Ausgabe 
(15.11.1915) 269. Erstes Blatt
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land überbringen,

Nr. 2609

Der Gleßener Anzesger erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: biermal wöchentlich Gießener Famillenblätter; weimal wöchentl. Kreis- lat für den Kreis Gleßen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche zeitfragen Fernsprech- Auschlusse: für die Schrütletung 12 Verlag, Geschäitsstelleö l Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gleßen. Annahme don Anzeigen für die Tagesnunnner bis zum Abend vorher.

165. Jahrgang

General⸗Anzeiger ür Ober be 25

Rotationsdruck und verlag der Brühl schen Univ. Buch⸗ und steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und druckerei: Schulstr. 7.

Montag, 15. November 1915

Bein azvreis: monatl. 85 Pl., viertel⸗ seöhyrl. Mk. 2.50: durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 75 U.; durch die Vost Mk. 2.30 viertel⸗

75 5 jährl. ausschl. Bestellg.

8 85 Zeilenpreis: lokal 15 Pf., e ausw. 20 Pf. Haupt⸗

2 schrkitleiter: Aug. Goetz.

Verantwortlich für deln politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.

Französische Drohungen gegen Griechenland.

(T.) Großes Hauptquartier, 13. November.

Amtlich.) g Westlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues.

Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Vereinzelte russische Vorstöße wurden abgewiesen.

Balkan⸗Kriegsschauplatz. Die Verfolgung im Gebirge schreiket fort. Die Paßhöhen des Jastrebac(Berggruppe südöstlich von Kru⸗ sevac) sind von unseren Truppen genommen. 5 Ueber elfhundert Serben fielen gefangen in unsere Hand, ein Geschütz wurde erbeutet.

Oberste Heeresleitung. (WTB.) Großes Hauptquartier, 14. November.

(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Keine wesentlichen Ereignisse.

Oestlicher Kriegsschauplatz. Bei den. Heeresgruppen der Generalfeldmarschälle v. Hindenburg und Prinz Leopold von Bayern ist die Lage unverändert.

Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Bei- Podgacic(nordwestlich von Czartorys k) brachen deutsche Truppen in die russischen Stellungen ein, machten fünfzehnhundertfünfzehn Gefangene und erbeuteten vier Maschinengewehre. Nördlich der Eisen⸗ bahn Kowel Sar ny scheiterten russische Angriffe vor den österreichischen Linien.

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Die Armeen der Generale v. Köveß und v. Gall⸗ witz warfen auf der ganzen Front in teilweise hartnäckigen Kämpfen den Gegner erneut zurück. Dreizehn Offi⸗

ziere, siebzehnhundertsechzig Mann wurden ge⸗ fangen genommen und zwei Geschütze erbentet.

Die Armee des Generals v. Bojadjieff ist im An⸗ schluß an die deutschen Truppen von der süd lichen Mo⸗ ra va her im Vordringen.

Oberste Heeresleitung.

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Noch immer zieht sich die endgültige und sichtbare Ent⸗ scheidung Griechenlands hinaus. Welches sind die Gründe König Konstantins, vorerst tatenlos zu verharren? Man würde sehr sehl gehen, wenn man ihn der Aen stlichkeit oder Unentschlossenheit beschuldigen würde, denn 1515 die Ent⸗ scheidung im Lande der Hellenen nicht einfach und leicht ist, daß dort die Aecker umgepflügt und neue Saaten aus⸗ gestreut werden mußten, ist jedermann bekannt und erst wenn ein griechischer Körner ausrufen darf:Die Saat ist reif, ihr Schnitter zaudert nicht! wird man er⸗ kennen, daß König Konstantin die ganze Zeit zielbewußt am Werke war. Wir haben einige Anzeichen dafür, daß Griechen⸗ lands heutige Führer sich nicht den erloschenen Sternen Eng⸗ lands und Frankreichs anvertrauen werden. Als Venizelos zum zweite Male vom Amte fortgeschickt wurde, wußte der

