Meyer wurde am 27. November zum außer, etatsmäßigen außerordentlichen Professor ernannt.

die Großherzogs⸗ Geburtstagsfeier, die in Brüssel von den dort weilenden Hessen veranstaltet wurde und über die wir schon am Freitag berichteten, nahm einen glänzenden Verlauf. Eine bei der Feier in Umlauf ge⸗ setzte Zeichnungsliste ergab einen so rei Ertrag, daß der Großherzogin die Summe von 1000 Mark für Zwecke der Fürsorge für die Hinterbliebenen gefallener, für ver⸗ wundete oder im Felde stehende Krieger hessischer Truppen zur Verfügung gestellt werden konnte. Auf ein dieserhalb an die Großherzogin gerichtetes Telegramm, 1 auf das an den Großherzog gerichtete Glückwunschtelegramm sind die folgenden Danktelegramme eingegangen: a

Bitte den He 1 me itte den Herren, welche meiner so freundli ch⸗ ten, aufrichtigsten Dank zu 15 5 Ernst Ludwig.

5 5 Darmstadt, 26. 11. 15.

Tief gerührt über das treue Gedenken spreche ich

Ihnen allen meinen herzlichsten Dank für die große

Spende für unsere Krieger und Hinterbliebenen der ge⸗ fallenen Krieger aus. Eleonore.

1 Kriegsteilnehmer und Hinterbliebene sind oft im Unklaren darüber, welche Ansprüche ihnen aus Militärversorgungsgesetzen, reichsgesetz⸗ licher Arbe lterdersiche rung Kriegswochen⸗ hilfe usw. zustehen und in welcher Weise sie diese Ansprüche geltend machen müssen. Der Leiter der gemeinnützigen Rechtsberatungsstelle des Evang. Arbeitervereins H. Hir

ner, der bereits in früheren Jahren durch Herausga

kleiner Broschüren auf dem Gebiete der Arbeiterver⸗ sicherung aufklärend gewirkt hat, hat die 1 500 die Ver⸗ sorgung der Kriegsteilnehmer und Hinterbliebenen wich⸗ tigsten Bestimmungen in einer kleinen Schrift zu⸗ sammengestellt, die zum Preise von 20 Pfg. in den hiesigen

Buchhandlungen zu haben ist.

Groß⸗ os 1 In ungefähr zweistündiger Darbietung verstand es der Vortragende, ein an liches Bild zu geben von den ungeheuren Schwierigkeiten, die un⸗ sere braven Truppen im Verein mit unseren Verbündeten zu Uber⸗ winden hatten, um die genannten Länder wieder zurückzuerobern. 7 1 1 i 1 1

atenkranze unseres Heeres, dessen ge un Herzen

schlat 0 lassen id ne 2 17 5 N Die Gr. eignisse jagen rängen es ist schwer, das Wichtigste von dem weniger Großen zu sondern, ja man übersieht manchmal die größten Ereignisse. Als solche nennt der Vortragende: Die Er⸗ stürmung von Lüttich, die Schlacht bei Tannenberg und den Durch⸗ bruch am Dunajec. Um aber die kriegerischen Ereignisse verstehen und in ihrer ganzen Größe würdigen zu können, ist es nötig, die geographischen, ethnischen und volkswirtschaftlichen Verhält⸗ nisse eines Landes zu kennen, von deren richtiger Einschätzung alle Erfolge bedingt 185 Was Galizien betrifft, so nimmt es eine eigenartige Stellung ein. Durch die Karpathen von Oester⸗ reich⸗Ungarn getrennt nur ein kleines Stück durch den Weichsel⸗ lauf geschützt, entbehrt es aller natürlichen Grenzen, die sich dem Einfall des Russenheeres hätten hindernd in den Weg stellen kön⸗ nen. Es ist infolge seiner Lage ein richtiges Brückenland zwischen dem Osten und Westen Europas. Kaufleute und Krieger sind hien . dem Lande ihre Spuren aufdrückend. Ein eigen artiges Völkergemisch: Ruthenen, Polen, Russen, Juden und Deutsche war die notwendige Folge. In dem aus Kalk und Kreid! bestehenden Boden der podolischen chebene haben die Auen tiefe Scharten eingegraben, die von Norden nach Süden verlauf und von den Russen zu hinter einander liegenden natürlichen Festungen umgeschaffen wurden. Mit Beginn des Krieges haben die Russen von einer raschen Offensive in Galizien abgestanden. Ihr Plan offenbar darauf hinaus, zunächst nach Ostpreußen stoßen, vielleicht waren sie auch hier trotz ihrer fahre igen We. bilisierung noch nicht 1 715 fertig. Da setzten unsere Bundesgenossen unter der Führung Konrads von Hölzendorf mit einer hervor ragend taktischen Offensive ein, nahmen unter Dankl und Auffen⸗ berg Krasnik und Lublin und brachten es so fertig, indem sie all Assschen Kräfte auf sich nahmen, uns zu entlasten. Dem ungehen, ren Drucke, den aber die Russen auf den rechten Flügel unserer Verbündeten ausübten, konnten sie auf die Dauer nicht stand⸗ halten und so erfolgte die Defensive, deren Gründe in der schon im Mai begonnenen russischen Mobilisierung, der schwächeren österreichischen Artillerie und der weiteren Tatsache bestanden daß man mit den Hindenburgschen Truppen in stetem Einklang bleiben mußte. Lemberg ging verloren, Przemysl wurde de den Hunger bezwungen. Durch die Schlacht bei Tannenberg und die Winterschlacht in Masuren aus Ostpreußen herausgeworfen, bo⸗ drohten die Russen Krakau und Oberschlesien, durch das der Weg nach Berlin führen sollte. Schon prahlte man in der russischen Duma und in französischen Blättern damit, daß die russischen Sol⸗ daten in die ungarische Ebene niederschauten, da erfolgte am 2. Mai nach den dafür getroffenen gründlichsten Vorbereitungen der Durchbruch der russischen Linien am Dunajec. Mackensens überlegenem Feldherrntalent im Verein mit den unüb⸗ ichen Leistungen unserer schweren Artillerie und dem Offensivgeist un⸗ serer Fußtruppen gelang es, di eWiderstandskraft der russischen Massen derart zu brechen, daß die ganze Front ins Wanken kam

3 und die Säuberung der Karpathen und Galiziens nur eine Frag

der Zeit wurde. Aber mit welchen Anstrengungen, Mühen und Opfern wurden die steilen, mit Schnee und Eis bedeckten Berge, die zum größten Teil zu starken Festungen hergerichtel waren, im Sturmeslauf genommen! Die Karpathen⸗ höhen stehen bekanntlich, was Wildheit ihver Formen und Steil⸗ heit der Abhänge anbetrifft, keinem anderen Gebirge nach, wie schon v. Humboldt bemerkt, der die Kordilleren Süd⸗Amerikas bereiste Was unsere Soldaten hier in unwirtlicher Gebirgsregion geseistet, was sie erduldet, das spottet jeder Beschreibung, und sie verdienen voll und ganz was Mackensen von ihnen sagt:Das sind Soldaten.

wie sie die Welt nicht gesehen hat. Infolge dieser gewaltigen Ereignisse waren die Rufen genötigt, auch die Bu ko wi