önig sicherlich genau, warum er eine so weittragende Maßregel traf. Die Auflösung der entente⸗freundlichen Kam⸗ mer bestärkt uns in dieser Auffassung. Dabei wird, nach äußerlichen Geschehnissen, in Athen vorläufig noch ein Auge zugedrückt, daß jeden Tag aufs neue die griechische Neu⸗ ralität verletzt wird. Heute ist wieder eine Meldung ein⸗ elaufen, wonach neue englische Truppen in Saloniki ge⸗ andet sind Aber den feindlichen Vierverbandsmächten ist es beim Hinblick auf diese Stille vor dem griechischen Sturm doch nicht wohl in ihrer Haut. Denn die griechisch⸗bulgari⸗ schen Beziehungen sind in den letzten Tagen und Wochen nicht nur mit Worten geschmückt und gebessert worden. Vielmehr fällt aus allen Deuteleien die schwerwiegende Tat⸗ sache heraus, daß Griechenland in Bulgarien Getreide⸗ ankäufe erfolgreich erledigt hat und daß es dabei in Sofia, sicherlich nicht gegen unbestimmte Versprechungen, ein volles Entgegenkommen gefunden hat. Die Besserung der Beziehungen zwischen Athen und Sofia soll auch daraus ersichtlich sein, daß dem aus Anlaß der Uebergabe von Di⸗ motika durch die Türkei an Bulgarien veranstalteten Gottes⸗ dienst auch der griechische Metropolit von Dimotika mit dem 11 118 Klerus beiwohnte. Da zwischen der bulgarischen und er griechischen Kirche ein Schisma besteht, so darf diesem Ereignisse politische Tragweite beigeme sen werden.

So ist es verständlich, wenn der Berichterstatter des Daily Telegraph in Rom vor zwei Tagen meldete:All⸗ gemein ist man hier der Ansicht, daß das Abkommen zwischen Griechenland und Bulgarien schon geschlossen ist. Ich kann diese Meinung nicht teilen oder annehmen, daß Griechenland unter irgendwelchen Umständen die Verbündeten angreifen würde, allein ich rechne wohl mit einem unerwar⸗ teten Aufmarsch von König Konstantins Truppen nach Albanien oder Monastir, sobald die Umstände hierfür günstig sind. DieTimes erfährt aus Malland eine an⸗ dere Neuigkeit:Nach derStampa sind in Saloniki vier Deutsche mit dem Auftrage angekommen, B eziehun⸗

en zwischen den Kabinetten von Konstantinopel, Sofia,

ukarest und Athen zu knüpfen. Sie sollen deutliche Er⸗ klärungen König Ferdinands an König Konstantin über die freundschaftlichen Absichten Bulgariens gegenüber Griechen⸗ n Erklärungen, die Deucschland gewahr⸗ leistet. Auch bringen sie die Zulicherung von Rumäniens Ab⸗ sichten, neutral zu bleiben. 2

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DieMorning Post entnimmt derStampa ferner, daß jene vier Deutsche Offiziere gewesen seien, die aus Sofia zureisten.Drei Tage später schifften sie sich auf einem griechischen Torpedoboot nach dem Piräus ein. Wäh⸗ rend ihres Aufenthalts besuchten sie einen reichen Juden, der als ein eifriger deutscher Vertreter bekannt ist. Auch be⸗ suchten sie die französischen und englischen Lager. Zwei von ihnen waren Oberst v. Erdstner(2), früherer Adjutant von Feldmarschall v. d. Goltz, und Frhr. v. Falkenhausen, Mili⸗ tärattache in Athen. Der dritte war niedern Ranges, der vierte jedoch war anscheinend eine ansehnliche Persönlichkeit nach der ihm bekundeten Ehrfurcht. Der Berichterstatter vermutete dabei, daß es ein Blutsverwandter des Kaisers gewesen sei, vielleicht auch ein Sohn desFeldmarschalls v. Bülow. Das scheinen aufgeblähte Phantastereien zu sein.

In Rom herrscht, auch nach anderen Nachrichten, Be⸗ sorgnis und Bestürzung, und die französische Presse gibt, wie aus den nachstehend mitgeteilten Drohungen gegen Griechenland zu ersehen ist, darin nichts nach. Verschieden gefärbte Meldungen über neue Erklärungen und Besprechun⸗

en, die heute in den Blättern auftauchen, sind in ihrem Werte nicht zu hoch einzuschätzen. Skuludis soll allen Re⸗ gierungen die weitere Neutralität Griechenlands erklärt saben. Das ist so lange nötig, bis die Entscheidung fällt, da die Regierung in Athen von beiden Parteien dicghfich gedrängt wird. Der griechische Geschäftsträger in fia M. Raum, soll verlautbart haben, die bulgarische Regierung hätte in Athen ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht,daß sie Griechenland in keiner Weise Carantie für die Weiterent⸗ wicklung der Dinge bieten könne, und daß Bulgarien die Verantwortung für alle kommenden Ereignisse von sich ab⸗ wälzen müsse. Eine Verletzung der griechischen Grenze oder auch nur der griechischen Interessen ei in keiner Weise von Bulgarien beabsichtigt, doch sei selbst⸗ verständlich Bulgarien durch die Operationen seiner Gegner in seiner freien Beschlußfähigkeit verhindert. Der Pariser Matin tischt seinen Lesern die ziemlich offenkundige Lüge auf, die griechische Regierung habe Frankreich die für die Truppentransporte notwendigen Eisenbahnzüge zur Verfügung gestellt, was Frantreich dankend angenom⸗ men habe. Vielleicht hat Erie tenland das Angebot nur gemacht, um die geschlagenen Frauzosen zum gänzlichen Rück⸗ zug zu ermuntern. Die Voreiligen haben sich, nach dem neuesten bulgarischen Bericht, eine neue Schlappe ugezogen, und der Vierverband hat keinerlei Erfolge oder Geschehnisse aufzuweisen, die in Griechenlands wohlerwogener Politik ein Umschwenken verursachen könnten.

Ein Blick auf England zeigt alles andere als ein Aufschwellen von neuen Hoffnungen für die Entente. Jene sehr ernste Nachricht aus dem Osten, die nach Asquith Veranlassung gegeben hat, Kitchener auf Reisen zu entsen⸗ den, ist uns noch nicht näher erhellt worden; vermutlich handelt es sich um die Hiobspost aus Indien. Churchills Rücktritt ist ein weiteres Symptom für brechende Balken im Weltengehäuse Englands. Zwar war er längst kein Grend⸗ pfeiler mehr der britischen Macht und Größe. Der ehemalige erste Lord der Admiralität, der Urheber des englischen Dar⸗ danellenfeldzugs, war in die bescheidene Stelle eines Kanz⸗ lers von Lancaster gebettet worden, und die Kritik seiner Landsleute hat ihm den Rest gegeben. Asquith konnte und durfte ihn in den Kriegsrat nicht aufnehmen. So ging der selbstgefällige Schwätzer endgültig vom Schaup atze ab nicht ohne einen letzten Beweis seiner Eitelkeit und seines Größenwahnes zu geben. Ob er wirklich an die Front in Frankreich eilen wird? Vielleicht ist auch dies nur eine Großsprecherei, die sich nicht erfüllen wird! Heute ist die noch unbestätigte Pressenachricht eingelaufen, England habe an Rußland mitgeteilt, daß es aus strategischen Gründen seine Truppen von den Dardanellen abgezogen habe. Das trifft sich für den waghalsigsten Propheten der Engländer gut und zeitgemäßDer Lord läßt sich entschuldigen; er ist zu Schiff nach Frankreich.

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Die österreichisch⸗ungarischen Tages berichte.

Wien, 13. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 13. November 1915.

Russischer Kriegsschauplatz. Nordmestlich von Czartorysk wurde wieder ein feindlicher Angriff abgewiesen. Sonst haben nur Artillerie⸗ kämpfe stattgefunden.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Die großen Kämpfe im Görzischen, die neuerdings den Charakter einer Schlacht annahmen, dauerten auch gestern fort. Wieder folgte an der ganzen bisherigen Kampf⸗ front Angriff auf Angriff; die verzweifelten Anstrengungen des Feindes scheiterten jedoch an dem zähen Widerstand un⸗ serer mit unübertrefflichem Heldenmut fechtenden Truppen. Auch der Tolmeiner Brückenkopf stand tagsüber unter starkem Artilleriefeuer. Ein Angriff auf unsere Stel⸗ lung am Vrsic wurde abgeschlagen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unsere Visegrader Gruppe hat die Vorfstellungen des Gegners im unteren Lim⸗Gebiet genommen.

Die über Ivanjica vorg hend n österreich'sch⸗ungari⸗ schen Truppen haben die Höhen Bt Livada und Ervena Gora erkämpft, Eine andere Grupe hit nach Ueberwindung aller durch Schneefall, Kälte und hohes Gebirge gigebenen Schmie⸗ rigkeiten im Raume zwischen dem Ibar⸗ und Morawira⸗ Tale die wichtigen Höhen Smreak, Trigonometer 1649, und Kosutica, Trigonometer 1512, erstürmt und einige

Gegenangriffe abgewiesen.

Die Armee des Generals v. Gallwitz erkämpfte die Paßhöhen im Jastrebac⸗Gebirge und machte 1100 Gefangene. Die bulgarische Armee hat den Morawa⸗Uebergang fortgesetzt. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

Wien, 14. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 14. November 1915. 5

Russischer Kriegsschauplatz.

Nach einem Durchbruch in die feindliche Stellung nord⸗ westlich von Czartorysk wurden über 1500 Gefangene und vier Maschinengewehre eingebracht. Westlich von Ra⸗ falowka haben wir Angriffe abgewiesen. Sonst außer Handgranatenkämpfen bei Sapanow keine Infanterie⸗ tätigkeit an der ganzen Front.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Schon zu Beginn der neuen Schlacht hatten italienische Gefangene ausgesagt, die Stadt Görz würde zusammen⸗ geschossen werden, wenn es nicht gelingen sollte, sie zu nehmen. Tatsächlich fielen schon an den ersten Tagen der großen Kämpfe zahlreiche Geschosse in die Stadt. Gestern unterhielt die feindliche schwere Artillerie über den unbe⸗ zwungenen Brückenkopf hinweg ein heftiges Feuer auf Görz.

Unterde sen war die erfolglose Angr ef estätigk eit der Italiener

vornehmlich gegen den Nordteil der Hochfläche von Do⸗ berdo gerichtet. Nördlich des Monte San Michele ging ein Frontstück vorübergehend an den Feind verloren; abends wurde es durch Gegenangriff vollstaͤndig zurückerobert. Die übrigen Vorstöße der Italiener wurden sämtlich blutig ab⸗ geschlagen. Vor dem Abschnitte südlich des Monte dei sei Busi und vor dem Görzer Brückenkopf hielt schon unser Ge⸗ schützfeuer jeden Angriffsversuch nieder. Mehrere unserer Flugzeuge belegten Verona mit Bomben.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Die Armee v. Köveß hat in erfolgreichen Gebirgs⸗ kämpfen weitere Fortschritte gemacht. Die Visegrader Gruppe hat sich nach heftigen Kämpfen dem unteren Lin⸗Gebiet ge⸗ nähert. Auf der Straße nach

avor wurden die Höhen Ka⸗

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ragjorgjev sanac im Ibar⸗Tale, der Nordhang des Plani⸗ nica⸗Rückens erreicht. Im oberen Rasina⸗Gebiet hat sich der

geworfene Gegner über Brus und Ploca zurückgezogen. Die Armee hat in diesen Kämpfen 13 Offiziere und 1200 Mann gefangen genommen. Die Armee v. Gall witz drängt den 15 in das Tovlica⸗Tal zurück. Im Anschluß sind die ulgarischen Streitkräfte überall im Vorgehen.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. ***

Französische Drohungen gegen Griechenland.

Paris, 14. Nov.(WTB. Nichtamtlich) Zur Auflösung der griechischen Kammer erklärt die Presse, König Kon⸗ stantin habe sich durch die Auflösung über die Verfassung hinweg⸗ gesetzt. Er sei jetzt Diktator und habe das Schicksal Griechenlands in der Hand. Vor dem Zusammentritt der neuen Kammer, welche infolge der Regierungspropaganda wohl im Sinne des Königs usammengesetzt sein werde, könne der Vierverband keinesfalls auf

ie Hilfe Griechenlands rechnen. Ganz im Gegenteil, müsse man fürchten, daß König Konstantin nachgeben und sich auf die Seite der Feinde stellen werde. Die Ueberredungs politik, welche der Vier⸗ verband gegenüber Griechenland angewandt habe, sei kaum mehr das geeignete Mittel. Man dürfe nicht vergessen, daß die Truppen der Alliierten auf dem Boden Griechenlands stehen. Man müsse be⸗ dacht seine, diese vor jeder Ueberraschung zu schützen und nöti⸗ genfalls Griechenland durch Gewaltmaßnahmen zwingen, sich dem Vierverband anzuschließen. Einige Blätter hoffen daß es Denys Cochin, welcher sehr ausgebreitete Beziehungen in Griechenland habe, gelingen werde, Einfluß auf die iechische Regierung 7 ewinnen.Matin verlangt, daß die Alliierten Griechenland keine finanzielle und wirtschaftliche Unterstützung mehr gewähren. Man müsse die weitere Entwicklung der griechi⸗ schen Politik mit dem äußersten Mißtrauen betrachten.Fi⸗ garo hofft, daß der Vierverband diesmal nicht wie bei Bul⸗ garien warten werde, bis andere gefährlichere Ereignisse in Grie⸗ chenland eintreten.Humanits erklärt, König Konstantin habe passiven Verrat an Serbien begangen, indem er Serbien nich zu Hilfe geeilt sei. Jetzt sei er in der Lage, bis zum aktiven Verrat zu gehen. Diese Möglichkeit müsse ihm von den Verbündeten ge⸗ nommen werden. Hervs erklärt in derGuerre So⸗ ziale: König Könstantin setzt sein Spiel fort, ein Spiel, das Bulgarien dem Vierverband so gut gedankt hat. 5

Zu Churchills Rücktritt.

London, 13. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Churchill! hat in einem Brief an Asquith seinen Rücktritt angeboten. Er erklärt darin u. a.:

Als ick die Admiralität verließ, nahm ich es auf Ihr Ersuchen auf mich, an der Arbeit des Kriegsrates teilzunehmen und den neuen Ministern mit den Kenntnissen beizustehen, die ich da⸗ mals in gewissem Maße besaß. Die Ralschläge, die ich erteilt habe, sind in dem Protokoll der Reichsverteidigungskommission und in der Denkschrift, die ich den Mitgliedern des Kabinetts vorgelegt habe, verzeichnet. Ich lenke Ihre Aufmerksamkeit darauf, daß ich augenblicklich vollständig mit der Bildung des kleinen Kriegsrates übereinstimme, und ich billigte Ihre vor sechs Wochen geüußerte Absicht, mich in diesen aufzunehmen. Ich habe damals nicht vor⸗ aussehen, mit wie großen persönlichen Schwierigkeiten Sie bei der Zusammenstellung des Kriegsrates zu kämpfen hätten und beklage mich durchaus nicht darüber, daß Ihr Plan geändert worden ist. Aber gleichzeitig mit der Aenderung ist meine Arbeit f gierung natürlich beendigt. Ich kann nicht als Mit kutivgewalt eine Stellung mit allgemeiner Verar eit die Kriegspolilik einnehmen, ohne daran mitzuarbeiten, sowie Einsicht in ihre Entschlüsse zu haben und eine Kontrolle auszu⸗ üben. In diesen Zeilen fühle ich mich außerstande, in gut beza ter Untätigkeit zu verharren und ersuche Sie deshalb, dem König meinen Rücktritt anzubieten.

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